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Pfarrkirche St. Laurentius in PETERSHAUSEN

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Adresse: 85238 Petershausen, Dr.-Hörmann-Straße 4
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Der Ort Petershausen wurde urkundlich erstmals im Jahr 1116 als Perhtricheshuson (Häuser des Perhtrich), die Pfarrei schon kurze Zeit später, im Jahr 1147 erwähnt. Danach wird Petershausen wieder in der Konradinischen Matrikel als Teil des Dekanats Altomünster genannt.

Zwar fehlen Unterlagen über die frühe Geschichte der Pfarrkirche St.Laurentius, aber der wohl romanische Altarstein, der 1982 bei der Renovierung wieder entdeckt wurde, lässt auf ein hohes Alter schließen.

Der heutige Bau dürfte dem Stil nach - wie die meisten Kirchen im Landkreis - um 1500 entstanden und in der Barockzeit umgebaut worden sein.

Der Turm mit seiner geschossweisen Blendgliederung und der Chor sind gotisch, das Langhaus wurde so um 1745 errichtet und 1890 verlängert.

         
Wappen am Chorbogen 

Innenraum
Der eingezogene Altarraum ist flach gedeckt, mit reichem Stuck und dem Deckengemälde "Martyrium des Laurentius" verziert.

Der Hochaltar mit seinen weinlaubumrankten Wendelsäulen zeigt im Altarblatt Darstellungen der Maria mit dem Kind sowie (links) des hl. Johannes des Täufers und von St.Josef (1861).
Assistenzfiguren sind der hl. Laurentius, der Kirchenpatron und der hl.Sebastian. In der Verkleidung am rückwärtigen Altarblock der gemauerte Altarstein, von dem angenommen wird, dass er aus der romanischen Zeit stammt.

An den Chorwänden Figuren der Heiligen Rochus und Augustinus. Am Chorborgen noch Büsten des hl. Korbinian und der hl.Ottilia.

Das Altarblatt des nördlichen Seitenaltars zeigt die 14 Nothelfer. Assistenzfiguren sind Mutter Anna und die hl.Elisabeth. Im Auszuggemälde das Herz Jesu, in der Predella eine reiche Klosterarbeit.

Im südlichen Seitenaltar zeigt das Altarblatt den hl. Leonhard, der im nebenstehenden Bild durch einen Vorhang verhüllt ist (Mai-Muttergottesaltar).
Daneben stehen die Heiligen Franz Xaver und Franz von Assisi.
Im Auszugsgemälde eine Darstellung des Herzens Mariä.

Klosterarbeiten und ReliquienschreineLüster Kreuzweg von Anton HuberKreuzweg von Anton HuberKirchenbank-WangenKirchenbank-WangenGusseiserne Säule unter der EmporeJosefsfigurBemalte HolhlkehleApostelleuchterApostelleuchterMutter AnnaMaria und die 14 NothelferSt.ElisabethSt. OttiliaSt.LeonhardFranz von AssisiKanzelkreuzMater dolorosaSt.LaurentiusSt.SebastianAltarblatt Maria, Johannes und JosefKlosterarbeiten und ReliquienschreineDeckenfresko im Chor - LaurentiusDeckenfrsko Mariä Krönung MariensSt.Franz XaverEvangelist JohannesDeckengemälde: Evangelist LukasSt.PaulusST.PetrusChorbogen-WappenHochaltaraufsatzBemalte HolhlkehleGusseiserne Säule unter der EmporeKanzelKanzelfigur St.MichaelGemälde Guter HirteSt.KorbinianLüster MuttergottesfigurAufsatzbild HerzJesuTabernakelZelebrationsaltar     35 Details (Kanzel, Seitenaltäre, Hochaltar,Figuren, Deckenfresken)
per Mouseklick
linker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung der Ansicht bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klicken

Die Kanzel mit der Figur des hl. Michael gekrönt, stammt aus dem Jahr 1895.
Zur gleichen Zeit wurde die Empore gebaut, an deren Brüstung Apostelgemälde angebracht sind.
Der Taufstein mit achteckigem Becken und Figuren auf dem Deckel ist noch spätgotisch.

Die Deckengemälde des Langhauses stellen im Mittelbild die Krönung Mariens dar, in den Seitenkartusche die vier Evangelisten, Petrus und Paulus mit ihren Symbolen sowie über der Orgel die Orgel spielende hl. Cäcilia.


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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  Visitation 1584
 30jähriger Krieg  Matrikel 1738  Beschreibung 1884  Beschreibung 1893  
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar
 Deckengemälde-1  Deckengemälde-2  Empore  Epitaphe  Ewig-Licht-Ampel
 Figuren im Chor  Figuren im Schiff  Kanzel  Kirchenschiff  Kirchenbänke
 Kreuzweg  Orgel  Oratorium  Reliquien  Seitenaltäre
 Taufstein  Tabernakel  Turm  Zelebrationsaltar  

Der Ort Petershausen soll um das Jahr 700 (andere Quelle: um 1116) erstmals unter dem Namen Petriheshusun schriftlich genannt worden sein.

Geschichte von Pfarrei und Kirche

Die Geschichte der Pfarrei Petershausen und der Pfarrkirche beginnt urkundlich im Jahr 1147, als Bischof Otto von Freising der Kirche von Petershausen den Zehent, der in Laienhände übergegangen war, übertrug und ihr so Einnahmen verschaffte.

Matrikel von 1315
Danach wird Petershausen wieder in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Teil des Dekanats Altomünster (die Dekanate wurden damals nach der Pfarrei des Dekans benannt) erwähnt.

Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524
Die Pfarrei "s.Laurentii in Peterzhausen" wird auch in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 beschrieben. Sie hatte weder eine Filialkirche noch ein Benefizium (Messstiftung). Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) besaß das Bistum in Freising. Es hatte die Pfarrei damals dem Pfarrer Michael Lueff übertragen. Die Seelsorge vor Ort aber versah Vikar Wolfgang Pfaffenhofer. Er wohnte in einem Pfarrhaus, das keine nennenswerten Schäden aufwies und betreute 270 Communicantes, d.s. Gläubige, die schon zur Kommunion gehen durften. Im Jahr 1568 erklärte der bayerische Herzog, er gestatte es nicht mehr, dass ein Priester die Pfarrei erhalte, der nicht auch an Ort und Stelle residiere.

