zur Landkreiskarte         ausführl.Beschreibg       Kirchen in der Gem.Odelzhausen

Hofkapelle St. Johann in SIXTNITGERN

Adresse : 85235 Odelzhausen, Sankt Johann 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Kapelle in St.Johann, im Greimerswinkel in einer Senke am Roßbach gelegen, wurde erstmals 1524 in der Sunderndorfer'schen Matrikel als "Capella S.Joannis Baptistae in Greimertswinckl" neben vier weiteren vier Filialkirchen der Pfarrei Sittenbach schriftlich genannt. Sie könnte aber auch älter sein, weil das Johannes-patrozinium in der Regel auf eine frühe Gründung hindeutet.
Apian (um 1550) kennt den Ort als "villa in nemore magne" als Ort in großer Abgeschiedenheit.
Und noch jetzt liegen diese gotische Kirche und der  Einödhof so im "Winkel", dass sie bei der Inventarisierung der Kunstdenkmale Bayerns übersehen wurde.
Die Kapelle, die die Ausmaße einer Kirche hat, gehört zum Hof der Familie Huber.

Sie erhebt sich eindrucksvoll auf einem Hügel und schließt den Gutshof nach Norden ab.
Bei der Säkularisation (um 1803) wurde die "zu sonstigem landwirtschaftlichen Gebrauch benutzt und so vor dem Abbruch bewahrt". Aber durch diese Nutzung war sie baulich stark in Mitleiden-schaft gezogen worden, sodass sie baufällig wurde und erst nach einer Restaurierung 1834 wieder als Sakralraum benutzt werden konnte.

 Eingangstür

 

Innenausstattung

Der Altar war früher ein Altar im Kloster Taxa und später ein Seitenaltar in der Kirche von Rossbach. Seit 1779 steht er hier in Sixtnitgern. Das Altarblatt zeigt die Taufe Jesu durch Johannes d.Täufer (Maler Korbmann-1835). Assistenzfiguren am Altar sind die Heiligen Leonhard (mit Abtsstab) und Wendelin (mit Hirtenstab).
Daneben stehen zwei Reliquiare in Form einer Monstranz mit Bildern der Heiligen Franz Xaver (rechts) und Ignatius von Loyola (18.Jh). Die Bilder sind mit Öl auf Leinwand gemalt. Im Fuß der Kästchen sind Reliquien in sog. Klosterarbeiten aus dem 17.Jh eingearbeitet.

Die größte Figur ist eine Skulptur "Herrgott an der Geißelsäule", die wahrscheinlich früher in der Geiselwieskapelle stand und vor 300 Jahren nach St.Johann kam.

Die Kreuzwegbilder im prächtigen Holzrahmen bestehen aus Hinterglasmalerei und zierten bis 1892 die Odelzhausener Kirche, in die sie nach der Säkularisation und dem Abbruch des Klosters in Taxa 1803 gebracht worden waren.

KreuzwegbilderKreuzwegbilderAltarblattGeißelheilandKruzifixSt. Leonhard Altöttinger MuttergottesbildMater dolorosaOrnamentskästchen für St.Franz XaverOrnamentskästchen  für Ignatius von LoyolaSt.Wendelin
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An der rechten Seitenwand steht auf einem Postament eine kleinere Figur des hl.Sebastian am Marterpfahl.

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1524 Altarweihe 1707 Matrikel 1738 Umbau 1778
  Beschreibg 1884        
Ausstattung: Choraltar Figur St.Sebastian Geißelheiland Kanzelkreuz Kreuzweg
  Mater dolorosa Reliquien Säkularisation    

Geschichte der Kirche

Matrikel von 1524
Die Kapelle in St.Johann, im Greimerswinkel in einer Senke am Roßbach gelegen, wurde erstmals 1524 in der Sunderndorfer'schen Matrikel als "Capella S.Joannis Baptistae in Greimertswinckl" neben vier weiteren vier Filialkirchen der Pfarrei Sittenbach genannt.
Ob sie schon 1315 vorhanden war, ist nicht sicher. In der damals erstellten Konradinischen Matrikel ist die Pfarrei Sittenbach nur mit den Worten "habet IIII filias" beschrieben. Welche Kirchen unter den vier Filialen zu verstehen sind, wird nicht gesagt. Da aber St.Johann nicht unter den im Jahr 1524 beschriebenen vier Filialkirchen enthalten ist, sondern eigenständig als Kapelle aufgeführt wird, dürfte die Kirche nicht zu den 1315 genannten vier Filialen von Sittenbach gehören.
Dennoch kann sie zu damaliger Zeit schon vorhanden gewesen, aber von den Verfassern der Konradinischen Matrikel übersehen worden sein. Auch Apian (um 1550) nennt den Ort "villa in nemore magne" also Ort in großer Abgeschiedenheit. Und noch jetzt liegen diese gotische Kirche und der  Einödhof so im "Winkel", dass sie bei der Inventarisierung der Kunstdenkmale Bayerns übersehen wurde. Auch das Johannespatrozinium deutet auf ein sehr hohes Alter hin. Meist sind Johanneskirchen die ersten Gotteshäuser in einer Gegend. Sie waren wohl die Orte, an denen die heidnischen Bewohner der Umgebung getauft und in die Kirche aufgenommen wurden.
Von Historikern wird die in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 genannte Capella als "uranfängliche Taufstätte" der Kirche an gleicher Stelle angesehen. Das hieße aber auch, dass der heutige Kirchenbau erst nach 1524 entstanden ist.

Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663

Einer Bistumsbeschreibung aus dem 16.Jh ist zu entnehmen, dass "In der Filial-Khürchen St.Joans nur 1 Altar ist, darauff sunderlich (=insbesondere) in der Khürchweych (= am Kirchweihfest), in festo S.Joannis Baptistae et feria 6ta post Ascensionis Dni (= Freitag nach Himmelfahrt) celebrirt würdt".

Altarweihe 1707
Am 8. Oktober 1707 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach St.Johann und weihte den Altar der Kirche. Am selben Tag hatte er auch 3 Altäre in Roßbach benediziert und dort die Firmung gespendet. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass der Altar erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - der Altar von Soldaten entweiht worden und nach dem Krieg wieder renoviert worden ist. Eine Altarweihe war damals nicht möglich. Denn ab 1652 saßen nacheinander zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In den drei Tagen vom 7. bis 9.Okt. 1707 weihte er neben den Altären in Roßbach und St.Johann/Sixtnitgern weitere Altäre in Unterweikertshofen, Sittenbach und Orthofen und spendete jeden Tag in einer anderen Kirche die Firmung.


Schmidtsche Matrikel von 1738/40

In den Jahren 1738/40 hat der Kanonikus Schmidt aus Freising die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel (=Verzeichns) aller Kirchen der Diözese Freising verfasst. Unter der Pfarrei Sittenbach ist auch eine kurze Beschreibung von St.Johann (Ecclesia filialis s.Joann.Bapt.prope (=bei) Sittenbach" enthalten. Er bezeichnet sie als bescheidene Kirche, aber dennoch sehr anmutig. Sie liege auf einem Bergrücken in einem Landgut, ohne Friedhof und ohne eigene Sakristei. Sie hatte auch damals nur einen Altar, der dem hl.Johannes Baptist geweiht war. Das Kirchweihfest wurde am Sonntag innerhalb der Oktav nach Christi Himmelfahrt gefeiert (= Sonntag vor Pfingsten). Die Messgewänder waren in ausreichender Zahl vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.

Umbau 1778
In der Zeit kurz vor 1778 muss die Kirche stark vernachlässigt worden sein. Jedenfalls ist in den Handwerkerrechnungen der Renovierung von 1778 davon die Rede, dass nicht nur das Kirchendach und das als Zeltdach gestaltete Turmdach völlig erneuert werden mussten (2000 Dachlatten, 18.000 Stiftnägel), sondern auch der Putz innen und außen. Das Pflaster wurde neu gelegt und neue Kirchenstühle angefertigt, weil "kein einziger Kirchenstuhl, auch sogar keiner für den Priester vorhanden war". Der Altar war von dem seit 12 Jahre durch das undichte Dach eindringenden Regen und Schnee "zum celebrieren unbrauchbar" geworden. "Zur Ersparung (von) wenigstens 200 Gulden" wurde aus der Kirche von Roßbach ein Nebenaltar samt Antependium und Tabernakelkästl geholt, der den bisherigen Choraltar in St.Johann ersetzte.

Säkularisation 1803
Im Jahr 1817 drohte dem Gotteshaus "stündlich der Einsturz", wie es in einer handschriftlichen Aufzeichnung der Kirchengeschichte heißt. Bis zur Restaurierung 1834 konnte kein Gottesdienst gehalten werden. Dies auch deshalb, weil die Kirche nach der Säkularisation "zu sonstigem landwirtschaftlichen Gebrauch benutzt und so vor dem Abbruch bewahrt" wurde. Der Pfarrer von Sittenbach protestierte damals gegen einen Verkauf, hätte aber gegen einen Abbruch nichts gehabt, wenn er wenigstens die Steine erhalten hätte. Mehr darüber....


