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Pfarrkirche St.Dionysius in PIPINSRIED

Für Navi-Nutzer : 85250 Altomünster, Pfarrstraße 9 (gegenüber)
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Pipinsried bedeutet "Roldung des Pipin". Der Sage nach sollte es sich dabei nach um den Vater Karl des Großen, den Frankenkönig Pipin III. gehandelt haben; dies ist nach historischen Erkenntnissen aber eher unwahrscheinlich. Immerhin verweist das Patrozinium des hl.Dionys auf die Franken; der war der besondere Schutzheilige der fränkischen Könige.
Schon im 13.Jh. stand in Pipinsried die erste Kirche. Damals gehörte sie noch den herrschenden Adelsfamilien. 1382 schenkte Rapold Eisenhofer von Egenhofen die Kirche dem Kloster Indersdorf, bei dem es bis 1783 blieb.
Die Pfarrei wurde in das Stift inkorporiert, d.h., es wurde ein Teil des Stifts, das auch für die Seelsorge zuständig war.

Mitte des 15.Jh., also in gotischer Zeit, wurde eine neue Kirche errichtet, von der Teile im Chor und Turm bis heute noch bestehen.
Das Langhaus hat man in den Jahren ab 1729 neu gebaut, als die Kirche auch barock umgestaltet wurde.
1908 hat man die zwischenzeitlich eingebaute neugotische Einrichtung entfernt, denn der Pfarrer wollte das Gotteshaus wieder "im hellen, göttlichen Glanz" der Erbauungszeit erstrahlen lassen. In diesem Sinne wurde das Innere der Kirche neu im alten barocken Stil ausgestattet und vom Maler Wirsching ausgemalt.


Chorglocken (Sakristeiglocken)

Im sechsfach abgetreppten Turm hängen vier Glocken, die aus dem Jahr 1951 stammen.

Innenaustattung

Der nicht eingezogene Altarraum ist mit einem Tonnengewölbe überzogen.

Der Hochaltar wirkt durch die etwa einen Meter dahinter aufgebaute Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes sowie den davor stehenden schlanken Säulenpaaren wie eine Bühne.

Die dem barocken Stil nachempfundenen Deckengemälde (Wirsching, 1910) zeigen im Chor die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit, im Langhaus die Rede des hl. Paulus auf dem Areopag.

Die Seitenaltäre sind an den Außenwänden angebracht. Sie sind der Muttergottes (Gnadenbildes in S.Maria del Populo) und hl.Anna geweiht.

An den Wänden stehen Heiligenfiguren:
- St.Sebastian am Marterpfahl
- eine Muttergottes
- St. Dionysius mit seinem Haupt auf dem Buch
- spätgot. Figurengruppe der St.Anna selbdritt

Choraltar Tabernakel
Vergrößerung von 10 Details (Figuren, Gemälde, Altäre, Kanzel u.a.) per Mouseklick

Der Zelebrationsaltar ruht auf 15 Docken der früheren Kommunionbank.

Im Vorhaus sind vier Epitaphe an der Wand angebracht. Sie erinnern an frühere Pfarrherrn (bis 1783 Pfarrvikare) von Pipinsried.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Erläuterungen


Geschichte: Erste Kirche Kriegseinwirkungen Beschreibg 1893 Umbau 1908  
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Epitaphe Ewig-Licht-Ampel
Figuren im Chor Kanzel Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke
Kreuzweg Orgel Opferstock Pfarrhaus Sakristei
Seitenaltäre Taufstein Vortragekreuze Zelebrationsaltar

Die Ortschaft Pipinsried, am Ursprung der Pipinsrieder Ilm, nahe Altomünster gelegen, wurde um das Jahr 1056 erstmals urkundlich als Pippinesrieth erwähnt. Der Name ist als Rodung des Pipin zu deuten. Der Sage nach sollte es sich dabei nach um den Vater Karl des Großen, den Frankenkönig Pipin III. gehandelt haben; dies ist nach historischen Erkenntnissen aber eher unwahrscheinlich. Immerhin verweist das Patrozinium des hl.Dionys auf die Franken; er war der besondere Schutzheilige der fränkischen Könige.