Visitation 1560
Im Jahr 1560 hat der Freisinger Bischof alle seine Pfarrein visitieren lassen, um festzustellen, ob sie dem katholischen Glauben treu geblieben oder protestantische Lehren und Bräuche übernommen haben. Der Visitationsbericht für Petershausen erwähnt, dass sich eine Familie wohl dem evangelischen Bekenntnis zugewandt habe und weggezogen sei. Andere Gläubige seien nach einiger Zeit der Abstinenz wieder in die Messe gegangen. 1560 gab es "keine Häretiker" mehr. Der Pfarrer wurde sehr gelobt.

Visitation 1584
Eine Generation später, im Jahr 1584, veranlassten die Kurfürsten in München eine weitere Visitation. Damals meldete der Visitator, die Pfarrei habe nun 350 Communicantes. Das ist eine Zunahme um 80 Personen innerhalb von 60 Jahren. Die starke Bevölkerungszunahme in der zweiten Hälfte des 16.Jh war auch in anderen Pfarreien zu beobachten. Einen kleinen Anteil daran hatte auch der neue Pfarrer Adrian Strauß, der -wie die meisten seiner Kollegen- selbst mehrere Kinder hatte. Der Pfarrhof wird als wohl erbaut bezeichnet. Im Ort lebt ein "gehorsames Pfarrvölckhl", schreibt der Visitator. Mehr über die Visitation finden Sie hier...

Dreißigjähriger Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche schwer mitgenommen. Schon 1641 drohte das Kirchendach einzufallen, auch die Kirchenmauer und die Friedhofsmauer mussten repariert werden. Am schlimmsten wurde es kurz vor dem Ende des Krieges. Am 24.3.1648 wurden 100 Fuhrwerke fliehender Bauern zwischen Petershausen und Kollbach von Soldaten niedergemacht. Dabei fand auch Pfarrer B. Sailer den Tod,als er sich den Soldaten entgegenstellen wollte. Durch Pest (1634) und Krieg waren fast alle Einwohner umgekommen; Einwanderer aus Tirol und Salzburg nahmen ihre Stelle ein.
Ein halbes Jahrhundert später, nach erfolgreicher Restaurierung, wiederholte sich die Geschichte. Im Spanischen Erbfolgekrieg plünderten die Österreicher die Kirche 1704.

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655

Schmidtsche Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel
kurz beschrieben. Petershausen war eine Wechselpfarrei, d.h., das Präsentationsrecht wechselte nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München. Pfarrer war seit 1734 Johann Michael Hörmann. Er betreute 370 Communicantes seelsorgerisch. Das heißt, die menschlichen Verluste durch die Gräuel des Dreißigjährigen Kriegs und durch die Pest waren inzwischen wieder ausgeglichen. Die Pfarrkirche selbst beschreibt Schmidt als sehr alt, aber gut repariert. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St.Laurentius geweiht. Auf ihm werde seit 1503 eine Kreuzpartikel in einem silbernen Kreuz aufbewahrt. Die beiden Seitenaltäre hätten die Muttergottes und den hl.Leonhard als Patrone. Das Kirchweihfest werde am Sonntag nach dem Fest des hl.Gallus (16.Okt.) gefeiert. In der Sakristei würden hinreichende Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger in Kranzberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat in letzter Rechnung 1927 fl. (=Gulden) 50 kr (=Kreuzer) 1 hl.(=Heller) betroffen".


Beschreibung 1884

Kirche und Pfarrei Petershausen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1884 enthalten, die Anton Mayer u.Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie:"Die Pfarrei hat 617 Seelen in 100 Häusern. Davon wohnen nur 387 Gläubige (in 62 Häusern) in der Ortschaft Petershausen selbst, die Übrigen in Göppertshausen 31 (4), in Sollern 65 (12), Ziegelberg 51 (11) und in 6 weiteren Einöden und Weilern. Edenpfaffenhofen war kurz vorher, 1871, nach Weichs umgepfarrt worden. Der Umfang der Pfarrei beträgt 12 km. Die Wege sind beschwerlich. Im Pfarrbezirk befinden sich 3 menonitische und 1 protestantische Familie." In dem 1879 vergrößerten Schulhaus unterrichtete 1 Lehrer 130 Werktags- und 40 Feiertagsschüler.
Pfarrei
: "Petershausen ist eine Wechselpfarrei. Die Kirchenrechnung weist bei 3893 Mark Einnahmen und 129 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 3764 Mark aus. Die Schulden betrugen 3685 Mark. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 82 Tagwerk (= 27 ha) Fläche der Bonität 10. Das Pfarrhaus ist geräumig, passend und in den unteren Räumen feucht. Die 1844 erbauten Ökonomiegebäude waren noch für den Zehent berechnet und sind deßhalb jetzt viel zu groß. Die Matrikelbücher beginnen im XVII. Jahrh".
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1844. Zopfstyl (=Barock). Die Geräumigkeit ist unzureichend. Baupflicht hat die Kirchenstiftung. Sattelthurm mit 3 Glocken. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Pfarrkirche. Stiftungen: 22 Jahrtage, 42 Jahrmessen. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer. Kirchenvermögen: 3.400 Mark".


Beschreibung 1893
Petershausen ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1893 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, zu finden. Doch dort ist nur der Taufstein erwähnenswert. Der Text lautet:
"Kirche erbaut von Pfarrer Mich.Hörmann (1734-1763). Im Chor achtseitiger Taufstein mit achtseitigem gewundenem Sockel. H.80 cm. Spätgothisch"

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Abschiedsfeiern von Pfarrern Fahnenweihen beschrieben. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

Baubeschreibung

Die Pfarrkirche St. Laurentius liegt im alten Teil des Ortes, umgeben vom Friedhof in der Nähe der Glonn. Die ältesten Bauteile der Pfarrkirche sind der Sattelturm und das untere Mauerwerk des Kirchenschiffs, die wahrscheinlich aus dem 15.Jh stammen. Der Turm ist geschossweise durch Blenden gegliedert. An der Blende im dritten Geschoss befindet sich ein Rundbogenfries, der sogar noch romanisch anmutet.

