zur Landkreiskarte          ausführliche Beschreibg.       Kirchen i.d.Gem.Hebertshausen

Filialkirche Mariä Geburt in UNTERWEILBACH

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch Grabmal der Grafenfamilie SpretyLourdesgrotte

Kurzbeschreibung

Unterweilbach liegt zwischen Ampermoching und Röhrmoos nahe der Bahnlinie München- Ingolstadt. Der Ort wurde im Jahr 802 (als Wilpah) erstmals erwähnt. Bekannt ist auch das Schloss Unterweilbach der Grafen von Sprety.

Die Filialkirche Mariä Geburt der Pfarrei Ampermoching wurde erstmals 1315 in der  Konradinischen Matrikel (als Nidernweilpach mit Friedhof) genannt.

Der heutige Bau der Kirche, eine barocke Saalkirche mit halbrunder Apsis, stammt zum Teil aus dem Jahr 1596, zum anderen Teil aus der Zeit um 1740.
Der Turm auf der Nordseite des Chores, der auf dem Wening-Stich von 1700 noch ein Satteldach zeigt, erhielt damals eine Zwiebelkuppel. Er hat im unteren Teil einen viereckigen Grundriss. Der Aufbau ist achteckig mit unterschiedlich breiten, durch Ecklisenen
gegliederte Seiten.  


Dachungsengel am Choraltar

Die Kirche war schon in früherer Zeit eng mit den Hofmarksherren im nahe gelegenen Schloss verbunden. Vor allem Epitaphe erinnern an die gräfliche Familie derer von Sprety, wie z.B. das große dekorative Grabmal am Südgiebel der Sakristei.

Inneneinrichtung

Die Kirche besitzt einen prächtigen Hochaltar mit bebilderten Seitentüren und vielen Figuren Er ist um 1741 entstanden. Mittelpunkt ist die eine Muttergottes - Statue  aus dem Jahre 1450. Assistenzfiguren sind die Eltern von Maria, der hl.Joachim (mit Schäferschaufel) links und Mutter Anna rechts).  Hochaltar und die Außenwände sind mit Bögen und Türen verbunden, auf denen Bilder und Figuren der Heiligen Franziskus, Antonius, Katharina und Barbara zu sehen sind.

Die beiden Seitenaltäre aus dem Jahr 1741 wurden viele Jahre renoviert und stehen nun seit 2007 wieder an ihrem Platz.

Über der Sakristei ist das Oratorium der Hofmarksherren eingebaut,

Der Zelebrationsaltar ist eine Besonderheit. Es handelt sich um einen alten Tragaltar, mit vier herausziehbaren Griffen, mit denen der Altar bei Prozessionen mitgetragen und an den Stationen als Altar verwendet werden kann.

Kirchenbank-WangenSt.FlorianVortragskreuzHochaltar mit FigurenBild von St.Wolfgang Deckengemälde im AltarraumMuttergottes am HochaltarFranziskusTabernakelDeckengemälde im LanghausSt.BarbaraSt.KatharinaAltaraufsatz: DreifaltigkeitSt.SebastianSt.TheresiaHeilige Familie
Vergrößerung von vielen Details (Figuren, EpitapSt.FlorianVortragskreuzSt.SebastianSt. TheresiaMater dolorosaGrabsteineHochaltar mit FigurenBild von Anna, Maria und JesusEpitaph hien, Altar) per Mouseklick

Auf mehreren Ölbildern in der Kirche sind Heilige dargestellt:
- hl. Leonhard mit Tieren, Kette und Abtsstab
- hl.Franz Xaver auf dem Sterbelager mit einem Kreuz in der Hand
- hl.Josef
mit Jesus auf einer Windel
- hl.Joachim
, der Großvater Jesu mit seinem Attribut, der Schäferschaufel in der Hand.

An der Orgel aus dem Jahr 1867 ist noch der alte Blasebalg erhalten.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Neubau 1596 Matrikel 1740
Beschreibung 1874
Einrichtung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Bilder im Schiff Choraltar
Chorglocke Deckenfresken Epitaphe Fenster Figuren im Schiff
Kanzel Kanzelkreuz Kirchenbänke Kreuzweg Mater dolorosa
Orgel Opferstock Oratorium Reliquiare Seitenaltäre
Tabernakel Turm Vortragekreuze Zelebrationsaltar

Unterweilbach liegt zwischen Ampermoching und Röhrmoos an der Bahnlinie München- Ingolstadt.
Der Ort wurde im Jahr 802 (als Wilpah) erstmals erwähnt, als ein Herr Toti und seine Frau Galilea Teile ihres Besitzes in Weilbach der Domkirche in Freising schenkten. Am 23.6.2002 feierten die Bewohner das 1200-jährige Bestehen mit einem großen Fest. Bekannt ist auch das Schloss Unterweilbach der Grafen von Sprety.

Geschichte der Kirche

Die Kirche Mariä Geburt in Unterweilbach, eine Filiale der Pfarrei Ampermoching, wurde erstmals 1315 in der  Konradinischen Matrikel (als Nidernweilpach mit Friedhof) genannt.


Auszug aus der Karte
von Apian 1568
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Schlossbenefizium 1444
Im Jahr 1444 haben die damaligen Schlossherren, die Münchner Patrizier-Brüder Joannes und Petrus Schluder zu Weilbach, auf Wunsch ihres Vaters ein Schlossbenefizium eingerichtet. Das Stiftungsgut umfasste neben anderem Vermögen auch zwei Güter in Apercha und eines in Pullhausen. Die Stiftungsverpflichtung betraf zunächst 6 Messen in der Woche; 1740 wurde die Verpflichtung auf 3 Messen und 1792 auf nur noch zwei Messen wöchentlich herabgesetzt, die zum Teil in der Kirche, zum Teil in der Schlosskapelle gefeiert wurden.