Erste Kirche
Die erste Kirche war jedenfalls schon im 13.Jh vorhanden; denn im Jahr 1299 wird erstmals ein Pfarrer (Pfr.Berhtold) genannt. Damals gehörte die Kirche noch verschiedenen Adelsfamilien. Am 16.11.1382 kamen Dorf und Kirche durch eine Schenkung des Adelsgeschlechts der Massenhauser an das Augustiner-Chorherrn-Stift Indersdorf. Rapold Eisenhofer von Egenhofen überließ mit Zustimmung seines Vetters Ulrich Eisenhofer von Odelzhausen "zur Ehre Gottes, zur Vergebung seiner Sünden und zum Seelenheil seiner Eltern" das Patronatsrecht über Pipinsried dem Stift. Das muss nicht bedeuten, dass der Lebenswandel Eisenhofers besonders unchristlich gewesen sein muss. Diese Art Sündenbekenntnisse waren notwendig, um der Schenkung Rechtssicherheit zu geben. Denn die weltliche Obrigkeit waren nicht begeistert, dass die Kirche durch diese Schenkungen immer mächtiger wurde. Deshalb regelten sie im damals geltenden Gesetz, dem Lex Baiuvarum, dass einer sein Vermögen nur dann der Kirche überschreiben dürfe, wenn dies "zur Erlösung seiner Seele" geschehe (und nachdem mit den Söhnen geteilt worden ist). Da war das allgemein gehaltene Eingeständnis von Fehlern recht hilfreich.

Pfarrei
Die Pfarrei wurde in das Stift inkorporiert, d.h., es wurde ein Teil des Stifts. Dies drückt sehr schön das Urbar von 1493 aus: "Die Kirchen sand dyonisi ist unsers wirdigen gotzhauß eingeleibts aigen mit sampt allen zehent klain und groß pfärrlichen rechten und kirchrächten". Indersdorf übte auch die Hofmarksrechte (niedere Gerichtsbarkeit) aus.
Bis 1634 wurde die Pfarrei durch (vom Kloster bezahlte) Weltpriester betreut, danach versahen
Vikare aus dem Kloster bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1783 auch die Seelsorge der Pfarrei.

Kirchenbau
Mitte des 15.Jh., in gotischer Zeit, wurde eine neue Kirche errichtet, von der Teile im Chor und Turm bis heute noch bestehen. Auf dieses Datum weist eine Urkunde von 1453 hin, aus der hervorgeht, dass sich der damalige Pfarrvikar Hanns Gartenshauser und der Kirchenpfleger ein vorher angelegtes Geld auszahlen ließen. Wahrscheinlich habe sie mit diesem Geld die Kirche bezahlt. Dies erklärt auch den barocken Gedenkstein für den Pfarrer von 1750 in der Eingangshalle der Kirche, der aber erst 1750 (zur 300-Jahr-Feier ?) aufgestellt wurde.
Der getreppte Sattelturm stand jedenfalls um 1480 schon. Denn es ist belegt, dass Stephan Wiggard aus Augsburg in den Jahren 1484 und 1487 Glocken für Pipinsried gegossen hat. Sie dürften wohl nicht mehr vorhanden sein; die Tatsache, dass im Jahr 1951 vier neue Kirchenglocken (von Carl Czudnochowsky aus Erding) beschafft werden mussten, spricht dafür, dass die alten Glocken in einem der Weltkriege zum Einschmelzen abgeliefert werden mussten.

Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663

Das Langhaus wurde in den Jahren 1729 bis 1741 neu gebaut, als die Kirche barock umgestaltet wurde.  Ob auch die Innenwände, insbesondere die Decken im Stil des Barock neu bemalt wurden, ist nicht überliefert. Jedenfalls ist davon nichts erhalten geblieben. Möglich wäre auch, dass die Bemalung aus unbekannten Gründen unterblieb.
Die ersten Fotos aus dem 19.Jh. zeigen die Decke und die Emporenbrüstungen in einer Ausmalung mit verschiedenen Symbolen und Ornamenten. Warum die alte Bemalung -sofern sie denn vorhanden war- durch die dem Kunstgeschmack des frühen 19.Jh. entsprechende Malerei ersetzt wurde, ist nicht bekannt. Vermutet wird auch, dass die barocke Decke heruntergebrochen ist und neu gestaltet werden musste; doch es gibt keine Belege dafür.

Im Turm hängen wahrscheinlich vier Glocken. Jedenfalls erwarb die Pfarrei im Oktober 1951 vier neue Glocken von der Glockengießerei Czudnohovsky in Erding erworben. Die größte der Glocken hat ein Gewicht von 2 Tonnen. In den Jahren vorher besaß die Kirche nur eine Notglocke.
Dies können wir einem Bericht der Dachauer Nachrichten vom 11.10.1951 entnehmen; wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...