Der spätgotische Chor (ebenfalls aus dem 15. Jh) ist eingezogen und schließt in drei Achteckseiten. An die südliche der Seiten ist die doppelgeschossige Sakristei angebaut (1737 -andere Quelle: 1757- durch Franz Thalhamer aus Hohenkammer).
Das Kirchenschiff ist mit sieben Jochen sehr lang. Die drei westlichen Joche (8 Meter) wurden 1890 angebaut.
An den Außenwänden des Kirchenschiffs und des Altarraums sind Epitaphe in die Mauer eingelassen:
Epitaph aus Muschelkalk von190 mit einem großen, runden Portraitrelief in der Mitte (Signatur "BS"=Balthasar Schmitt).
Text: Der edlen Kunst halfst voll Begeisterung du den Weg bereiten damit sie wieder eintrete in das Haus des Herrn. Franz Festing, Pfarrer, geb.20.Okt.1839 in Hildesheim, ges.8.Okt.1902 in Petershausen. Gewidmet von seinen Freunden.
Epitaph aus Muschelkalk von 1913. Im oberen Teil ein Portraitrelief aus Bronze mit der Signatur "F.Drexler".
Text: Zum steten Gedenken an den edlen hier ruhenden Gründer und Wohltäter des k.Gesellenvereins St.Anna, Ehrenpräses Hochwürden Herrn Laurentius Kottmaier, Benefiziat (= Priester ohne Pfarrei) bei U.L.Frau in München, *2.Febr.1827 +29.März 1913. Errichtet vom kath.Gesellenhausverein St.Anna München R.I.P.
Andenken an unsern lieben Sohn & Bruder, der ehrengeachtete Fr.Xaver Hörmann, Bürgermeisterssohn v.hier. Sergeant i.15.byr.Infr.Rgt.1.K., Inhaber d. eis.Kreuzes II u.des byr.Verdienstkreuzes mit Krone und Schwertern gefallen bei Duamo am 8.Juni 1916 im 27.Lebensj.
In der Plakette des Aufsatzes ist ein sterbender Soldat abgebildet. Daneben als Relief die beiden Orden des Gefallenen.
Turm
Der sechsgeschossige Sattelturm ist im an der Chornordseite angebaut. 1761 hatte ein Sturm den größten Teil des Turmes umgeworfen und das Dach "totaliter" zerschlagen. Im Turm hängen hinter den spitzbogigen Doppel-Schallfenstern seit 1949 vier Glocken mit den Tönen c', e', g' und a' mit den Durchmessern 151, 127, 113 und 101 cm, die vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation gegossen wurden. Die Vorgängerglocken aus den Jahren 1477, 1580, 1603 und 1927 wurden verkauft oder in Kriegszeiten leider eingeschmolzen.

Westlich am Langhaus überdeckt ein Vorbau mit nördlichen und südlichen Zugängen das doppeltürige Eingangsportal.

Die letzte Renovierungen wurden gegen 1670, 1741, 1770, 1890, 1932, 1949, 1980/83 und um das Jahr 2001 durchgeführt.

 

Innenausstattung

Chor / Altarraum

Der eingezogene Altarraum ist flach gedeckt. Die Decke ist mit einer Hohlkehle und Traufgesims profiliert. Ungewöhnlich ist der reiche Stuck, meist Neurokoko von Leander Weipert, München 1890, der wahrscheinlich an den Altbestand im Chor aus der Frührokokozeit angepasst wurde. Der Altarraum wird von zwei Rundbogenfenstern und zwei darüber liegenden kleineren Rundfenstern erhellt. Die Fenster haben sechseckige Bleiverglasung (sog.Goetheglas, auch leichtes Restaurationsglas oder in Bayern "Wassergimpel" bzw. Wetterglas" genannt, das mundgeblasen wurde, leichte Schlieren hat und 2 mm dick ist).

Deckengemälde

Das Deckengemälde im Chor mit der Darstellung des Martyrium des Kirchenpatrons Laurentius entstand wohl gegen Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde jedoch um 1890 überarbeitet.
Laurentius wird von seinen Henkern auf den Rost gedrückt unter dem zwei Knechte schon ein Feuer entzünden. Im Hintergrund stehen Schaulustige. Über der Szene schweben Engel und halten schon den Märtyrerkranz und den Märtyrerpalmzweig in den Händen.

Hochaltar/ Choraltar

Der heutige Hochaltar mit seinen vier weinlaubumrankten Wendelsäulen, dem verkröpften Gebälk, den Volutensprenggiebeln und dem Auszug könnte von Konstantin Pader (1653) erbaut worden sein. Nach anderen Auffassungen stammt er aus der Zeit um 1680 oder um 1710/20. Im Jahr 1902 wurde der Hochaltar neu gefasst und am 11. April 1904 von Erzbischof Franz Joseph von Stein konsekriert. Ein kleiner seitlicher Ausschnitt in der Verkleidung am rückwärtigen Altarblock gibt den Blick frei auf das wohl älteste Kunstdenkmal in Petershausen. Bei der letzten Renovierung von 1982 entdeckte man nach dem Entfernen der Verkleidung des Hochaltars den gemauerten Altarstein, den Stipes, von dem angenommen wird, dass er aus der romanischen Zeit stammt. Er weist eine Quadergliederung auf und zeigt zu beiden Seiten je eine schlanke glatte Säule mit profiliertem Kapitell. Die Steinplatte jedoch ist neueren Datums, sie stammt vermutlich aus dem Jahr 1902, als die Kirche eine umfangreiche Innenrenovierung erhielt. Auf der Rückseite des Altars ist ein alter, hölzerner Zugmechanismus angebracht, der wahrscheinlich Ölbergdarstellungen gedient haben könnte.
Im mit Öl auf Leinwand gemalten Altarblatt (1861 von Max Huber aus München sign.) finden sich die Darstellung der auf Gewölk stehenden Maria mit dem Kind und seitlich die Heiligen Johannes der Täufer (mit Kreuzstab in der linken Hand, mit der rechten Hand auf Maria weisend) und Josef mit Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit)        Als Assistenzfiguren aus der Zeit um 1890 sehen wir die Heiligen Laurentius (im kurzärmeligen Gewand des Diakons, mit Rost und Märtyrerpalmzweig) und Sebastian (nicht wie sonst am Marterbaum, sondern frei stehend im Soldatengewand mit Pfeilen und Märtyrerpalmzweig.
  Hinweise: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet.
Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Auf den Volutensprenggiebeln mit verkröpftem Gebälk sitzen Engel neben Flammenvasen. Das Auszugsgemälde (Öl auf Leinwand) aus dem Erbauungszeit des Altars n geschweiftem Rahmen zeigt den auf Wolken thronenden Gottvater mit der Weltkugel.
Eine neubarocke Zutat stellt der doppelgeschossige Tabernakel mit den vergoldeten Wendelsäulen dar, den Josef Stärk aus Nürnberg 1901 fertigte (Josef Stärk stattete zur gleichen Zeit auch die Kirche in Giebing mit Altar, Kanzel und Kreuzweg aus). Der Tabernakel besteht aus marmoriertem und vergoldetem Holz. Kleine gedrehte Säulchen auf einem Volutenpostament stützen das geschwungene Gebälk mit drei Puttenköpfen. Im unteren Bereich ist der eigentliche Tabernakel untergebracht, mit vergoldeten Türen, darüber in der mit einer vergoldeten Muschelkalotte ausgestatteten Nische steht das Altarkreuz aus vergoldetem Holz. Der Corpus ist aus Elfenbein geschnitzt.
  Hinweise: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Reliquien
In zwei Reliquienbehältnissen beidseits des Tabernakels befinden sich neben größeren Wachsmedaillons zahlreiche Reliquien, die in Klosterarbeit mit Goldfäden und farbigen Steinen gefasst und verziert sind. Die Cedulae, die kleinen Zettel aus Pergament nennen die Namen der Heiligen, deren Reliquien sich hier befinden: Mauritius, Felix, Dionysius, Laurentius, Theodosius, Candida, Joh.Nepomuk, Illuminatus, Erasmus, Valerianus, Martin, Valentin, Victor, Vinczent, Ursula, Theophila.