Matrikel 1524

Auch in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 ist die Filialkirche "Beatae Mariae Virginis in Weilbach cum sepultura (mit Friedhof)" mit ihrem Benefizium erwähnt. Aus diesem Benefizium wurde wohl nicht nur die Stelle eines Capellanus (Kaplan) finanziert, sondern auch die eines Frühmessers in der Kirche.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien >gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Protokoll der Visitation von 1560 wird der schon 1524 erwähnte Frühmesser mit Namen genannt.

Johannes Peckh aus Mammendorf, in Freising geweiht, halte die Frühmesse, die zweimal in der Woche um 5:30 oder 6 Uhr stattfand. Die Visitatoren haben notiert, dass er täglich seine Stundengebete verrichtet, die Messe auf Latein liest und sich sonst "priesterlich helt", also das Zölibat beachtet. Seine Freizeit widmete Peckh dem Lesen und Studieren. Er habe auch versichert, dass er der katholischen Religion treu bleiben wolle. Sein Einkommen betrug 14 Schäffl Korn, 1/2 Schäffl Weizen, 13 Schäffl Habern und 15 Gulden in Geld. Offensichtlich war er aber nur eine Aushilfe, weil im Protokoll vermerkt wird: "Ist i(h)me dise Meß allein verlihen worden, bis Hieronimus Kheiß wiederumb kombt". In der Kirche "Underweilbach" fanden die Inspektoren eine Kelch mit mit Corporale, ein Messbuch und zwei Messgewänder. Das Sakramenthauß (Tabernakel) ist nit wol beschlossen, aber beleucht (wohl Ewiges Licht). Das Tauföl wurde in einem Krug aufbewahrt. "Ist ain arm gottshauß; sonst kain mangel" heißt es zum Abschluss des Berichts.


Ausschnitt aus der Karte des
Freisinger Geografen Georg Philipp Finckh von 1655


Neubau 1596
Die Kirche wurde wohl im Jahr 1596 neu erbaut. Dieses Datum soll in einem alten Messbuch von Unterweilbach als handschriftlicher Vermerk stehen; so besagt das eine Notiz im Erzbischöflichen Archiv.
Diese Kirche wurde im Jahr 1741 umgebaut und "in der alten Form" durch den Dachauer Baumeister Johann Göttschl (1684-1747) und den Zimmermeister Anton Straßer auf rd.18 x 9 Meter erweitert. Vom alten (wohl noch spätgotischen) Bau blieb insbesondere die Nordmauer erhalten.


Matrikel 1738/40

Ansicht um 1700
Kurz vor dem Umbau hatte in den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis Beatae Mariae Virginis in Weilbach" bemerkt er, dass die Kirche von schlechter Bausubstanz sei.
Sie hatte auch damals drei Altäre, die -wie heute noch- der Jungfrau Maria, der hl.Anna und dem hl.Wolfgang geweiht waren. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag nach Mariä Geburt (8.Sept). In der Sakristei wurden nur wenige Messgewänder von geringer Qualität aufbewahrt. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen drei geweihte Glocken (mehr als in der Pfarrkirche).
Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Ampermoching und der Schlossherr in Unterweilbach, Graf Spreti. Letzterer ließ den Kanonikus nicht in die Bücher schauen, denn der vermerkt "Das Vermögen dieser Kirchen ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wüßlich".

Beschreibung 1874

Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Über Unterweilbach ist zu lesen, dass in dem "an der Ingolstädter Eisenbahn" gelegene Ort damals 160 Seelen in 18 Häusern lebten. Der Stil der Kirche sei unausgeprägt. Im "Kuppel-Thurm" hingen zwei Glocken. Im Kircheninneren standen drei Altäre, die 1848 renoviert worden sind. Stiftungen: 5 Jahrtage, 8 Jahrmessen und 12 Monatsmessen. Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer. Das Kirchenvermögen betrug 6.841 Gulden.

Die letzte umfassende Renovierung fand in den Jahren 1968/69 und von 1988 bis 2007 statt.
Wenn Sie die Kirche vor der Renovierung von 1968 sehen möchten, klicken Sie auf das Bildchen links.

1912 fand in der Kirche die Primizfeier des aus Unterweilbach stammenden Josef Niklas statt. Das erfahren wir aus einem Bericht der Wochenzeitung Amperbote vom 03.08.1912. Wenn Sie den Text lesen möchten, klicken Sie hier...

1933: Kurz nachdem die Nazis die Macht übernommen hatten, gingen sie gegen ihre erklärten Gegner vor. Im Amperboten 15.3.1933 wird berichtet, dass der Benefiziat Behr aus Unterweilbach auf Anordnung der Regierung in sog. Schutzhaft genommen und später wieder entlassen wurde.

Baubeschreibung

Die Kirche liegt an der Hauptstraße im Ort inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Es handelt sich um eine barocke Saalkirche zu vier Achsen (Joche) mit halbrund geschlossener Apsis.
Der Bau ist weiß glatt verputzt mit aufgemalten gelben Lisenen. Er besitzt rundbogige Fenster mit gelben Umrahmungen.

An der Südseite des nicht eingezogenes Chores ist eine zweistöckige Sakristei angebaut. Im oberen Stockwerk befand sich das Oratorium für die Hofmarksherren.  An deren Südgiebel steht ein großes, dekoratives Grabmal für die Grafen von Sprety aus dem nahen Schloss Unterweilbach mit einer Kreuzigungsgruppe über dem Spreti-Wappen. Es wurde von Prof. Endreß entworfen, der 1845 den Umbau der Schlosskapelle geleitet hatte.

 Nicht weit davon entfernt ist die Gedenktafel für die Unterweilbacher Gefallenen des Ersten Weltkriegs angebracht.

Der Turm auf der Nordseite des Chores, der auf dem Wening-Stich von 1700 noch ein Satteldach zeigt, erhielt 1741 eine Zwiebelkuppel, die 1969 mit Kupfer beschlagen wurde. Er hat im unteren Teil einen viereckigen Grundriss. Der Aufbau ist achteckig mit unterschiedlich breiten, durch Ecklisenen gegliederte Seiten. Die Kuppel bekam 1969 ein Kupferbedeckung. In der Glockenstube hängen zwei Glocken. Eine wurde um 1830 bei Nikolaus Regnault in München, die andere 1959 bei Karl Czudnochowsky in Erding gegossen.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".
Im kleinen Vorhaus an der Südwestseite, das das Eingangsportal vor der Witterung schützt, ist eine kleine Lourdesgrotte hinter einem Ziergitter eingerichtet.

 

Inneneinrichtung

Altarraum

Der hohe Altarraum besitzt eine halbrunde Apsis mit drei Rundbogenfenstern und einem einfachen Gemälde an der Flachdecke. Bei dem Gemälde handelt es sich um ein Rundbild im feurigem Strahlenkranz. Das Bild selbst bildet aus vielen Heilig-Geist-Zungen, einem Kreuz und einem Herzen mit drei Nägeln das Jesusmonogramm IHS.
Hinweise: das Jesusmonogramm kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.


Fenstergemälde

Die Fenster im Altarraum enthalten farbige Glaseinsätze, die im Nordosten das Herz Jesu (gestiftet von Franziska, Gräfin Kreit, geb. Gräfin Spreti im Jahr 1899) und im Südosten das Herz Mariä darstellen (Maria weist mit ihrer linken Hand auf das brennende Herz, in der anderen Hand hält sie eine Lilie, ein Kranz von 12 Sternen umgibt ihr Haupt); das Bild wurde von Anna Stadelmeier, 1839-1899, Louise, Gräfin Spreti gestiftet .
  Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.


Choraltar / Hochaltar

Der Hochaltar mit einer prächtigen Altarrückwand (Retabel), bebilderten Seitentüren und vielen Figuren stammt aus der Zeit um 1700. Er wurde um 1741 im Rahmen des Neubaues der Kirche stark überarbeitet und 1848 renoviert. Die marmorierte Altarrückwand wird durch vier Säulen gestützt; seitlich lugen die (1968 nach Vorlagen neu geschnitzten) Enden eines Vorhanges hervor, die den Eindruck vermitteln, der Altar sei auf der Rückseite von diesem Vorhang umhüllt.

Mittelpunkt des Altars ist die eine Muttergottes-Statue aus gotischer Zeit, die aber sicher im Barock überarbeitet wurde.  Sie steht unter einem Baldachin mit seitlichen Vorhängen und ist von zwei Putten umgeben. Maria trägt das Jesuskind auf dem linken Arm; in der rechten Hand hält sie ein Szepter. Ihre Füße stehen auf einer Mondsichel.
Hinweis: Diese Mondsichel erinnert an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen". Über das Alter der Figur gehen die Angaben auseinander: eine Quelle ordnet sie dem Jahr 1450 zu, eine andere Quelle dem beginnenden 17.Jh.´ Unter der Marienfigur sind zwei Leuchterengel angebracht.

Assistenzfiguren am Hochaltar sind die Eltern von Maria, der hl.Joachim (mit Schäferschaufel) links und Mutter Anna rechts.  Die beiden Figuren wurden um 1740 geschnitzt.
Hinweis: Anna und Joachim waren nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Eltern der Maria und somit die Großeltern von Jesus. Anna war schon betagt, als sie ihre Tochter Maria gebar; sie wird meist mit Kopftuch dargestellt. Joachim hat eine Schäferschaufel in der Hand, weil er auf dem Feld die Herden hütete, als ihm ein Engel erschien.

Der Altaraufsatz besteht aus einem hochovalen Auszugsbild zwischen zwei Säulchen, die ein gesprengtes Gebälk tragen. Im Bild ist die Hl. Dreifaltigkeit dargestellt. Seitlich sitzen auf den Gebälkstücken zwei Engel. Um die große blaue Erdkugel gruppieren sich Gottvater (links), Christus mit dem Kreuz im Arm (rechts) und die Heilig-Geist-Taube (oben). Darüber ist eine weitere Heilig-Geist-Taube befestigt, die früher an der Kanzel angebracht war.
Um die große blaue Erdkugel gruppieren sich Gottvater (links), Christus mit dem Kreuz im Arm (rechts) und die Heilig-Geist-Taube (oben).
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

Der Hochaltar wird abgerundet durch die beiden bis zur Außenmauer reichenden Durchgänge mit Seitentüren. Die Türen sind mit leider schon sehr nachgedunkelten Bildern der Heiligen Franziskus (links) und Antonius (rechts) bemalt.
Die altersbedingte dunkel-bräunliche Verfärbung von Ölgemälden wird in der Kunst "Galerieton" genannt. Sie rührt vom Oxydationsprozess öliger Bindemittel oder vom Vergilben des Firnis her. Mögliche Ursache ist aber auch Rauch durch offenes Feuer und Licht.
Hinweis: Franziskus von Assisi gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Er wählte für den Ordenshabit die braune Farbe. Diese Farbe steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurück-erstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden

verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Auf den Türen sind geschweifte Aufsätze im Akanthusdekor mit hochovalen Holzbildern von zwei Heiligen aufgebracht.
  
Bei der weiblichen Heiligen handelt es sich um Maria Magdalena (mit Salbbüchse). Der männliche Heilige soll den Apostel Judas Thaddäus darstellen; die Attribute Kreuz, Buch, Totenschädel und Trompete sind für diesen Heiligen aber sehr ungewöhnlich.
  Hinweise: Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Jesus die Füße salbte (Luk 7, 37 - 38), wie die Legenden behaupten, ist ungewiss. Aber meist wird sie mit einer Salbbüchse abgebildet.
Judas Thaddäus war einer der Jünger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Der Legende nach wirkte Judas später in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.