Kriegseinwirkungen
Wie viele andere Orte im Dachauer Land musste Pipinsried in den Kriegen viel Leid erdulden. Prof. Liebhart hat viele interessante Einzelheiten aus den Kriegen in der Ortschronik von Altomünster aufgeführt. Hier interessiert insbesondere, ob auch die Kirche von Plünderungen oder Brandschatzungen betroffen war. Als zu Beginn des spanischen Erbfolgekriegs -1704- die Engländer nach der Schlacht von Donauwörth ins Dachauer Land vorrückten, flüchteten die Pipinsrieder mit ihrem Hausrat in die neuerbaute Wallfahrtskirche "ober daz Gewölb", also auf den Kirchenspeicher. Aber ein "altes Weibsbildt" hielt dem Druck der Befragung nicht stand und verriet das Versteck, worauf die Engländer die Wallfahrtskirche und den Speicher plünderten.
Auch im österreichischen Erbfolgekrieg (1742 bis 1745) quartierte sich eine Kompanie österreichischer Dragoner für zwei Wochen hier ein. Pfarrvikar P. Corbinianus Zenger mußte sein Zimmer im Pfarrhof für einen Offizier räumen; der Pfarrer starb wie viele andere Pipinsrieder am eingeschleppten Fleckfieber. Sein Nachfolger, P. Anton Zunhamer, notierte am Ende des ersten Kriegsjahres: "in diesem Jahr Quartier (= Einquartierung) genueg gehabt".

Im Jahr 1864 lebten in Pipinsried 283 Katholiken. "Andersgläubige sind nicht vorhanden", hieß es.

Beschreibung 1893
Pipinsried ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1893 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, zu finden. Dort heißt es: "Pippinsried (sic) Kirche Ausstattung um 1770. Im Vorzeichen Grabstein des Pfarrers Georg Sedlmayr + 9.Mai 1637 mit dem Bilde des vor dem Gekreuzigten knieenden Verstorbenen. Rother Marmor. H.110, br. 65 cm".
Die Kirche liegt, vom Friedhof umgeben, am nördlichen Teil des alten Dorfes und wird nunmehr vom neuen Siedlungsgebiet umschlossen. Der Chor ist nicht eingezogen. Die Sakristei besitzt zwei Geschosse.

Umbau 1908
In den Jahren 1908 bis 1910 wurde das Innere der Kirche neu gestaltet und stilistisch in den Zustand der Zeit der Erbauung zurückversetzt. Das Innere war nämlich in der Zeit des Historismus durch eine neue Ausmalung (IHS-Schriftzug an der Chordecke und ein langes Scheyrer Kreuz in brauner Farbe an der Langhausdecke) umgestaltet worden. Doch dies gefiel den maßgeblichen Leuten zu Beginn des 20.Jh nicht mehr. "Die Decke drückt als schmaler flacher Streifen zu Boden", hieß es. Dies war durch die Entfernung der Deckenwölbung durch eine Mauerverschiebung verschlimmert worden.
Das schlechte Aussehen und der schlechte Bauzustand waren jedenfalls der Grund dafür, dass schon um 1900 vom damaligen Pfarrer Fackler Geld für eine Umgestaltung gesammelt wurde. Sein Nachfolger Pfarrer Berchtenbreiter (1902-1919) trieb die Baumaßnahme voran. Er wollte die Kirche verlängern, doch dies war mit dem Hinweis abgelehnt worden, "daß diese schon groß genug ist". Berchtenbreiter setzte sich aber mit aller Kraft dafür ein, "dem klassizistisch strengen Raum eine luftige, heitere Note zu verleihen, das Gotteshaus im hellen, göttlichen Glanz erstrahlen zu lassen". Zwei Jahr plante der kunstverständige Pfarrer, bis er den Auftrag zur Ausmalung an den Münchner Maler Sebastian Wirsching (andere Quelle: Maler Otto Wirsching aus Dachau, der sich 1910 aber in Paris aufhielt) vergab. Doch die ersten Entwürfe (die noch im Archiv vorhanden sind) gefielen dem Auftraggeber nicht: "Der Kunstmaler scheint eben nur die Fähigkeit zu besitzen zu copieren, aber nicht zu componieren", schrieb Berchtenbreiter, die Figuren und der Engel seien ganz verzeichnet. Und der Pfarrer legte dem Künstler eigene Entwürfe vor, nach denen Wirsching seine Gemälde gestaltete. 1909 wurden die Kanzel und die Altäre umgestaltet. Der Choraltar erhielt seine jetzige Form. Im Protokoll stand dazu: "Der vorherige Altar war aus altem wurmstichigen Holz zusammengenagelt und schlecht überstrichen gewesen.
Neben den Gemälden wurden auch die Stukkaturen im nachempfundenen Stile des Spätbarock bzw. Rokoko aufgebracht. Die Augsburger Fa. Fritz Wirth schmückte das Tonnengewölbe mit geschwungenem Bandelwerk, Rocaillen, Muschel- und Rautenformen und vergoldeten Blattgirlanden also in einem Stil, der damals schon 180 Jahre zurücklag.
Das alles kostete viel Geld. Die Pipinsrieder mussten tief in die Tasche greifen, weil die Diözese Augsburg nur einen Teil der Gesamtkosten von 10.500 Reichsmark trug. Für den Rest kamen die Pipinsrieder Bürger durch Spenden und Schuldverschreibungen auf.
Die 'königl. Generalkonservierungsstelle der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns' erstellte am 13.Juli 1909 ein Kontrollgutachten zur Renovierung, zu dem Pfarrer Berchtenbreiter schriftliche Bemerkung anfügte. Die Texte lauten:
  "Das Innere der Pfarrkirche Pipinsried macht in der Hauptsache (!) einen guten Eindruck. Von den neuen Deckengemälden ist das Bild im Schiff künstlerisch am wenigsten gelungen. An den Altarblättern der Nebenaltäre kommen die Sprünge stark zur Geltung, wozu allerdings die ungünstige Beleuchtung der Bilder viel beiträgen dürfte. Ob die Bilder nur aufgezogen oder nur oberflächlich restauriert worden sind, konnte unser Referent, da der Vorstand der Kirchenverwaltung nicht anwesend war, nicht erfahren.
Das neue Schnitzwerk in der Nische des Tabernakels ist nicht besonders schön ausgefallen. Die Gewölbetönung im Chor und Schiff ist gut ausgeführt. Wir bemerken schließlich, daß wir irgendwelche Änderungen nicht verlangen, doch sollte die Kirchenverwaltung von unserem Gutachten Kenntnis erhalten.