Figuren im Altarraum
An den Seitenwänden des Chores stehen zwei große Statuen auf Postamenten:
an der rechten Seite über dem Sakristeieingang der hl. Augustinus im Bischofsgewand mit einem brennenden Herzen in der rechten Hand und der hl.Ägidius im Abtsgewand mit einer Hirschkuh auf der gegenüberliegenden Seite . Beide Heiligen tragen Handschuhe mit 5 vergoldeten Ziernägeln als Zeichen für die 5 Wunden Christi.
 

Hinweis: Ägidius lebte im 7. Jh. als Einsiedler der Legende zufolge nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Ägidius wurde bei einer Jagd vom Pfeil des Westgotenkönigs Wamba getroffen als dieser versuchte, das Tier zu erlegen. Um seine Schuld zu tilgen, gestattete der Monarch dem Verletzten, nach seiner Genesung ein Kloster zu gründen. Nach anderen Legenden bemühte sich Karl, der Große, - er lebte fast 100 Jahre später - um die Fürbitten Ägidius': ein Engel brachte danach einen Zettel mit der bestätigten Sündenvergebung auf den Altar, an dem Ägidius sein Amt versah. Seitdem gilt Ägidius als Beistand einer guten Beichte und Vergebung und zählt als solcher zu den 14 Nothelfern.
Augustinus ist der bedeutendste der vier lateinischen Kirchenväter. Er wurde -nach vielen Irrwegen- 394 zum Bischof von Hippo bei Karthago geweiht. Durch seine zahlreichen Schriften entwickelte er sich zum geistigen Führer der abendländischen Kirche. Er starb am 28.8.430 während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig Geiserich.


Am Chorborgen sind die Büsten des hl. Korbinian (im Bischofsornat mit Bibel und Bär) aus der Zeit um 1500) und der hl.Ottilia (mit Krone sowie Buch, in dessen offenen Seiten Augen zu sehen sind) aus der Zeit um 1700 angebracht
  
Korbinian (um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising. Als bei einer Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die Traglast dem Bären um.
  Odilia (660-720) aus dem Elsass war Äbtissin des nach ihr benannten Klosters Odilienberg. Die Legende berichtet, dass ihr Vater sie seine blind geborene Tochter Odilia töten lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte. Bei der Taufe wurde ihr das Augenlicht wieder geschenkt.


Ewig-Licht-Ampel
Die barocke Ewig-Licht-Ampel am Chorbogen ist schon alt. Sie stammt aus dem Jahr 1740, besteht aus versilberten Messing und ist mit Reliefs in Treibarbeit geschmückt. Treibarbeit bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der
  Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.

Oratorium

An der Nordseite des Altarraums ist im 1.Stockwerk des Turms ein Oratorium eingebaut. Es ist durch ein Fenster mit Rundbogen und ein Fenster mit verbleitem Antikglas mit dem Altarraum verbunden. Hier konnten früher adelige Herren der Messe beiwohnen, ohne vom einfachen Volk gesehen zu werden.
Unter dem Oratorium ist eine Uhr in die Wand eingelassen.
Chorglocke

Neben dem Chorgestühl ist der Eingang zur Sakristei. Dort hängt die Chorglocke oder Sakristeiglocke, die mit einem roten Zugband zum Klingen gebracht wird.
Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten bei Beginn der Messfeier die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist ein einfacher Blocktisch aus der Zeit um 1970.
Hinweis: Der Zelebrationsaltar ist eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. In der Anfangszeit des Christentums konnte zur Eucharistiefeier zunächst jeder beliebige Tisch dienen, doch bereits im 4. Jahrhundert wurde ein fester Altar in die Kirchen eingebaut. Er war frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

Langhaus / Kirchenschiff

Das Langhaus ist ein flachgedeckter Saalbau, mit eingezogener, bemalter Hohlkehle und Kraggesims profiliert. Es besitzt einen feinen, aber nicht sehr reichen Rokokostuck, der aber zumindest teilweise als Ergänzung des vorhandenen Stucks aus der Zeit des Modernismus um 1890 stammt. Es ist aber nicht auszumachen, welche Teile ersetzt wurden. Das Traufgesims des Kirchenschiffs ist etwas niedriger als im Altarraum

