zur Landkreiskarte
ausführl.Beschreibung Kirchen
i.d.Gem.Bergkirchen
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Filialkirche St. Urban in PALSWEIS
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Der Ort Palsweis wurde erstmals 1172 als Paldenneswis (Dorf des Paldo) erwähnt. Eine Kirche wird in der Konradinischen Matrikel von 1315 unter dem Ortsnamen "Pallenswis" beschrieben. Sie war schon damals eine Filiale der Pfarrei Einsbach. Die Kirche St.Urban in Palsweis ist ein spätromanischer Backsteinbau mit wuchtigem Sattelturm. Es gilt mit Recht als das schönste Beispiel einer romanischen Dorfkirche im ganzen Landkreis.
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Um 1693 wurde die Kirche barock umgestaltet; die Altäre wurden um 1710 eingebaut.
Hinter dem Beichtstuhl im Chorraum ist ein geheimer Gang entdeckt worden, der in der Turmwand verläuft.
Inneneinrichtung|
Das flach gedeckte, lichtdurchflutete Schiff ist durch einen 1,20 Meter starken Chorbogen vom Altarraum im Turmuntergeschoss getrennt. Die Altäre sind in spätbarockem
Stil gearbeitet. Der linke Altar ist ein Marienaltar. Die Figur der Gottesmutter Maria (mit Jesuskind auf dem Arm und Szepter in der Hand) steht auf einer Mondsichel. Im Auszug eine schmerzhafte Muttergottes. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Andreas (mit dem nach ihm benannten x-förmigen Kreuz) gewidmet. Im Aufsatzbild wird wiederum Gottvater dargestellt. Der Altar musste 1975 nach einem Schwelbrand erneuert werden. In den vier Fenstern des Kirchenschiffes befinden sich acht Glasgemälde aus dem Jahr 1936. Sie wurden von Gläubigen der Filiale gestiftet und vom Dachauer Glasmaler Syrius Eberle ausgeführt. |
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Unter der Empore steht ein schön geschnitzter Opferstock mit der Jahreszahl "1693".In diesem Jahr wurde die Kirche barockisiert.
Der Figurenschmuck außerhalb der Altäre ist rar. An den Wänden ist lediglich ein Holzkruzifix (1600) mit einer darunter stehenden Mater dolorosa (19.Jh) angebracht.
Die Orgel mit dem spätklassizistischen Prospekt stammt aus dem Jahr 1976 und wurde vom Orgelbauer Günter Ismayr (1 Manual, 6 Register, mechanische Schleiflade) errichtet.
Das Patronat des hl.Urban, des Patrons der Winzer, ist in unserer Gegend sehr ungewöhnlich. Eine Deutung wäre, dass früher an den Südhängen der Endmoräne von Palsweis bis Günding Wein angebaut worden ist.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen
Wann die Kirche von Palsweis erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Doch die Bauform als Chorturmanlage (der Altarraum oder Chor ist im Erdgeschoss des Turmes eingerichtet) spricht für eine Entstehungszeit in der Spätromanik. Chorturmanlagen sind auch in benachbarten Kirchen wie Einsbach und Wiedenzhausen zu finden; sie waren für die Zeit des 13./14.Jh typisch. Auch die Gliederung der Turms deutet auf eine Entstehung um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert hin.