Dazu bemerkte Pfarrer Berchtenbreiter, daß an den Bildern der Seitenaltäre nichts geändert worden ist. Die übrigen Bemerkungen treffen zu. Der Kunstmaler Wirsching scheint aber nur die Fähigkeit zu besitzen, zu copieren, aber nicht zu componieren. Auch sind die Figuren, der Hl. Paulus und besonders der schwebende Engel, ganz verzeichnet. Ich habe dem Maler verschiedene Bilder von der Predigt des hl.Paulus auf dem Areopag zur Benützung vorgelegt.
"Mit den Malern hatte ich meine liebe Not. Dieselben laufen sich die Füße müde, bis sie die Arbeit bekommen, dann aber sind sie wohl tüchtig im Fordern, aber nicht im Schaffen. Hierüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben, aber ich will mich nicht mehr weiter ärgern. Zwei haben mich sogar beim bischöflichen Ordinariat aber ohne Erfolg verklagt, weil ich Ihren unverschämten Forderungen für freiwillige Skizzen nicht zusprechen konnte. Mit denselben darf man nur schriftlich verkehren und muß alles sorgfältig aufbewahren als Beweisstücke. Mündliche unverbindliche Besprechungen verdrehen dieselben und erklären sie als Aufträge, um für eine flüchtige Skizze einen Preis fordern zu können, der in keinem Verhältnisse zur Ausführung steht. ".
Herrn Stukateur Wirth könnte ich als sehr soliden Geschäftsmann allen empfehlen.
Die Kirche hatte keine Stuckierung. Vorn im Chor war an der Decke eine Schablone IHS angebracht, im Schiffe der ganzen Länge nach das sogenannte Scheyrer Keuz in brauner Farbe. Hindurch drückte die Decke als schmaler flacher Streifen zu Boden. Ich hatte daher die Predigt des hl.Paulus oder die Bekehrung des hl.Dionys als Hauptbild für das Schiff gewählt, weil bei guter Ausführung die Möglichkeit gegeben war, eine Erhöhung und Wölbung der Decke wenigstens scheinbar wieder zu erzielen, die die frühere Wölbung wegen der Gefahr der Mauerverschiebung entfernt worden war.
Um die Kirche gleichzeitig mit der Restauration vergrößern zu können, ,habe ich um Genehmigung einer Landessammlung eingegeben. Dieses Gesuch wurde jedoch abgelehnt, weil für die eigentlichen Pfarrkinder allein die bisherige Kirche groß genug sei. Weil voraussichtlich dannn wieder die Frage der Friedhoferweiterung aufgetaucht wären, bin ich vn dem Gedanken, die Kirche auf irgend eine Weise zu erweitern oder zu verlängern, wieder abgekommen. Die Verlagerung des Friedhofes wird aber trotzdem in absehbarer Zeit notwendig werden.

Weitere Restaurierungen wurden 1939/1941 unter Pfarrer Michael Straßer und 1979/1981 unter Pfarrer Leopold Höllriegel (Weihe 5. April 1981) durchgeführt


Pfarrer
Die Pfarrei Pipinsried hatte bis 1974 einen eigenen Pfarrer, der im repräsentativen Pfarrhaus wohnte. Heute gehört die Pfarrei zur Pfarreiengemeinschaft Tandern und wird vom Tanderner Pfarrer seelsorgerisch betreut.
Letzter Pfarrer war 29 Jahre lang von 1945 bis 1974 Adolf Höcherl. Über die Installation eines Vorgängers, Jakob Müller, hat sich ein Zeitungsbericht erhalten. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche St.Dionysius in Pipinsried hat wie die meisten Kirchen in unserer Gegend einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für den christlichen Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet als eine runde kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab.


I
nnenaustattung

Altarraum

Der nicht eingezogene Altarraum ist mit einem Tonnengewölbe überzogen. Die Gemälde (Sebastian Wirsching) und der Stuck (Fa.Wirth) wurden erst 1908/10 im damals schon 180 Jahre alten Stil des Spätbarock aufgebracht.

Das Deckengemälde zeigt die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit. Es stammt vom Kunstmaler Wirsching.
Auf dem Bild sitzen Christus und Gottvater auf Wolken und halten zusammen eine Königskrone über der in den Himmel aufgenommenen noch sehr jugendlich wirkenden Maria. Der Heilige Geist in Gestalt einer Taube sendet Gnadenstrahlen herab. Englein und Cheruben betrachten die Szene.
Christus, in einen roten Mantel gehüllt, hält ein großes Kreuz im Arm. Gottvater mit Vollbart stützt sich mit dem linken Arm auf eine große blaue Kugel, die wohl das Weltall darstellt. In der Hand hält er ein Zepter.

 

Choraltar

Der Hochaltar/Choraltar wirkt durch die etwa einen Meter dahinter aufgebaute wunderbare Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes und den davor stehenden schlanken Säulenpaaren wie eine Bühne.
Diese Gruppierung gibt es aber erst seit 1941. Vorher befand sich an der Stelle der Kreuzigungsgruppe ein Altarblatt, das den hl.Dionysius in vollem Ornat zeigte. An den Säulen standen Heiligenfiguren (St.Franziskus -links- und St.Antonius von Padua).

Der zweistöckige Tabernakel ist in Rokoko-Stil gearbeitet. An den Seiten ist er mit einer Verbreiterung versehen, die mit vergoldeten Akanthus- und Rocaillenverzierungen und Voluten eingerahmt ist. Der obere Teil ist konkav gestaltet; in der Nische steht ein Kruzifix.
Auf dem Tabernakel ist das Lamm Gottes im Strahlenkranz postiert. Es liegt auf dem Buch mit den sieben Siegeln.
Das Lamm Gottes symbolisiert Jesus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaia 53,7) und Neuen Testament (Joh 1, 29). Diese Darstellung ist in der Kunst schon seit dem 4. Jh. bekannt.


Figuren im Altarraum

An den Wänden stehen auf Konsolen als weitere Figuren
der hl. Sebastian am Marterpfahl.
Sebastian war im 3.Jh. Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde.
Er erholte sich aber wieder, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron verehrt.
 

- die spätgotische Figur von St. Dionysius mit seinem (zusätzlichen) Haupt auf dem Buch.
Dionysius war der erste Bischof von Paris. Der zuständige römische Gouverneur ließ ihn enthaupten. Dionysius soll danach aufgestanden und mit seinem Kopf in den Händen ein Stück weit gelaufen sein, um seinen Kopf vom Richtplatz Montmartre zu dem Ort zu tragen, wo er begraben sein wollte.

Am Chorbogen steht die spätgotische Figurengruppe der St. Anna selbdritt. Anna trägt das mit einer ungewöhnlichen Frisur versehene Jesuskind auf ihrem rechten Arm. Maria, als junges Mädchen steht zu ihren Füßen und reicht ihrem Sohn einen Apfel, aus dem ein Wurm herauskriecht.
Der Wurm weist auf die heilsgeschichtliche Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse hin, in die die Erde verstrickt ist. Der Apfel ist Sinnbild des Paradiesapfels und damit des Sündenfalls. Jesus nimmt den Apfel entgegen und überwindet durch seinen Tod die Erbsünde.
Hinweis: Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung wie in Pipinsried, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen(der aber hier fehlt). Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt.Diese Komposition gehört zu den anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.


Sakristeieingang und Ewig-Licht-Behältnis
Neben dem Sakristeieingang mit seiner alten Türe ist an der Wand ein altes "Ewig-Licht-Behältnis" aus Stein angebracht. Dort wurde das das Ewige Licht aufbewahrt bevor es in die große Ampel am Chorbogen übernommen wurde. Ein solches Steinhäuschen ist einmalig in den Kirchen des Landkreises.
  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.