Deckengemälde im Kirchenschiff

Die Deckengemälde des Langhauses schufen 1890 Carl Lessig und Anton Ranzinger aus München (sign). Damals wurde das Kirchenschiff verlängert. Die Gemälde stellen im großen Mittelbild die Krönung Mariens dar, in den Seitenkartuschen die vier Evangelisten, Petrus und Paulus mit ihren Symbolen und der Harfe spielende König David. Über der Orgel ist in einem mittelgroßen Bild die Orgel spielende hl. Cäcilia zu sehen, flankiert von Bildkartuschen mit Themen aus der (Maria preisenden) Lauretanische Litanei: Morgenstern, Goldenes Haus, geheimnisvolle Rose, Arche des neuen Bundes. Die Gemälde sind mit Stucklinien verbunden.
vorne

Evangelist Johannes

Wappen am Chorbogen

Evangelist Lukas

Petrus


Mariä Krönung


Paulus

Evangelist Markus

Evangelist Matthäus

Arche

David spielt Harfe

Goldenes Haus
hinten

Morgenstern

Cäcilia spielt Orgel

geheimnisvolle Rose
Wappen von
Pfr. Hörmann
Der Stuck am Chorbogen ist noch alt. Das Wappen zeigt einen Mann mit gezogenem Säbel in der Rechten, darüber, auf heraldischem Schmuck, ein Pferd. Es ist das Wappen von Pfarrer Michael Hörmann (1734-1763 Pfarrer in Petershausen).
Evangelist Johannes Johannes sitzt ist mit dem geöffneten Evangelienbuch und einer Schreibfeder auf einer Wolke. Sein Blick geht nach oben als warte er auf die göttlichen Worte, die er niederschreiben soll. Hinter ihm mit ausgebreiteten Schwingen sein typisches Attribut, der Adler. Diesen hoch fliegenden Vogel versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums.
Evangelist Lukas Der Evangelist Lukas ist in ähnlicher Weise dargestellt, wie Johannes. Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
Mariä Krönung Maria schwebt auf Wolken empor zum Himmel. Engel tragen ihr Attribut, die Lilien der Reinheit. Im Himmel wird sie von der Hl.Dreifaltigkeit erwartet. Christus mit seinem Attribut, dem Kreuz und Gottvater mit dem Zepter und der Weltkugel halten eine Krone bereit. Darüber schwebt der Hl.Geist in Gestalt einer Taube und sendet Gnadenstrahlen herab. Die drei göttlichen Personen haben einen dreieckigen Heiligenschein, der nur ihnen vorbehalten ist.
St.Petrus Petrus mit zwei Himmelsschlüsseln in der Hand. Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt.
Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
St.Paulus St.Paulus mit dem Schwert und Evangelium.
Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Er verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Das Schwert in seiner Hand ist auf die eher unwahrscheinliche Legende zurückzuführen, nach der Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert ums Leben kam. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.
Evangelist Markus Der Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, berichtet und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
Evangelist Matthäus Dem Evangelisten Matthäus - so könnte man glauben- schaut ein Engel über die Schulter. Es ist aber ein geflügelter Mensch, so wie alle Attribute der Evangelisten geflügelt sind. Es handelt sich ja um die vier geflügelten Lebewesen aus der Apokalypse. Der Mensch bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf seine Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin.
David spielt Leier Wegen seines in der Bibel erwähnten Leierspiels (2 Sam 3-5) und im Hinblick darauf, dass er als Dichter der Psalmen gilt, wurde David ab dem 16.Jh auch häufig als Psalmist, ja als Repräsentant der geistlichen Musik dargestellt (Patron der Sängergruppen und Musikgruppen).
Cäcilia spielt Orgel Die hl.Cäcilia, die Patronin der Musiker, sitzt an einer Orgel, zu ihren Füßen ein Waldhorn, eine Flöte und eine Trommel. Cäcilia soll eine hübsche adlige Römerin gewesen sein, die von Papst Urban I. getauft wurde und viele Menschen ihrer Umgebung zum Christentum bekehrte. In der Zeit der Christenverfolgung wurde sie in kochendes Wasser gesetzt und schließlich mit dem Schwert schwer verwundet und starb kurze Zeit später. 1599 wurde ihr Leichnam unverwest gefunden. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Tatsächlich wird nur von ihrem Gesang berichtet.
Arche d.Neuen Bundes Die Bilder stellen vier Anrufungen an Maria aus der Lauretanischen Litanei dar. Durch die bild- und symbolreiche Sprache hat die Lauretanische Litanei einen sehr poetischen Charakter. Den Namen erhielt sie nach dem italienischen Marienwallfahrtsort Loreto. Maria wird in der Litanei mit zahlreichen verschiedenen Bezeichnungen angesprochen, die ihre Rolle in der Heilsgeschichte teils direkt ansprechen, teils in symbolischen, oft der Bibel entstammenden Bildern darzustellen versuchen. Die "geheimnisvolle Rose" ist darauf zurückzuführen, dass man in der Antike der Ansicht war, dass Rosen die Wirkung des Weines abschwächten und davor bewahrten, Geheimnisse zu verraten. Die Rose galt deshalb als Symbol der Verschwiegenheit, lat. "sub rosa" (unter der Rose, d. h. unter dem Siegel der Verschwiegenheit).
Goldenes Haus
Morgenstern
Geheimnisvolle Rose

 

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre mit je zwei kannelierten Säulen und verkröpftem Gebälk sind in lebhaften Neurokoko-Formen gestaltet. Den Entwurf hat Architekt Alois Saal aus München um das Jahr 1890 gefertigt. Die vier Meter hohen Altäre, die den 14 Nothelfern und dem hl.Leonhard geweiht sind, ersetzten ihre Vorgänger aus dem Jahr 1757. Bis 1699 gab es einen Nothelferaltar und einen Annaaltar. Dann wechselte das Patronat von Anna zu Leonhard.
Die Antependien bestehen aus marmoriertem Holz mit seitlichen Pilastern und zwei Putten und ein Kreuz als Füllung. In den Predellen sind reiche Klosterarbeiten aus dem 18. Jh eingelassen, mit großem Agnus Dei und vielen Reliquien, die in Goldlahn (flach gewalztem Metalldraht) gefasst und mit farbigen Steinen besetzt sind.
...mehr über Klosterarbeiten...