Auf den Aufsatzbilder stehen die aus dem Ende des 17. Jh stammenden Heiligenstatuen von Katharina (links mit Schwert und Radl) und Barbara (mit Kelch und Schwert). 
Hinweis: Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein.  
Hinweis: Barbara soll von ihrem heidnischen Vater während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst (deshalb das Schwert in der Hand). Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten,
  dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Der Tabernakel aus dem Ende des 19.Jh im Stil des Historismus wird durch vier vergoldete kleine Säulen und verkröpftem Gesims gegliedert. Die vergoldete Türe ist durch Schnitzwerk des Neurokoko verziert. In der Mitte ist das Auge Gottes im Dreieck dargestellt. Diese Form verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. Es symbolisiert die erste göttliche Person und durch das Dreieck gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt. Neben dem Tabernakel stehen Kerzenleuchter aus der Zeit um 1820; sie haben einen Holzkern, der von getriebenem, versilberten Messingblech umgebenen ist.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Reliquiare

In der Predella des Choraltars sind Reliquienbehälter aus dem 18.Jh. eingelassen. Sie enthalten neben den Reliquien, farbige Steine, Stickereien, Perlen, ein Wachsmedaillon (sog.Agnus Dei) sowie Filigranarbeiten aus Gold- und Silberfäden. Auf kleinen Pergamentstreifen (Cedulae) sind die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen, verzeichnet. Es sind u.a.: links: s.Clementia, S.Quilielmus Mart. s.Martialis mart. S.Pranquilinus Mart. s.Speciosa
rechts. s.Gaudenti Mart. s.Crescentia Mart. s.Quirinus Mar.
Die Abkürzung Mart. weist auf den Status als Märtyrer hin. Bei den Reliquien handelt es sich um Partikel von sog.
Katakombenheiligen. Die in den Katakomben Roms gefundenen anonymen Knochenreste wurden generell als Gebeine von Märtyrern angesehen, mit einem Namen versehen (getauft) und als Reliquien an alle Kirchen des Abendlandes verkauft.


Chorglocke

Neben dem Sakristeieingang ist die sog. Chorglocke angebracht, die in einem schmiedeeisernen Rahmen wohl aus dem ausgehenden 19.Jh hängt. Mit ihr wird das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes gegeben. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


O
ratorium

Über der Sakristei ist das Oratorium der Hofmarksherren eingebaut, das von den Grafen Spreti noch nach dem 2.Weltkrieg genutzt wurde. Zur Zeit stehen dort Gipsfiguren und Einrichtungsgegenstände, die nur für bestimmte Feste gebraucht werden:

Ein altes Kruzifix aus dem 17.Jh wurde bei der Dekoration des Hl.Grabes verwendet, das früher am Karfreitag aufgerichtet wurde und bis Karsamstag Mittag dem Gedenken an den Tod Christi gewidmet war.  Wenn Sie sich für Hl. Gräber interessieren, klicken Sie hier...
  Hinweis: Am Corpus des Kreuzes liegt -wie bei den meisten Kreuzigungsdarstellungen üblich- die Seitenwunde auf der rechten Seite des Brustkorbs. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Da das Öffnen der Seite aber den Zweck hatte, zu prüfen, ob Jesus schon tot war, muss es sich um seine linke Seite gehandelt haben. Nach dem Tod eines Menschen sammelt sich im Herzen Blut und Wasser. Das herauslaufende Wasser war somit das Zeichen für den eingetretenen Tod. Die häufige Darstellung der Stichwunde auf der rechten Seite liegt in der mittelalterlichen Deutung begründet, dass es nur die rechte, die gute Seite sein konnte, durch die Blut und Wasser als Hinweis auf die kommenden Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte.
Die Statue des Auferstandenen (Gipsfigur) mit der Fahne in der Hand hat in der Osterzeit ihren Platz auf dem Tabernakel. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik.
  Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.


  Zur Weihnachtszeit ist auf dem Tabernakel dieses Jesuskind zu sehen. Es besteht aus Gips und stammt aus dem 20.Jh.

Auch die Gipsfigur des hl.Josef mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm und einer Lilie in der Linken dürfte aus dem 20.Jh stammen.


E
pitaphe

In die Seitenwände des Chores und des Kirchenschiffs sowie an den Außenseiten der Kirche sind mehrere Epitaphe eingelassen, die an die Grafenfamilie v.Sprety und an frühere Geistliche in Unterweilbach (meist Benefiziaten = Inhaber kirchlicher Pfründe / Einnahmen) erinnern. Viele Grabsteine der Spretys waren früher an der Münchner Franziskanerkirche aufgestellt und wurden nach deren Abbruch vor 200 Jahren nach Unterweilbach gebracht. 
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.


1749

1772

1802

1804

1898

1810

1895

1925

1932

1945

 

1772

 

An der Nordseite des Altarraums ist das Epitaph für Franz Johann Hieronymus Innozenz Graf von Spreti (gest. 25.4.1772) zu finden. Es ist aus Grau- und Rotmarmor zusammengesetzt. Auf dem Epitaph ist ein hölzerner Wappenaufsatz mit heraldischen Motiven befestigt. Maße: 173 x 98 cm, ohne hölzernen Wappenaufsatz

An der Südseite des Langhauses ist das klassizistische Epitaph aus Graumarmor für die gräfliche Familie von Sprety eingelassen. Es ist 168 cm hoch und 74 cm breit. Der Text lautet: Hier ruhet die hochgebohrne Frau Mar.Clemen.Gräf.v.Spreti, gebohrne Freyin v.Schurf genannt Thann. Sie starb am 22.Mai MDCCCII (1802) im LXIV (64). Jahr ihres Alters. Beweint als die beste Mutter, zärtlichste Gattin und Wohltheterin viller Leidenden. Sie war vermählt den III.Oktob.MDXXLVIII (1758) mit dem hochgeb.Herrn Sigmund Graf v.Spreti, churbayerischer Kammerer, Hofrath und St.Georgsordenes Ritter......".
An der Nordseite des Langhauses ist das Epitaph für Maria Carolina von Sprety eingelassen. Sie starb am 13.6.1749. Das Epitaph besteht aus Rotmarmor. Darüber neigen sich zwei Wappen zueinander. Eines davon zeigt den Baum der Spretis, das andere einen Rechen. Maße: 104 x 65 cm .
1836
An der Südseite des Altarraums ist das Epitaph für Josepha Gräfin von Sprety eingelassen. Sie starb am 21.1.1836. Das fast einen Meter hohe Epitaph besteht aus schwarzem Marmor. Im oberen Bereich enthält es ein Allianzwappen (Maße: 96 x 63 cm).
1759

An der Nordseite des Altarraums ist das Epitaph aus Graumarmor für Maria Barbara Prehanber (gest. 1759) zu finden.

An den Außenseiten der Kirche finden wir

Die Grabstätte der Familie Spreti mit dem großen dreiteiligen Grabdenkmal im neugotischen Stil. Es wird überragt von einer Kreuzigungsgruppe aus Stein: Christus am Kreuz, darunter stehen Maria und der Apostel Johannes. Im mittleren Feld sind ein Engelskopf mit gekreuzten Flügeln, darunter ein mit Akanthusblättern und einer Krone verzierte Wappen der Spretis. In den beiden Außenfeldern sind die Namen der hier begrabenen Angehörigen der Grafenfamilie eingemeißtelt. Sie reichen von Graf Sigmund (gest.1843) bis Joachim von Trebra-Lindenau (gest.26.8.2000). Das Grabdenkmal stammt von Prof. Endres, der 1845 den Umbau der Schlosskapelle leitete.


1802


Epitaph für Benefiziat
(= Priester ohne Pfarrei) Bartholomäus Sailer (1731-1802) aus Sandstein
(Maße: 88 x 51 cm)

Epitaph für den am 13.5.1804 im Alter von 56 Jahren gestorbenen Benefiziaten Georg Braun mit Totenkopf und gekreuzten Oberschenkelknochen, Kelch, Stola, Blüten und Hostie (Kalksandstein, 75 x 35 cm)
Rautenform hat das Epitaph für das Kind Louise Sprety. Text: Hier ruhet Louise Sprety. Töchterchen des Sign. Sprety Grafen v.Weilbach durch dessen gliebte Gattin Josephine gebohrne Freyin v.Boslar erzeugt am 19.May 1897 gestorben den 13. (31.?) März 1808."

Epitaph aus Kalksandstein für Benefiziat Georg Joseph Wandinger:
Text: Hier ruht für den großen Tag der Garben die sterbliche Hülle des Hochw.Herrn Georg Josef Wandinger, Benefiziaten in Weilbach. Er ward geboren am 7.Juny 1777, starb am 21.Nov. 1810, Friede umwehe seine Asche."
Über dem Stein ist auf dem Teilstück eines (unbekannten) Epiaphs aus Rotmarmor (38 cm) eine Kelchdarstellung zu sehen. Maße der Grabplatte: 58 x 51 cm

1836
An der Südseite des Altarraums ist das Epitaph für Josepha Gräfin von Sprety eingelassen. Sie starb am 21.1.1836. Das fast einen Meter hohe Epitaph besteht aus schwarzem Marmor. Im oberen Bereich enthält es ein Allianzwappen.
Die Form eines neugotischen Fensters mit Maßwerk hat das Epitaph für Gräfin Anna (Kalksandstein). Text: Hier ruhet in Frieden an der Seite seiner innigst geliebtesten Gattin Anna Gräfin von Spreti der hochwohlgeborne Herr Oscar Freiherr Ruffin, k.Kammerer und Rektor des k.Verwaltungsgerichtshofs a.D. Ritter des Verdienstordens der Krone vom hl.Michael, geb. den 17.Dez 1821 auf Schloss Weyhern, gest. den 1.Aug.1895 (?) in München. R.I.P."
1815

Epitaph für den am 28.5.1815 gestorbenen Benefiziat Joseph Anton Fritz (Kalksandstein, mit schmiedeeisernen Kreuz, Maße: 54 x 44 cm)

Das Epitaph für Franz Graf von Spreti ziert ganz oben das mit einer Krone versehene Wappen mit dem stilisierten Baum.
Text: Hier ruht in Gott der Hochgeborene Herr Franz Graf von Spreti, k.b. Kämmerer u. Oberstleutnant a.D. Ritterlicher Orden. Geb. 3.Oktob.1857 zu Unterweilbach, gest.4.April 1932 zu München - Maria Gräfin von Spreti, geb. Freiin von Freyberg, geb. zu Jetzendorf 6.Febr.1868, + zu München 25.Jan.1951. R.I.P."
Wappenförmig ist das Epitaph für den Rittmeister Adolph Graf von Spreti aus Kalksandstein. Unter dem Stein ist ein Weihwasserbecken angebracht. Der Text lautet: Hier ruhen der k.b.Rittmeister a.D. Adolph Graf von Spreti, geb. 21.4.1841, gest. 20.12.1925 und seine Gemahlin Karolinke Gräfin von Spreti, geb.Hartmann, geb. 29.6.1842, gest. 27.11.1915, Antonie Gräfin von Spreti, geb. 4.8.1856, gest. 7.1.1937, R.I.P."
Das Epitaph für den Generalintendanten Kurt Freiherrn Kress von Kressenstein, gest. 17.8.1945 und seine Kinder Martina (1Tag alt) und Kurt (6 Tage alt) ist rechteckig und besteht aus Rotmarmor. Der Stein erinnert auch an Martina Braun von Kress, verwitwete Freifrau Kress von Kressenstein, geb. Gräfin von Spreti, die am 13.5.1998 im Alter von fast 98 Jahren gestorben ist. Den oberen Teil des Epitaphs schmückt der Baum aus dem Wappen der Spreti. Zum Zeichen der Trauer ist er geneigt.
1949

Aus schwarzem Marmor besteht das 60 cm hohe und 37 cm breite Epitaph für Pfarrer Dr. Josef Link (1881-1949).