Beschreibung 1884
In der Beschreibung des Erzbistums München-Freising von Anton Mayer u. Georg Westermayer aus der Zeit um 1880 ist auch die Kirche St. Johann enthalten. Dort heißt es:
  "St.Johann, in einem einsamen Thale gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt 1834. Ohne einheitlichen Styl. Geräumigkeit: zureichend. Baupflicht: der Bauer von St.Johann als Eigenthümer. Spitzturm mit 2 Glocken: a) 'Ad hon.Dei fudit me A.B. Ernst Monachii 1726'. b) 'Hubinger, Monachii 1854' - Benedicirt (=geweiht). Patron der hl.Johannes der Täufer. Am Festtage Frühamt mit Predigt durch den Cooperator; außerdem nur noch Gottesdienst an einem der Bitttage. 1 alt.port. - Stiftung von 4 Quatempermessen bevorstehend. - Meßner der Eigenthümer der Kirche. - Kirche ohne Vermögen".

Die Kapelle, die die Ausmaße einer Kirche hat, gehört zum Hof der Familie Huber.
Sie erhebt sich eindrucksvoll auf einem Hügel und schließt den Gutshof nach Norden ab.
Der Turmbedeckung ist als Zeltdach gestaltet. Wieviele Glocken hinter den rundbogigen Doppelschallfenstern in der Glockenstube hängen, ist mir nicht bekannt.

Innenausstattung

Die Kirche mit dem nicht ausgeschiedenen, dreiseitig schließenden Altarraum ist von einer Flachdecke mit Holzverkleidung überzogen.

Altar

Der Altar war früher ein Seitenaltar in der Kirche von Rossbach. Er wurde 1779 hierher gebracht. Neueren Forschungen nach dürfte der Altar Jahre vorher von Kloster Taxa nach Roßbach abgegeben worden sein, als die Klosterkirche neu ausgestattet wurde.
Das Altarblatt zeigt die Taufe Jesu. Es wurde im Jahre 1835 vom Maler Korbmann im beginnenden Nazarenerstil geschaffen. Johannes, in kurzes Gewand und einen Überwurfmantel gekleidet, steht auf einem kleinen Felsvorsprung und hält den sog. Kreuzstab in der der linken Hand. Mit seiner Rechten tauft er den vor ihm im Wasser stehenden Jesus. Über der Szene schwebt die Heilig-Geist-Taube und sendet ihre Gnadenstrahlen herab.
  Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

Assistenzfiguren am Altar sind die Heiligen Leonhard (links) und Wendelin mit dem Hirtenstab(rechts).
St. Leonhard ist im Ordensgewand mit Abstab zu sehen. An der linken Hand sind die Finger so gebogen, als hielten sie einen Gegenstand. Wahrscheinlich waren dies früher einmal die Ketten, mit denen der Heilige regelmäßig dargestellt wird. Die Figur von St.Wendelin in blauem Gewand hält einen Hirtenstab in beiden Händen; den Blick hat sie zum Altar gerichtet.

  Hinweise: Leonhard lebte um das Jahr 500 als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König für viele die Freilassung. Deshalb galt er als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen".
Wendelin (555-617), ein schottischer Königssohn, war Schafhirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Später wurde er (ohne Priesterweihe) Abt des nahe gelegenen Klosters Tholey.

Unter dem Altarblatt ein Schrein mit einer Nachbildung des Gnadenbildes aus Altötting. Die Kronen von Maria und dem Jesuskind sind mit Edelsteinen geziert. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind umgreift mit seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.

  

  Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.
 

Daneben stehen zwei erst vor wenigen Jahren renovierte Reliquienkästchen in Form einer Monstranz mit Bildern der Heiligen Franz Xaver (rechts) und Ignatius von Loyola. Sie stammen aus dem 18.Jh. Die Bilder sind mit Öl auf Leinwand gemalt. Im Fuß der Kästchen sind Reliquien in sog. Klosterarbeiten aus dem 17.Jh eingearbeitet.
Franz Xaver war im 16.Jh Asienmissionar. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten (u.a.Japan und China). Ignatius von Loyola, ein Zeitgenosse von Franz Xaver, gründete den Orden der Jesuiten.


 
An der rechten Seitenwand der Kirche befindet sich eine Skulptur "Herrgott an der Geißelsäule", die wahrscheinlich früher in der Geiselwieskapelle stand und vor 300 Jahren nach St.Johann kam. Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet

 

KreuzwegbilderKreuzwegbilder
Die an den Außenwänden bis hinter den Altar angebrachten Kreuzwegbilder im prächtigen Holzrahmen bestehen aus Hinterglasmalerei (wohl Augsburger Arbeiten aus der 2.Hälfte des 18.Jh) und zierten bis 1892 die Odelzhausener
Kirche, in die sie nach der Säkularisation und dem Abbruch der Klosterkirche in Taxa 1803 gebracht worden waren.  