Nördlicher (linker) Seitenaltar


Das Altarblatt des nördlichen (linken) Seitenaltars von Carl Lessig und Anton Ranzinger aus München (um 1890) zeigt die 14 Nothelfer, die um die Gottesmutter Maria mit ihrem Kind auf dem Schoß herumgruppiert sind. Maria sitzt auf einem Thron, der auf Gewölk schwebt. Schon vor 1890 befand sich ein Nothelferbild (aber nur mit 10 Nothelfern) an diesem Altar.

Die 14 Nothelfer sind mit ihren typischen Attributen dargestellt an denen sie auch zu erkennen sind. Die Nothelfer waren beim einfachen Volk sehr belieb und entsprachen häuslichem Zweckdenken. Jeder Heilige war Schutzpatron für genau umgrenzte körperliche und seelische Nöte. Auf dem Bild sind 12 Personen eindeutig bestimmten Nothelfern zuzuordnen: Links oben in Ritterrüstung mit Speer in der Hand, der hl.Georg mit dem Drachen, angerufen gegen Seuchen der Haustiere.
Darunter die Königstochter St.Katharina mit den Marterinstrumenten Schwert und Marterrad (angerufen gegen Zungenleiden und Sprachschwierigkeiten. Hinter ihr St. Blasius, ebenfalls in Bischofsornat, mit zwei Kerzen in der Hand (heilte ein Kind, das eine Gräte verschluckte), angerufen gegen Halsleiden. Daneben St.Achatius als römischer Soldat , der in Todesängsten und ausweglosen Lagen angerufen wird. Neben ihm steht der hl. Vitus mit einem Ölkessel in der Hand. Er wird bei Veitstanz angerufen und ist zugleich Schutzpatron gegen das Bettnässen. Links unten steht der junge St.Ägidius mit einer Hirschkuh. Als Einsiedler nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Wegen eines angeb. Wunders im Zusammenhang mit der Beichte von Karl d.Großen gilt er als Beistand einer guten Beichte und Vergebung. Unten in der Mitte kniet der St.Eustachius als Jäger gekleidet, mit Armbrust und einem Hirschen, der ein Kreuz zwischen dem Geweih trägt. Er wird in allen schwierigen Lebenslagen angerufen. Darüber der hl. Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter (angerufen gegen unvorbereiteten Tod). Hinter Christophorus der Hl.Dionysius, als Bischof gekleidet, mit einem Schwert in den Händen (er wurde enthauptet), - angerufen gegen Kopfschmerzen. Die beiden Heilige darüber -einer im grünen Gewand und einer Schlange in der Hand sowie eine Frau mit Kopftuch- sind mir nicht bekannt. Rechts oben zu Füßen von Maria hält Bischof Erasmus eine Ankerwinde in Händen. Er war ursprünglich Patron der Matrosen. Doch sein Attribut wurde bei uns als Marterinstrument missverstanden. Da er angeblich durch Herausspulen der Gedärme den Tod fand, wurde er folgerichtig zum Nothelfer bei Bauchschmerzen. Vor Erasmus steht Barbara mit vor dem Hintergrund eines Turms (sie war in einen Turm gesperrt). Sie half als Patronin der Sterbenden. Ganz oben rechts hält St.Margarete ein Kreuz gegen den Drachen (ihr erschien der Teufel = das Böse in Gestalt eines Drachen). Sie ist Helferin bei Geburt und gegen Unfruchtbarkeit.
Von den traditionellen 14 Nothelfern blieben Cyriakus und St.Pantaleon, zwei Männer, übrig. Aber häufig wurden auch heimische Heilige zu den 14 Nothelfern gerechnet. Allerdings sind es nirgends mehr als 3 Frauen ("die 3 heiligen Madeln").
Die überwiegend in Gold gefassten Assistenzfiguren aus der Zeit um 1890 stellen die Mutter Anna (andere Quelle: St.Theresia) mit der Bibel in der Hand und die hl.Elisabeth von Thüringen mit einer Krone auf dem Kopf, einem Brot in der Hand und Rosen im Schurz.
 

Hinweise: Anna war nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna (1. Samuel 1-2) soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihr Kind Maria geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt.Das Buch in ihren Händen geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.
Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.

Der Altar besitzt einen geschwungenen, fast ovalen Auszug, der auf verkröpftem Gebälk ruht und von zwei Ziervasen und einem Puttenkopf umgeben ist. Im runden Auszuggemälde (Öl auf Leinwand) ist eine halbfigurige Herz-Jesu- Darstellung zu sehen.
Reliquien
 

Das Reliquienbehältnis in der Predella enthält auf einem Samthintergrund neben einem ovalen Wachsmedaillon auch eine Anna-Hand und Reliquien von Albanus, Agricola M., Amanda, Amanius, Aurelia, Bassa, Benedicta, Benignus, Bonifatius, Candida, Cerealus, Clemens, Cölestine, Constantia, Corona, Crypa S., Felix, Florentius, Fortunatus, Germanus, Henedine, Ignatius, Innocentia, Jucundus, Juliana, Lucianus M., Matthäus, Patricia, Palatinus, Paulina, Placida, Severin, Speciosa, Timotheus, Theophila, Valentin, Valerian, Vincentia, Veneranda, Venustus, Vicentius, Xenobius. Die meisten der Heiligen sind sog. Katakombenheilige.
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Katakombenheilige...


Südlicher (rechter) Seitenaltar

Im südlichen Seitenaltar zeigt das Altarblatt (Öl auf Leinwand) den hl. Leonhard (1890, von C.Lessig & A. Ranzinger sign.). Der Heilige steht vor dem Hintergrund einer Viehherde im Mönchsgewand mit Viehketten und der Bibel in den Händen und blickt den Betrachter an.

Daneben stehen die Assistenzfiguren der Heiligen Franz Xaver (mit einem Kreuz in der linken Hand und dem Segensgruß mit der Rechten bildend) und Franz von Assisi (mit einem Kreuz und mit Wundmalen am Handrücken) die 1890 geschnitzt wurden. . Im Auszuggemälde (Öl auf Leinwand) ist eine Darstellung des Herzens Mariä zu sehen.