 



Z
elebrationsaltar


Der Zelebrationsaltar ist eine Besonderheit. Die Tücher, die ihn umgeben, lassen ihn zunächst wie einen der üblichen Altäre aus Holz oder Stein erscheinen lassen. Ein Blick darunter zeigt aber, dass es sich um einen Tragaltar handelt, mit vier herausziehbaren Griffen, mit denen der Altar -wie der Name schon vermuten lässt- bei Prozessionen (denkbar bei der Fronleichnamsprozession) mitgetragen und an den Stationen als Altar verwendet werden kann.
  Hinweis: Seit dem frühen Mittelalter gab es solch kleine tragbare Altäre, die altare portatile (lat. portare = tragen). Sie konnte auf Reisen mitgeführt und an jedem beliebigen Ort aufgestellt werden, um die Messe zu zelebrieren. Die einfachste Form ist der tafelförmige Tragaltar, ein geweihter und mit Reliquien versehener Altarstein, der in einem Rahmen oder in einer Holztafel eingelassen ist. Der Altarstein muss so groß sein, dass ein eucharistischer Kelch, in der Regel ein kleinerer Reisekelch mit Patene, darauf Platz finden konnte. Neben die tafelförmigen traten seit dem 11. bis in das 13. Jahrhundert kasten- und altarförmige Tragaltäre, wie in Unterweilbach. Sie haben stets einen Holzkern, in den man eine größere Zahl von Reliquien eingeschlossen hat. Viele Tragaltäre sind reich mit Goldschmiedearbeit versehen und eher Prunkaltäre, die wohl in erster Linie die Funktion eines Reliquiars hatten.

Kirchenschiff / Langhaus


L
anghausdecke


Die Decke des Kirchenschiffs und der Chorbogen sind mit Ornamentsschmuck ausgemalt. An der Decke des Kirchenschiffs ist in der Mitte eines großen Feldes ein Kreuz im Strahlenkranz mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden zu sehen.
Das Gemälde wurde erst 1860 im Stil des Historismus erstellt, später als stilistisch nicht zur übrigen Barockeinrichtung passend übermalt und schließlich 1992 wieder freigelegt.



S
eitenaltäre


Linker Altar

Die beiden Seitenaltäre aus dem Jahr 1741 wurden erstmals 1848 und nochmals 1968 renoviert. Die letzte Restauration dauerte 40 Jahre. Schuld an der Verzögerung waren die Kosten (letztendlich 200.000 Euro), die zu tragen sich zunächst niemand bereit gefunden hatte. Seit 2008 erstrahlen sie wieder in neuem Glanz. Die Altarbilder hingen während dieser Zeit als Einzelstücke im Chor und an der Kirchenwestwand auf der Empore. Die Assistenzfiguren standen an der Stelle der Seitenaltäre.
Auch an den Seitenaltären sind Reliquiare angebracht. Dort befinden sich Reliquien der Katakombenheiligen s.Venantius Mart., s.Tonantius Mart., s.Margaretha, ss.Caspar, Melchior, Balthasar, s.Ruperti Episcopus, s.Renantius


Rechter Altar


Linker Seitenaltar

Auf dem linken Altar ein im Nazarenerstil gemaltes Bild des hl. Wolfgang in rundbogigem Rahmen. Auf dem Bild die beiden hauptsächlichen Attribute des Heiligen, das Kirchenmodell und die (von einem Engel gehaltene) Axt.

Hinweis: St.Wolfgang lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee.

Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, sodass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde. Danach kehrte er nach Regensburg zurück. Die vielseitige und umsichtige Tätigkeit als Bischof begründete Wolfgangs Beliebtheit und seine Verehrung schon zu Lebzeiten.

Als Assistenzfiguren stehen am Seitenaltar Skulpturen aus der Zeit um 1700. Links der hl. Sebastian am Marterpfahl von Pfeilen durchbohrt, rechts der hl. Florian in römischer Soldatenkleidung mit Wasserschaff und brennendem Haus.

 

Hinweise: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen.In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.

Altaraufsatz

Das Ovalbild im Altarauszug zeigt den hl.Joachim, den Großvater Jesu, mit seinem Attribut, der Schäferschaufel in der Hand.

Der kleine Engel links oben erinnert an die Schilderung im apokryphen Jakobusevangelium, wonach ihm auf dem Feld bei seinen Herden ein Engel erschienen sein soll. Das Bild wurde im 18.Jh. in Ölfarbe auf Leinwand gemalt.


K
rippe

In der Weihnachtszeit steht auf dem linken Seitenaltar eine kleinere, kompakte Krippe mit bemalten Schnitzfiguren. Sie wurde in Schönbrunn wohl in der Werkstätten der damaligen Anstalt (heute Franziskuswerk) gefertigt und kam um das Jahr 1950 nach Unterweilbach.
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Rechter Seitenaltar

Auf dem Altarblatt des rechten Seitenaltars (19.Jh.) sind Mutter Anna, ihre Tochter Maria und das Jesuskind (Anna selbdritt) mit einer daneben stehenden Wiege dargestellt. 

Die Assistenzfiguren am linken Seitenaltar zeigen St.Georg mit dem Speer in der Hand und einem sich zu seinen Füßen ringenlnden Drachen  und rechts die hl Theresia mit Schreibfeder und Buch.

 

 

 

Hinweise: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte. Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte.
Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. sie setzte als Äbtissin gegen viele Anfeindungen eine Reformation des Ordens durch  und gründete die unbeschuhten Karmelitinnen" mit strenger Klosterzucht.Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. "Das große Buch von der Erbarmungen Gottes", "Der Weg zur Vollkommenheit", "Die Seelenburg", ihre Autobiografie und mehr als 400 erhaltene Briefe begründen das ihr zugemessene Prädikat der Kirchenlehrerin. 

 

 






Im Ovalbild des Altaraufsatzes ist St.Josef dargestellt. Er präsentiert dem Betrachter seinen Sohn auf einer Windel. In der Hand hält er eine Lilie. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit.
Im Zusammenhang mit Josef sollen sie auf die sexuelle Abstinenz von Josef und letztendlich auf die göttliche Abstammung von Jesus verweisen.
Das Bild wurde im 18.Jh. in Ölfarbe auf Leinwand gemalt.