An der rechten Seitenwand steht auf einem Postament eine kleinere Figur des hl.Sebastian am Marterpfahl.
  Hinweis: Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wurde deshalb als Pestpatron verehrt.

Kanzelkreuz und Mater dolorosa

Gegenüber an der Nordwand hängt ein großes Kruzifix mit darunter stehender schmerzhafter Muttergottes (mater dolorosa). Die im Verhältnis zum Korpus am Kreuz große Figur ist mit einem goldenen Mantel bekleidet. Durch die Brust Mariens bohrt sich über den gekreuzten Armen ein Schwert; es erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Die auf einen Holzpfeiler gestützte Empore ist nicht verziert. Die Kirche besitzt keine Orgel.

Die Eingangstüre hat eine Kassettenfüllung, mit den Formen von Rauten und Kreuz.

 

Situation der Kirche zur Zeit der Säkularisation

So um das Jahr 1800 herum will die Besitzerin des St.Johann-Gutes, die Witwe Sedlmayr, den Hof nicht an den ältesten Sohn Mathias, sondern an den jüngerem Kosmas übergeben, da sie ersteren zu Bewirtschaftung des Hofes nicht geeignet findet. Es kommt zum Prozess und zur Entscheidung, den Hof doch dem Mathias zu übergeben, da dieser 2000 Gulden durch Heirat herein brächte, während Kosmas nur 1000 Gulden erheiratet hätte. Das Ergebnis war aber, dass der Hof 1817 verkauft werden musste; die Witwe hatte wohl die Fähigkeiten des Sohnes Mathias richtig eingeschätzt.

Brief des Sittenbacher Dechant und Pfarrers Leopold Staudacher an das Bayerische Landgericht Friedberg
vom 15.2.1817 aus einer handschriftlichen Chronik der Kirche von St. Johann

Dem gemeinen Vernehmen nach soll es endlich mit dem Verkauf des schönen St.Johann-Gutes ernst werden und die dortige Filialkirche als eine Partie des Gutes mit in Kauf gehen. Schon ab 26. Sept. fühle ich mich von Pfarramts wegen verpflichtet, gegen den Verkauf dieser Kirche beim Bay.Landgericht Friedberg so lange zu protestieren, bis Mathias Sedlmayr sein Eigentumsrecht darauf in Petiterio wird erwiesen haben, denn bis dahin gilt die unwidersprechliche Regel, dass niemand etwas, was nicht sein ist, verkaufen kann.

Seine Vorfahren, mit denen der jetzige schon lange nicht mehr verwandt ist, mögen vielleicht diese Kirche einst erbaut und dotiert haben. Das gibt aber dem jetzigen Besitzer des Gutes kein Recht es wieder nach Belieben zurückzunehmen und sich anzueignen, denn das Gebäude der Kirche, ein der Region geschenktes Gut, wird es noch mehrer durch die bischöfliche Konsekration (Weihe) und ist dadurch der Willkür und dem Verkehr des Privaten ganz entzogen. Was der jetzige St.Johannser Bauer oder sein Vater an Gold in diese Kirche geschafft haben, mögen sie auch wieder zurücknehmen. Aber alles was schon seit langer Zeit bei dieser gewesen ist, als Glocken, Portatile, ist Kirchengut, das nimmer sein Eigentum werden kann.

Ich bin daher von Pfarramts wegen aufgefordert, gegen ihren Privatverkauf zu protestieren. Und wenn sie auch zu ihren bisherigen Zwecken nicht mehr gebraucht werden könnte, sie als ein Kirchengut zum Bestand der Pfarrkirche oder zu anderen frommen Zwecken zu reklamieren; die Friedhofsmauer der Pfarrkirche (in Sittenbach) bedarf einer höchst notwendigen Reparatur. Das Schulzimmer in Sittenbach ist für die Menge der Kinder viel zu eng. Dann ließen sich die Steine einer abgebrochenen Kirche wohl verwenden, welches auch den allerhöchsten Verordnungen ganz angemessen wäre. Dies habe ich nun, um mich außer alle Verantwortung zu setzen', dem Bayerischen Landgericht vorstellen und mich gehorsamst empfehlen wollen.
 

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer: Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
Handschriftliche Chronik der Kirche von St. Johann (unveröffentlicht)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Aufzeichnung von Prof. Hans Linhardt
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707 )
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
15 Bilder: Horst Lachmann (1), Hans Schertl (13)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

26.2.2010