    
  Hinweise: Der hl. Franziskus von Assisi entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.
Reliquien
Das Reliquienbehältnis in der Predella enthält einen Kreuznagel und Reliquien von Arator, Alburia, Aemilia, Bethurius, Candida, Constantin, Diodorius, Dionysius, Donatus, Faustina, Felix, Florentina, Floria, Gentianus, Herculanus, Herona, Honorata, Illuminatus, Innocentius, Jucundinus, Justina, Laureatus, Laurtentius, Lucia, Mansuetus M., Nicolao, Patricia, Paulinus, Placida, Placidus, Severin, Severina, Servata, Tatianus, Theodolus, Urbana, Venturia, Vitalis, Vicentius, Victor.

Taufstein

Der Taufstein ist noch spätgotisch.Er stammt aus der Zeit um 1500. Fuß, Schaft und Becken sind achteckig. Auf dem Deckel aus patinierten Messingblech von 1938 steht eine barocke Aufsatzgruppe aus der Zeit um 1700, die die Taufe Jesu darstellt. Johannes hält in der Hand einen Kreuzstab mit einem Schriftband: "Ecce Agnus Dei"
  
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße;
  die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.

Kanzel

Die Kanzel mit ihrem balustergeschmückten Aufgang ist im im Stil des Historismus (hier Neurokoko) gearbeitet. Entworfen wurde sie 1895 von Alois Sigl. Auf dem Aufsatz des Schalldeckels steht die Figur des hl. Michael mit erhobenem Flammenschwert in der Rechten auf einem sich zu seinen Füßen windenden Teufel. Flammenschwert ist die Bezeichnung für ein Schwert, dessen Klinge gewellte (geflammte) Schneiden hat. >Die Schalldeckelunterseite ziert eine versilberte Heiliggeisttaube. Im Gemälde an der Rückwand der Kanzel mit Rocaillenkartuschen-Rahmen (Öl auf Holz) ist Jesus als der Gute Hirte dargestellt. Am Kanzelkorb sind vier Evangelistenreliefs (mit ihren Attributen) vor gesandeltem Goldgrund angebracht.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.
Die vier Evangelistensymbole Engel, Löwe, Stier und Adler haben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar.


Kreuzweg von Anton HuberKirchenbank-WangenGusseiserne Säule unter der EmporeBemalte HolhlkehleBemalte HolhlkehleApostelbilderApostelbilderApostelbilderApostelbilderApostelbilderApostelbilderApostelbilderApostelleuchterLanghaus-Deckenfresko Krönung MariensDie Orgel mit 7-teiligem ProspektDeckenfestko: Cäcilia spielt OrgelKanzelST.NikolausKreuzweg von Anton HuberApostelleuchter BeichtstuhlDeckengemälde: Arche des Neuen BundesDavid spielt die LeierDeckengemälde Goldenes HausEvangelist MarkusEvangelist MatthäusGeheimnisvolle RoseDu MorgensternJosefsfigurKirchenbank-WangenMuttergottesfigurSt.Nepomuk
27 Details (Empore,Figuren, Deckenfresken, Bilder) per Mouseklicklinker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung der Ansicht bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klicken
Kreuzwegstationen
Die großen Kreuzwegstationen nach einem Modell von Joseph von Führich, Wien 1844/46, erhielten ihren jetzigen Platz in der Mitte des 19. Jh (1854) und ersetzten den früheren Kreuzweg

aus dem Jahr 1742. Das erste Stationsbild wurde vom Maler Anton Huber aus Dachau (1830 -1889) mit "AH" in Ligatur signiert. Mit einer aber-maligen Weihe der Kreuzwegstationen im Jahr 1893 fand die Erneuerung der marmorierten Bilderrahmen ihren Abschluss.

Apostelleuchter
Zwischen den Kreuzwegstationen Apostelleuchter mit sehr schönen Stuckemblemen als Apostelkreuze.
Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.


Kirchenbänke

Über den Kirchenstühlen hängen sechs Lüster, die den Gläubigen abends Licht spenden.

Das Laiengestühl, 1731 schon einmal erneuert, wurde im Rahmen einer Gesamtrenovierung der Kirche im Jahre 1982 ersetzt. Es sind links 17 und rechts 16 Bankreihen.

  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

Figuren an den Seitenwänden des Kirchenschiffs

  An der Langhaussüdseite hängt das Kanzelkreuz aus der Zeit um 1750. Das Lendentuch (Perizoma) ist nicht -wie sonst bei solchen Darstellungen üblich- vergoldet, sondern in realistischer Farbe gehalten.
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
  Unter dem Kreuz ist ein Totenschädel mit gekreuzten Oberschenkelknochen abgebildet. Der Schädel stellt die Gebeine von Adam, dem ersten Menschen dar. Laut apokryphen Schriften sollen durch das Erdbeben, das beim Tode Christi einsetzte, die Gebeine des "alten Adam" am Fuße des Kreuzes Christi zutage getreten sein. Der Schädel Adams findet sich deshalb in der christlichen Kunst häufig am Fuße von Kruzifixen. Die Apokryphen berichten weiter, dass Noah durch seinen Sohn Sem und seinen Enkel Melchisedek die Gebeine Adams aus der Bestattungshöhle hatte holen und zum Mittelpunkt der Welt, nach Golgatha, bringen lassen, um sie dort erneut zu begraben. Dabei soll sich die
    Erde von selbst in Form eines Kreuzes geöffnet haben. Nach der Typologie, der Lehre der Gegenüberstellung des NT (Antitypus) und des AT (Typus), bedeutet diese Darstellung der Gebeine Adams unterhalb des Kreuzes auch die Überwindung des Alten Bundes durch den Neuen Bund.
  Unter dem Kanzelkreuz steht eine Figur der Schmerzhaften Muttergottes (Mater dolorosa) aus der gleichen Zeit. In der Brust Mariens steckt ein Schwert. Die Hände sind über der Brust gekreuzt.
Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
An der Südseite des Kirchenschiffs ist eine bewegte Figur des hl. Josef angebracht. Sie wurde um 1890 im barocken Stil geschnitzt. Josef hält eine Lilie in der Hand.
Hinweis: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.
Die Figur des hl. Nikolaus stammt dagegen aus dem Frührokoko (um 1720). Nikloaus ist in das Gewand eines Bischofs gekleidet. In seiner linken Hand hält er die Bibel, auf der drei Goldkugeln liegen.
Hinweis: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Eine weit verbreitete Legende erzählt, Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste.
An der Nordseite des Kirchenschiffs steht eine hochbarocke Figur der Muttergottes mit bekleidetem Kind auf dem rechten Arm in Art der Patronin Bavariae aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. Maria trägt eine Krone auf dem Haupt und hält ein Zepter in der Hand. Das Jesuskind auf dem anderen Arm segnet den Betrachter und umgreift mit seiner Linken die dritte köngliche Insignie, den Reichsapfel.
Weiter westlich ist eine Figur des hl. Johannes Nepomuk angebracht, die wiederum aus dem Frührokoko (um 1750) stammt. Der Heilige hält ein Kruzifix in der einen Hand und einen Märtyrerpalmzweig in der anderen. Um sein Haupt ein Kranz von fünf Sternen.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim  König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als moderner Heiliger häufig abgebildet worden.