Vortragekreuz
Daneben steht ein schönes Vortragekreuz. Solche Kreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ruht auf 15 Docken, das sind profilierte und in der Mitte stark geschwellte barocken Säulchen, wie sie früher für Kommunionbänke verwendet wurden. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

 

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre sind nicht -wie sonst üblich- am Chorbogen mit Blickrichtung zu den Gläubigen, sondern an den Außenwänden des Altarraums beim Chorbogen angebracht. Dies hat den Vorteil, dass der Blick der Gläubigen auf den Hochaltar nicht eingeengt wird.

Rechter Seitenaltar
Am südlichen (rechten) Altar eine Kopie des Gnadenbildes in S.Maria del Populo in Rom. Das Originalbild soll der Legende nach vom Evangelisten Lukas eigenhändig gemalt worden sein. Weitere Legenden berichten davon, dass Maria noch zu ihren Lebzeiten Modell gesessen sei bzw. das Bild eigenhändig vollendet habe oder dass das Bild durch den direkten Kontakt mit dem Marias Körper entstanden sei (Berührungsreliquie). Das Bild hängt seit 600 Jahren in der Kirche S.Maria del Populo in Rom.

Hinweis: Die Kirche S.Maria del Populo von steht in Rom an der Stelle, an der sich am Ende des 1.Jahrtausends ein Nussbaum befand. In ihm hausten böse Geister, die das Grab des Kaisers Nero, das sich unter diesem Baum befand, bewachten und diejenigen belästigten, die die Porta del Popolo passieren wollten. Papst Paschalis II. (1099-1118) hörte davon und ließ in diesem Anliegen gegen die Geister fasten und beten. Am dritten Tag hatte er eine Marienerscheinung, die ihn aufforderte, den Nußbaum zu fällen und an dieser Stelle eine Kirche zu erbauen. Dadurch wurde der Ort von den Dämonen befreit. Dieses Wunder und die Verehrung des Volkes veranlaßten Papst Gregor IX. 1235 dazu, das Marienbild zur Verehrung in die Kirche zu bringen ("et ibi honorifice collocavit"). Der Augustinereremit John Capgrave schrieb damals, jeden Samstag kämen viele Leute, und auch Kardinäle besuchten diesen Ort, obwohl das Bild nur in der Osterzeit zu sehen sei; im restlichen Jahr bliebe es verschlossen.
Das Bild verbreitete sich im 15.Jh als Kopie über ganz Europa, vor allem als Papst Sixtus IV. (1441-1484) für das Beten eines bestimmten Gebets unter dem Bild einen Ablass von 11.000 Jahren (!) verlieh.

Linker Seitenaltar

Am nördlichen (linken) Seitenaltar ein Bild der hl.Mutter Anna mit ihrem Kind Maria auf dem Schoß.
Die Tochter ist mit einem Blumenkranz im Haar geschmückt. Ihre Locken reichen über die Schultern.
Im Hintergrund am Fenster steht ein Blumenstock mit barock geformtem Topf und einer blühenden Pflanze darin (wahrscheinlich eine Rose, die Blume Mariens).
Hinweis: Anna war nach apogryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna (1. Samuel 1-2) soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderlose Ehe ihr Kind Maria geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt.

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das Langhaus ist wie der Chor mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern überzogen.

Das Deckengemälde des Langhauses (ebenfalls vom Maler Sebastian Wirsching) zeigt die Rede des hl. Paulus auf dem Areopag in Athen. Dabei wird der hl. Dionys, der Apostelschüler, vom hl. Geist erfüllt (dargestellt durch den Lichtstrahl) und zum Christentum bekehrt. Bei diesem Dionys handelt es sich nicht um den Kirchenpatron, sondern um einen anderen Heiligen gleichen Namens. In der Kirche sollen drei verschiedene hl.Dionysius abgebildet sein, neben den beiden genannten noch Dionys der Kirchenlehrer und Bischof von Mailand (300-355). Der katholische Heiligenkalender kennt derzeit 7 verschiedene Heilige solchen Namens.
Um das Hauptgemälde sind vier kleinere Gemälde gruppiert, die Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons zeigen (Bild rechts)

Kanzel

Die barocke Kanzel an der Nordwand  ist mit viel Ornamentik geziert. Auf dem  baldachinähnlich gestalteten Schalldeckel präsentieren Engel die Steintafeln mit den 10 Geboten den Gläubigen.
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


Vergrößerung von 10 Details (Figuren, Gemälde, Altäre, Kanzel u.a.) per Mouseklick

Kanzelkreuz
An der Südwand des Langhauses (gegenüber der Kanzel) hängt das Kanzelkreuz mit darunter stehender Mater dolorosa.  

Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.


Bei der unter dem Kreuz stehenden Muttergottes fehlt das sonst übliche Schwert in der Brust. Zu Füßen der Madonna ist ein Gesicht zu sehen. Dabei handelt es sich um das Gesicht des alten Adam, auf das Maria ihre Füße gesetzt hat.


Taufstein

Der Taufstein aus Rotmarmor hat einen glatten Deckel ohne weitere Verzierungen.


                      
Kirchenbänke

Die Kirchenbänke im Langhaus besitzen kunstvoll geschnitzten Kirchenstuhlwangen. Das Muster  entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 in vielen Kirchen des Landkreises verwendet.


Kreuzwegbilder
Die Kreuzwegbilder sind über die ganze Kirche verteilt. In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Opferstock
Unter der Empore ein alter Opferstock auf einem schön geschnitzten Postament. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

Orgel
Die Orgel im klassizistischen Prospekt auf der zweigeschossigen Empore wurde 1884 von Anton Bouthillier aus Oettingen erstellt und 1966 von der Fa. Guido Nenninger aus Mch überarbeitet. Sie besitzt zwei Manuale und 8 Register.
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Vorhaus

Im Vorhaus, das das Eingangsportal an der Westseite der Kirche schützt, sind vier Epitaphe an der Wand angebracht. Sie erinnern an frühere Pfarrherrn (bis 1783 Pfarrvikare) von Pipinsried.
Der älteste Stein ist dem Pfarrvikar Georg Sedlmayr gewidmet, der am 9.Mai 1637 gestorben ist. Nur noch in Umrissen ist das Bild des des Verstorbenen zu sehen, der vor vor dem Gekreuzigten kniet.
Aus Rotmarmor, Höhe 110 cm, Breite 65 cm.
Text: Dem frommen Andenken d. hochwürdigen Herrn Pfarrer Reithmayr in Pipinsried
geb. den 28.Jan. 1803, gest. den 3ten Febr. 1849(?)
und dessen Mutter .... Reithmayr, Chyrurgen-Wittwe von Obermedlingen(?)
gest. 58 Jahre alt, den 13.April 1831,
gewidmet von Ursula Reithmayr.
Text: "Auf diesem Friedhofe ruht die irdische Hülle des hochwürdigen Herren Jakob Wilhelm Müller, Jubelpriesters und Pfarrers zu Pipinsried. Derselbe wurde geboren zu Memmingen d.12.April 1817. Wurde zum Priester geweiht den 20.Juni 1836, war früher Benefiziat in Ellgau, dann Pfarrer in Deimhausen u. Klenau, u. wurde d. .. Mai 1878 Pfarrer dahier in Pipinsried, wo er am 11. Januar 1887 starb.
Lohne Gott seinen Seeleneifer, seine Herzensgüte und aufopfernde Gottes- und Nächstenliebe mit ewigem Frieden. R.I.P."
Das längste Epitaph wurde 1750 für den Pfarrvikar Johann Gartens(h)auser erstellt, der um 1450 den gotischen Bau der Kirche errichten ließ. Von diesem Bau sind noch der Chorraum und der Turm erhalten. Wahrscheinlich hat man 1750 eine 300-Jahr-Feier der Kirche begangen und deshalb diesen Gedenkstein aufgestellt.


Weihnachtskrippe



In der Weihnachtszeit steht in der Kirche eine schöne Krippe; die Figuren tragen Stoffgewänder.
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Pfarrhof

Das heutige Pfarrhaus wurde 1911 anstelle eines Vorgängerbaues errichtet. Jedoch nicht an der selben, sondern an anderer Stelle.
1911 war der alte Pfarrhof in einem so schlechten baulichen Zustand, dass sich eine Renovierung nicht mehr lohnte. Damals betrieb der Pfarrer seinen Bauernhof nicht mehr selbst. Das Haus wurde deshalb von Bezirksbaumeister Dotzler aus Dachau als repräsentativer bürgerlicher Bau, im Stil einer Künstlervilla gestaltet. Die Baukosten betrugen die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 18.234 Mark, nur um 1000 Mark gemildert durch die Erträge aus dem Abbruchmaterial des alten Pfarrhofs. Das Pfarrhaus wurde bis 1974 als Wohnung des Pfarrers benutzt (letzter Pfarrer Adolf Höcherl). Seither wird Pipinsried seelsorgerisch von der Pfarrei Tandern mitbetreut. Derzeit ist das Haus vermietet.
Nach der Klosteraufhebung Indersdorfs 1783 wurde die Pfarrei Pipinsried wieder selbstständig. Der große Pfarr-Bauernhof (Widum) verblieb gottlob bei der neuen Pfarrei und sicherte dem Pfarrer ein Auskommen. Sie umfasste eine Grundfläche von 135 Tagwerk (45 ha) Äcker, Wiesen und Wald. Der Pfarrer war der größte Bauer in Pipinsried. Um 1900 gab er aber seinen Zweitberuf Landwirt auf und verpachtete die Flächen. Von den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden bestehen noch der Rossstall und die mit Gewölben überdeckte Wagenremise. Sie sind zum Pfarrzentrum umgebaut. Auch der Kuhstall ist noch vorhanden; er steht unter Denkmalsschutz. Pläne des Museumsvereins Dachau, darin ein landwirtschaftliches Museum einzurichten, scheiterten aus finanziellen Gründen.


Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Pipinsried Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl


Quellen:
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Max Gruber, Die Kistlerfamilie Prugger in Dachau, Amperland 1975/1
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Infos beim Emmausgang der KLB Dachau 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Martin Setzmüller, Familien- und Häuserbuch von Pipinsried, 1992
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002
Hans Kornprobst, Die inkorporierten Pfarreien und Kirchen des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf, Amperland 2004/2
Dachauer Nachrichten vom 28.9.2010 (Pfarrhof)
Dr.Bärbel Schäfer, Die Pipinsrieder und ihre Pfarrkirche, Dachauer Nachrichten v. 24.12.2010 (Ren.1910)
Johanna Weißenberger, Römische Mariengnadenbilder 1473-1590, Dissertation 2006 (Seitenaltarblatt)
Dr.Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Bauform)
34 Bilder: Rosi Neumann(1), Hans Schertl (33)

 
Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

4.11.2011

Installation von Pfarrer Jakob Müller in Pipinsried
Amperbote vom 11.09.1878

Am vergangenen Sonntag, den 8. September, wurde der neuernannte Pfarrer von Pipinsried, Herr Jakob Müller, feierlich installiert und in die Temporalien eingewiesen. Zu diesem Zweck traf weltlicherseits eine bezirksamtliche Kommission von Dachau in Pipinsried ein. Als bischöflicher Kommissär fungierte bei der genannten Feierlichkeit Herr Dekan und geistlicher Rat Trinkler von Aichach, welcher in liebevollen Worten den neuen Herrn Pfarrer seinen Pfarrkindern vorstellte und seinen Gefühlen unter Hinweis auf die hl. Lehren des Weltheilandes Ausdruck gab.
Nachdem die kirchliche Feierlichkeit beendet war, begab sich der aus der Gemeindeverwaltung, den Kirchenverwaltungs-Mitgliedern und der Schuljugend bestehende Zug unter Vorantritt der weltlichen und geistlichen Herrn Kommissärs zum Pfarrhaus zurück, vor welchem schließlich der weltliche kgl. Kommissär, Herr Bezirksamtsassessor Schöller von Dachau in warmen Worten den neuen Pfarrer seiner Pfarrgemeinde vorstellte, worauf im Inneren des Pfarrhofes die weiteren schriftlichen Verhandlungen den Schluss dieser Feierlichkeit bildeten.

 

Die Glocken von Pipinsried
Dachauer Nachrichten vom 11.10.1951

Pipinsried - Am letzten Samstag erhielt, wie kurz berichtet, die Pfarrei Pipinsried vier neue Glocken. Sie wurden in der bekannten Glockengießerei Czudnohovsky in Erding gegossen. Auf dem Weg von Erding nach Pipinsried durchfuhr das Lastauto mit Anhänger Indersdorf und machte vor der Klosterbrauerei Station. Allseits war man des Lobes voll über die Schönheit und Größe der Glocken, die für diese kleine Landpfarrei bestimmt waren. Die Weihe nahm Domkapitular Prälat Rampp aus Augsburg vor. Am Tag vor dem Patrozinium des Kirchenpatrons Dyonisius war der Aufzug der vier Glocken durch zwei Monteure bewältigt worden, wobei Zimmermeister Haaser sowie Kirchenpfleger Raif und mehrere andere fleißige Männer und Burschen halfen, so dass schon kurz vor 6 Uhr abends das Probeläuten begann. Als die große 40 Zentner schwere Glocke einsetzte, waren manche Einwohner innerlich so gerührt, dass ihnen die Freudentränen über die Wangen rollten. Trotz der Schwere der Zeit hat es der allseits beliebte Pfarrer Häherl mit seinen Männern von der Kirchenverwaltung und Bürgermeister Oberacher riskiert, mit Hilfe ihrer Pfarrangehörigen den mächtigen Kirchturm mit solch einem herrlichen Geläut auszustatten. Bisher musste man sich mit einer Notglocke begnügen. Der Landkreis Dachau zählt 26 Landpfarreien, von ihnen zählt Pipinsried zu den kleineren und ist die einzige Pfarrei, die zum Bistum Augsburg gehört. Sie umfasst wenige große Bauerngüter; aus mittleren landwirtschaftlichen Anwesen, Gütlern und Handwerkern setzt sich die Bevölkerung zusammen.
(Recheriert von Hubert Eberl)