K
anzel

Die mit Putten verzierte Kanzel stammt aus der Zeit um 1700. Auch sie war 1968 abgebaut und 40 Jahre lang beim Restaurator renoviert worden. Seit 2008 ist sie wieder an ihren alten Platz an der Nordseite der Kirche angebracht.
Der rot-blau-grau marmorierte Kanzelkorb ist fünfteilig und durch Felderungen mit Fruchtschnüren und Puttenköpfen gegliedert.
Der Kanzelkorb ruht auf einer rundbogigen Konsole, an deren unteren Ende eine stilisierte Weintraube als Hinweis auf das Bibelwort "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben (Joh 15,5)" hängt. Das von zwei Pilastern eingerahmte Dorsale, die Rückwand der Kanzel ist mit einem Ölgemälde auf Leinwanduntergrund verziert. Es stellt Jesus als Guten Hirten mit einem Lamm auf der Schulter dar. Diese Darstellungen waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit, in der dieses Bild in Unterweilbach entstand, trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. So wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.
Nach oben abgeschlossen wird die Kanzel durch den prächtigen Schalldeckel, der dazu dient, die Worte des Predigers gezielt in Richtung der Gläubigen zu reflektieren und ihr Verhallen im hohen Kirchenschiff zu verhindern. Der Deckel ist mit Quasten verziert.
Auf seiner Unterseite ist die Figur einer silbrigen Taube angebracht als Symbol für die Gaben des Heiligen Geistes, die den Prediger unterstützen sollen. Gekrönt wird der Schalldeckel durch einen Sockel und ein Kreuz mit dreipassförmigen Balkenenden.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


S
onstige Figuren und Bilder im Kirchenschiff 

An der Nordwand des Langhauses steht eine barocke Figur des hl. Johannes Nepomuk. aus der Mitte des 18.Jh. Der Heilige hält ein Kreuz in seiner rechten Hand. Der Zeigefinger seiner linken Hand deutet auf seine Lippen als Zeichen für die Verschwiegenheitspflicht des Beichtvaters.
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim  König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Nepomuk wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden (Barockisierung in Unterweilbach 1741).



Kirchenbank-Wangen St.NepomukKirchenbank-WangenVortragekreuzVortragekreuz  
 10 Details (Orgel, Bilder, Kreuze, Decke) per Mouseklick
Kreuzwegbilder
Die Bilder der Kreuzwegstationen hat der Maler Johann Nepomuk Keis im Jahr 1785 geschaffen. Sie wurden 1876 von Theodor Almer restauriert und im Jahr 1976 auf eine Hartfaser-platte aufgezogen. Nach Unterwei-lbach kamen die Bilder aber erst im
Jahr 1905, als sie vom Münchner Vergolder J.B. Rupprecht angekauft wurden. Sie hängen in Neurokokorahmen im hinteren Bereich an den Wänden des Kirchenschiffs. Der alte Kreuzweg kam übrigens nach Oberweilbach, wo er seit über 100 Jahren hängt und dort renoviert wurde.

Apostelleuchter
Die Apostelleuchter sind aus Holz geschnitzt. Die Haltestange hat die Form eines aus der Wand ragenden menschlichen Armes. Die Finger umfassen den eigentlichen Leuchter mit der Kerze.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (2 1,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.



K
anzelkreuz und Mater Dolorosa

Das Kruzifix auf der Südseite (Kanzelkreuz) entstand um 1700. Darunter steht eine zeitgleiche Figur der Mater dolorosa, der schmerzhaften Muttergottes. Ihr Haupt ist mit einem Kranz von 12 Sternen umgeben; in ihrer Brust steckt ein großes Schwert. Um die Figurengruppe schweben Englein mit Leidenswerkzeugen (Lanze und Schwamm auf Ysopstange).

 

 

 

 

 

 

 

Hinweise: Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels.Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Hinweis zum Schwamm auf der Ysopstange:
Der 60 cm hohe Ysop ist ein aromatisch duftender Halbstrauch mit meist blauen Blütengehört und gehört zu den Mysterien-pflanzen des Altertums und wird im Mittelmeerraum seit etwa 2000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Personen und Dinge, die mit einem Leichnam in Berührung gekommen waren, wurden mit dem Ysopbüschel besprengt. "Reinige mich mit Ysop und ich werde frei von Schuld sein" steht in der Bibel (Psalm 51,7). In der frühen christlichen Tradition war Ysop Symbol für die Taufe. Der essiggetränkte Schwamm, mit dem Jesus am Kreuz gelabt wurde, war auch auf einen Ysopstengel gesteckt. Ysop findet an vielen Stellen der Bibel Erwähnung. Bis heute weiß man aber nicht, ob es sich dabei um das selbe Kraut handelt, das wir zur Zeit unter diesem Namen kennen. Dass dem sterbenden Jesus am Kreuz Wasser mit Essig vermischt gereicht wurde, ist für diese Zeit üblich. Leicht gesäuertes Wasser wurde viel getrunken. So erhielten z.B. die Soldaten auf ihren Fußmärschen größere Mengen verdünnten Weines oder Weinessigs. In der Passionsgeschichte ist deshalb davon auszugehen, dass die Soldaten Jesus das Getränk reichten, das sie gerade zur Verfügung hatten.


K
irchenstühle


Auch die Kirchenstühle (insges. 19 Bankreihen) mit klassizistischen Mustern am Kopf der Wange sind neueren Datums. Sie wurden jedoch nicht für Unterweilbach gefertigt, sondern erst im Jahr 1973 von der Fürstenrieder Exerzitienkapelle in München erworben. In den Kirchen des Dachauer Landes gibt es an den Wangen der Kirchenstühle viele verschiedene Muster und Formen. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.



Vortragekreuze

An den Kirchenstühlen ist -neben zwei kleineren- auch ein schön gestaltetes großes Vortragekreuz aus der Zeit der Wende vom 18. ins 19.Jh befestigt. Der Korpus besteht aus Holz und ist in Inkarnatfassung (= fleischfarben) bearbeitet. Es wird bei Flurumgängen vorangetragen.
Ein kleineres Vortragekreuz mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden auf einer Stange (rechts) wird dagegen bei den Bittgängen nach Ampermoching, Mariabrunn und Röhrmoos mitgeführt.
Das dritte Vortragekreuz aus dem 18.Jh mit schwarz-weißer Bemalung der Stange wird dient dem Zug bei Beerdigungen auf dem Weg von der Kirche zum Grab. Dadurch werden die vom Priester gesprochenen Worte "Jesus geht uns voraus" sowie „Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab" sinnfälliger.

Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den
  Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortrage-kreuze stammen schon aus dem 6.Jh.



O
pferstock

Der mit Schmiedeeisen ummantelte alte Opferstock aus der Zeit des 19.Jh, der in der Nähe des Eingangs stand, ist schon seit vielen Jahren verschwunden. Die Bezeichnung Opferstock rührt daher, dass er -so wie früher in Unterweilbach- aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht.
Der heute verwendete kleine Opferstock an der Wand neben der Türe ist ganz aus Eisen gefertigt.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


E
mpore

An der Emporenbrüstung hängen zwei Bilder aus der Zeit um 1720 in barockem Rahmen, die früher in den Predellen der beiden Seitenaltäre eingebaut waren. Sie zeigen auf der Südseite den hl. Leonhard (mit Tieren, Kette und Abtsstab -südl.).    Wen das nördliche Bild darstellt, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich ist es der hl.Franz Xaver auf dem Sterbelager mit einem Kreuz in der Hand. Im Hintergrund ist eine Meereslandschaft zu sehen.
  Hinweise: Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.
Leonhard
(einer der 14 Nothelfer) setzte sich als Abt für Gefangene ein. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.  


O
rgel

Die von Max Maerz 1867 als "opus 75" in München für eine Kirche in Unterbrunn angefertigte Orgel mit 8 Registern kam im Jahre 1912 durch Vermittlung von Graf v.Spreti nach Unterweilbach. Sie besitzt eine mechanische Schleiflade.
Ein Teil der Orgel ist als Brüstungswerk mit dreiteiligem Flachfelderprospekt im klassizistischen Stil ausgestaltet; dessen beide Außenfelder sind erhöht. Noch erhalten ist der alte Blasebalg, mit dem früher (von Ministranten, Mesnern) die Pneumatik bedient wurde.
Disposition der originalen Maerz-Orgel von 1867 (nach Brenninger -Stand 1975-):
Manual (C-c''', 49): Principal 8'. Dulcian 8', Bordun 8', Gamba 8', Flöte 4',    Octav 4', Mixtur 3fach2'
Pedal (C-c, 13):     Subbaß 16' angehängt.
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  Hinweis: Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. 



Portale

Die Kirche besitzt zwei Zugänge an der Südwest und der Nordwestseite. Beide Eingangsportale bestehen aus zweiflügeligen Türe mit prächtigen Eisenbeschlägen mit barocken Mustern und alten Türschlössern, die in ihrer Funktion von modernenen Sicherheitsschlössern unterstützt werden .
Der tatsächliche Zugang erfolgt aber durch das Portal an der Südwestseite.

Früher stand vor dem Nordportal ein zweiteiliger kastenförmiger Beichtstuhl aus der 1.Hälfte des 20.Jh.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 599, 732, 950)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Georg Brenninger, Kunsttopographie der Erzdiözese München-Freising, 1982
Max Gruber, Baugeschichte der Kirchen im Bereich der Gemeinde Hebertshausen, Amperland 1985
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Georg Otteneder, Unterweilbach, 2002, 2005 (Neubau 1596)
Franz Thaler, Unterweilbach feiert 1200jähriges Bestehen, Röhrmooser Heimatblätter Okt.2004
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Dachauer Nachrichten 25.6.2002; 11.1.2008
Eduard Kopp in Chrismon 06.2007 (Essigwasser)
78 Bilder : Pfarrei (3), Hans Schertl (73)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

28.2.2010

 

Primizianteneinzug
Amperbote vom 03.08.1912

Am Sonntag fand hier unter großer Teilnahme der Bevölkerung aus der Umgebung der Einzug des hochwürdigen Herrn Primizianten, Josef Niklas aus Unterweilbach, statt, welcher sich zu einer erhebenden Feierlichkeit gestaltete. Hochw. Herr Pfarrer Spötzl von Ampermoching war in einem von der gräflich Spretischen Gutsherrschaft zur Verfügung gestellten, festlich geschmückten Wagen dem Herrn Primizianten nach Lohof entgegengefahren, woselbst auch eine Menge Radfahrer ihn erwarteten. In Ottershausen hatten sich etwa 30 geschmückte Reiter eingefunden. Nach Ankunft des Hochw. Herrn Primizianten gings in langem Zug, voran die Reiter, dann die Radfahrer, der Ehrenwagen, dem mehrere Wägen mit den Eltern und Verwandten des hochwürdigen Herrn folgten, nach Ampermoching, wo in der Kirche eine kurze Andacht erfolgte. Sodann gings nach Unterweilbach. Hier hatte sich vor der Ortschaft die Feuerwehr unter dem Kommandeo ihres Hauptmannes Blümel aufgestellt. Gegen 5 Uhr Nachmittag traf der Zug, dem sich noch Reiter aus Ober- und Unterweilbach sowie von Arzbach anschlossen, hier ein. Weißgekleidete Mädchen standen mit der ganzen Ortsbewohnerschaft an einer Ehrenpforte zum Empfang bereit. Ein Ortskind sprach ein Gedicht, und nun zog man zur Kirche. Von da gings ins Schloss, an dessen Portal die gräfliche Familie mit ihrem Dienstpersonal den Hochw. Herrn empfing; das liebliche Töchterlein des Schlossherrn trug ein Gedicht vor und dann ging es zur Schlosskapelle, wo der Herr Primiziant den Segen spendete. Hierauf wurde dieser sowie Herr Pfarrer Spötzl und die Eltern des Primizianten von der Gutsherrnschaft noch zu Kaffee und Kuchen geladen.

(Recherchiert von Hubert Eberl
)