 


Beichtstuhl

Unter der Empore steht der zweiteiliger, sehr funktional aussehender Beichtstuhl. Einziger Schmuck sind Profilleisten und das hervorkragende Gesims.

Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls.
  Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Empore
Die sehr tiefe Empore stammt aus der Zeit um 1891. Sie ruht auf vier Gusseisen-Säulen mit vergoldeten Kapitellen im korinthischen Stil. Der reiche Neurokoko-Stuck an der Unterseite der Empore wurde von Leander Weipert, München 1890, gefertigt
An der Brüstung sind ganzfigurige Apostelgemälde (Öl auf Holz, je 1 Quadratmeter groß) wohl noch aus der ersten Hälfte des 18. Jh (andere Quelle: 17.Jh.) zu sehen: Die Apostel sind auf sechs der Bilder mit ihren Attributen paarweise dargestellt; in der Mitte hängt ein Bild von Jesus und den den Pharisäern, die ihn fragen, ob man dem Kaiser Steuern zahlen dürfe (siehe Mt 22, 17 oder Mk 12, 14).
J.Thaddäus + Simon
Philippus + Jakobus d.J.
Petrus + Paulus
Christus
Johannes + Jakobus d.Ä.
Andreas + Bartholomäus
Thomas + Matthias

Judas Thaddäus (mit einer Keule) ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat.. Judas Thaddäus wird im Neuen Testament nur einmal erwähnt (Joh 14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare. Später wirkte Judas in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.
Simon (mit Säge) trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer" - weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (Mk 3, 18); besondere Erwähnung findet er hier sonst nicht. Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien und Persien und erlitt dort durch Zersägen seines Körpers den Martertod.

Philippus (mit einem Kreuzstab). Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus in Bethsaida zum Jünger berufen. Er wird mehrmals in der Bibel erwähnt (bei Brotvermehrung-Joh 6, 5-7 und Abendmahl-Joh 14, 8-9).Nach der Legende predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Deshalb wird er mit einem Kreuzstab dargestellt. Simon (mit einer Säge). Jakobus d.Jüngere (mit Walkerstange). In der kirchlichen Tradition werden die Lebensdaten von zwei Heiligen mit Namen Jakobus zu einer Vita vermischt. Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus war Apostel. Über seinen weiteren Werdegang nach Christi Himmelfahrt ist nichts bekannt. Vielleicht war das der Grund, ihm das Martyrium zuzuschreiben, das Jakobus, der "Bruder des Herrn" und spätere Bischof von Jerusalem erleiden musste. Der wurde im Jahr 62 von der Mauer Jerusalems gestürzt und mit einer Walkerstange (für die Filz-Herstellung) erschlagen.

Petrus (mit den Himmelsschlüsseln).
Paulus (mit Schwert) verfolgte zunächst mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er durch eine Erscheinung Christi bekehrt und war danach einer der eifrigsten Missionare. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Ihm wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.

Johannes (mit einem Kelch). Auf den Lieblingsjünger Jesu soll ein Giftanschlag verübt worden sein. Dabei sei das Gift in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, sodass Johannes überlebte.
Jakobus d.Ältere
(mit Pilgerstab u.Muschelpailletten). Jakobus war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. Die Wallfahrt zum Apostelgrab in Santiago de Compostela wurde eine der größten des Abendlandes. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war.

Andreas (mit Andreaskreuz) war der Bruder des Petrus, wie dieser von Beruf Fischer (Joh 1, 14) . Er wurde vom röm.Statthalter Ägeas an ein X-förmiges Kreuz gebunden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb. Bartholomäus (mit Messer) wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er meist mit einem Messer dargestellt.

Thomas (mit Spieß). Thomas, der der Legende nach Zwillingsbruder Jesu sein soll, wurde berühmt durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein Herr und mein Gott!". Später hat er in Indien missioniert. In Madras wurde er von feindlich Gesinnten mit einer Lanze ermordet. Die Thomas-Christen in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.
Matthias
(mit Beil) kam als Nachrücker für Judas Ischariot ins Apostelkollegium (Apo 1, 28). Das Beil deutet auf seinen Tod durch Enthaupten (um das Jahr 63) hin.

Orgel

Die von Anton Staller aus Grafing erbaute Orgel in siebenteiligem, Prospekt in barocken Formen stammt aus dem Jahr 1994. Es besitzt einschl. des Pedals 23 Register mit insg. mehr als 1000 Pfeifen.
Die Vorgängerorgeln waren 1890 von Martin Binder aus Pfaffenhofen und Willibald Siemann (1 Manual, neuen Register) und 1747 (mit 6 Registern) in die Kirche eingebaut worden. Darüber das Deckenfresko mit der Orgel spielenden hl. Cäcilia (Patronin der Kirchenmusik).
  Hinweis: Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen aus Holz oder Metall, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Die Pfeifen sind verschieden groß. Die kleinsten Metallpfeifen sind rd. sechs Zentimeter lang, während manche Holzpfeifen mehrere Meter hoch sein können. Die verschiedenen Register fassen bestimmte Pfeifen zusammen und erzeugen verschiedene Klangfarben (z.B. Flöten, Hörner). Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.
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Hans Schertl

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Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
Heimatbuch des Landkreises Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (30jähriger Krieg)
>Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichts Kranzberg, Amperland 1987/4
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
Ansgar Hense / Florian Sepp, Patronatsrecht (19./20. Jahrhundert), in: Historisches Lexikon Bayerns
74 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

3.7.2010