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Der wuchtige Turm, der im Vergleich zum Langhaus massig und überdimensioniert erscheint, erinnert an mittelalterliche Wehrkirchen, in die sich die Bevölkerung bei feindlichen Angriffen zurückgezogen hat. Tatsächlich hat der Palsweiser Turm über dem Chorgewölbe ein geräumiges Geschoss, das als Fluchtraum dienen konnte. Zudem ist hinter dem Beichtstuhl im Chorraum ein geheimer Gang entdeckt worden, der in der Turmwand verläuft. Vielleicht steht er im Zusammenhang mit anderen in der Gegend gefundenen unterirdischen Gängen und Gewölben. Bereits vor Jahrzehnten fand sich in Palsweis an der Rückseite des Hauses Nr. 9 ein Gang, den man aber nicht weiter verfolgte. Der große Turm könnte aber auch nur als Speicher gedient haben. Das Kloster Scheyern hatte 1231 von Herzog Otto II größere Grundflächen geschenkt bekommen. Die Bauern mussten wohl regelmäßig einen bestimmter Anteil der Ernte abliefern, der bis zum Abgabetermin irgendwo zu lagern war. Vielleicht war der Turm mit seinem Obergeschoss eine Art Speicher, an den dann ein Langhaus angebaut wurde, sodass Palsweis eine Kirche bekam. Vielleicht bauten die Palsweiser für die Scheyerer auch Wein an. Auf den sonnigen Südhängen von Palsweis bis Günding wäre das durchaus möglich gewesen. Es würde auch erklären, warum die Kirche ihren Namen ausgerechnet vom hl. Urban hat, dem Patron der Winzer, der in unserer Gegend sehr selten, in Weingegenden aber sehr häufig als Kirchenpatron zu finden ist. |
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Patronat
In der Sunderndorfer'schen
Matrikel
von 1524 wird erstmals das Patron der Kirche, der hl.Urban erwähnt (..
s.Urbani
in Balsweiss). Es gibt im katholischen Heiligenkalender sechs verschiedene heilige
Urban. Drei davon werden mit Weintrauben dargestellt:
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Der bekannteste Urban ist der Schüler des hl.Gallus, der im 7.Jh lebte und Patron der Winzer geworden ist. Er soll den Weinbau gelehrt haben. Nach der Legende errichtete er ein Kreuz, um das sich eine Weinrebe schlang. In der fränkischen Weingegend ist er ein häufiger Patron (Fest am 25.Mai) | |||
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Daneben gibt es noch den heiligen Urban von Langres, den Bischof, der im 5.Jh. in Frankreich lebte und der den Weinbau förderte und der häufig mit dem Urban aus dem 6.Jh gleichgesetzt wird. Beide haben die Weintraube als typisches Attribut (Fest am 2.April). | |||
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Nichts mit dem Weinbau zu tun hatte der heilige Papst St.Urban I., der um das Jahr 222 die Kirche regierte und unter Kaiser Severius das Martyrium erlitten haben soll, weil er sich weigerte, heidnischen Göttern Weihrauch zu streuen. Dieser Papst ist durch seine Anordnung bekannt geworden, dass der Kelch beim Abendmahl stets aus Silber oder Gold sein müsse. Aufgrund der Vermischung mit den beiden vorgenannten Heiligen Urban wird auch Papst Urban I. als Patron der Weinstöcke und Winzer angesehen (Fest am 19.Mai). |
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Welcher Urban ist nun der Patron von Palsweis
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Interessant ist ein Hinweis in der Schmidtschen Matrikel von 1738/40, in der
als Patron vom Märtyrer Papst Urban (s.Urbani pontificis martyris) die
Rede ist. Das bedeutet, dass jedenfalls 1738 der Papst Urban I. als Patron angesehen
wurde. Sein Fest wird am 19.Mai gefeiert. Auch die Figur am Hochaltar stellt
den Papst Urban dar, zu erkennen an der Tiara und dem Papstkreuz mit den drei
Querbalken. Diese drei Querbalken symbolisieren die drei päpstlichen Gewalten:
die Priester-, Hirten- und Lehrgewalt.
Konradinische
Matrikel 1315
Erstmals schriftlich erwähnt wird die Kirche in Palsweis in der Konradinischen
Matrikel von 1315 als Filiale der Pfarrei Einsbach ("Pallenswis
cum sepulturis") erwähnt. Ein Friedhof war zur damaligen Zeit ein
Ausweis für eine gewisse Bedeutung der Kirche und der Ortschaft.
Barockisierung um 1690
Der Dreißigjährige Krieg wütete in der Gegend des südlichen
Landkreises Dachau besonders stark. Viele Menschen und Gebäude fielen ihm
zum Opfer. Ob die Kirche in Palsweis stark in Mitleidenschaft gezogen worden
war, ist mir nicht bekannt. Doch am Ende des 17. Jh. , eine Generation
nach dem Krieg, wurde eine größere Baumaßnahme durchgeführt.
Die Kirche wurde barock umgestaltet. