Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau                Kirchen im Gebiets des Marktes Altomünster

Kapelle St.Benedikt und Scholastika in PLIXENRIED

 

Navi-Adresse: 85250 Altomünster, Plixenried 38
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Der Ort Plixenried wurde im Jahr 1330 erstmals als "Plixriet" (= "Rodung des Blicger oder Plitger" oder nach anderer Deutung "Rodung an der lichten Waldblöße") schriftlich erwähnt. Damals war in einer Urkunde des Altoklosters Kunz Lerpelmair von Plixried als Kaufzeuge aufgeführt.

Plixenried bildete bis 1808 eine eigene Gemeinde. Danach kam es zu Hohenzell und 1978 zu Altomünster. Kirchlich gehört der Ort zur Filialkirche Oberzeitlbach der Pfarrei Altomünster.

Vor dem Dreißigjährigen Krieg, als das alte Ruppertskirchen noch bewohnt war, fanden die Hochzeiten der Plixenrieder in der dortigen Johanneskirche statt.

Die Ortskapelle St.Benedikt und Scholastika am Weg nach Langengern wurde 1846 von Johann Mayr ("Beim Jackl") errichtet. Der Heimatforscher Anton Mayr gibt 1855 als Entstehungsjahr an.

Bis 1890 stand beim "Glaslhof" eine eigene Hofkapelle.

Die Kapelle mit dem Satteldach und einem geraden Schluss wird über schmale Fenster erhellt.
Über dem Eingang sitzt ein kleiner Dachreiter mit Spitzhelm. Darin hängt ein Glöcklein. Ob es sich noch um die kleine Glocke handelt, die im Februar 1920 gegossen wurde, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls war im 1.Weltkrieg die damalige Glocke zum Einschmelzen für Kriegszwecke eingezogen worden. Über die Glockenweihe 1920 hat sich ein Bericht des Amperboten erhalten; wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...

Innenausstattung

Vor- und Hauptraum haben eine durchgezogene blaue Holzdecke im Geschmack des 19. Jahrhunderts.

Über dem Altar hängt ein einfaches Kruzifix, darunter die trauernde Muttergottes (Mater dolorosa).


Auf dem Altartisch stehen (bei Gottesdiensten) Halbfiguren der Heiligen Benedikt und Scholastika aus dem 18. Jh auf einem Reliquienkästchen. Die Figuren werden aus Sicherheitsgründen außerhalb der Kapelle aufbewahrt.

Benedikt gründete zu Beginn des 6. Jh auf dem Monte Cassino den Benediktinerorden. Er schrieb die berühmte "Regula Benedicti", mit dem Wahlspruch "Ora et labora", "bete und arbeite". Benedikt starb am Gründonnerstag 547 während eines Gebets am Altar der Klosterkirche Montecassino.  

  St.Benedikt St.Scholastika Vortragekreuz
Vergrößerung von 3 Details (Figuren, Kreuz) per Mouseklick

Scholastika, die Schwester des Benedikt, lebte im Kloster bei Montecassino, von wo aus sie einmal im Jahr ihren Bruder besuchte. Als Scholastika starb, sah Benedikt ihre Seele als weiße Taube gen Himmel fliegen. Er bestattete sie in Montecassino.

An der Südseite hängt ein naives, aber dennoch ausdrucksvolles Vortragekreuz, mit dem früher die Toten vom Haus zum Friedhof begleitet wurden. Der Korpus ist stark blutend dargestellt (insbesondere aus den Wunden der Dornenkrone) .
Hinweis: Vortragekreuze werden üblicherweise beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei der Beerdigung betet der Pfarrer: "Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen" und "Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab". Diese Worte werden durch die Mitnahme eines Vortragekreuzes augenfälliger. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.

Die Kapelle besitzt einen kleinen Vorraum, der mit drei gemauerten Rundbögen mit dem Kapellenraum verbunden ist.

Der Kreuzweg  (Darstellung siehe oben) besteht aus eingeklebten Bildern.

Hans Schertl

Quellen:
Amperbote vom 21.02.1920 (Glocke)
Kirschbaum, Lexikon der christlichen Ikonographie, 1968
Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Anton Mayr, Altoland, 1998
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Dr.Wolf-Arnim Frhr.v.Reitzenstein, Miszelle zur Namenskunde, Amperland 2003/1
Festschrift FF-Oberzeitlbach, 2005
7 Bilder: Hans Schertl (2002)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.6.2008

Glockenweihe in Plixenried
Amperbote vom 21.02.1920

Ein gar seltenes Fest fand am vergangenen Dienstag in dem Dörfchen Plixenried statt. Schon in den frühesten Morgenstunden wurde die neue Glocke auf einem festlich geschmückten Wagen in Oberzeitlbach nach dem Friedhof gebracht worden, wo die Glocke geweiht werden sollte. HH. Kooperator Weiß nahm die Weihe vor. Daran anschließend sprach Frl. Anna Maier in sehr ergreifenden Worten von der Müdigkeit der Glocke, von den Pflichten der Glocke, vom Tagesablauf und dem Weg von der Wiege bis zum Grab. Wie der Krieg unser allerhöchstes forderte, und der Friede kam; aber die Glocke unser Dörflein nicht wieder sehen durfte. Nun ist Freude in jedem Menschenherz, weil die alte Glocke unser Dörflein nicht wieder sehen durfte. Nun ist Freude in jedem Menschenherz, weil die alte Glocke wieder durch eine neue ersetzt werden konnte. Ein besonderes Verdienst erwarb sich um die Sache Herr Michael Haas, der keine Mühen und Opfer scheute, unser, nun seit 2 ½ Jahre so öd gewordenes Dörflein wieder mit hellem Glockenklang zu beglücken. Dank sei auch denen gesagt, welche dazu beigeholfen haben, das Kirchlein zu schmücken und die Festlichkeit zu verschönern. Ebenfalls sei auch allen gedankt, welche für diesen edlen Zweck ihr Scherflein beitrugen. - Möge auch die neue Glocke zu recht vielen guten und schönen Anlässen den Plixenriedern erklingen!

(Recherchiert von Hubert Eberl - http://home.arcor.de/hubert1112.eberl/zeitung/index.htm)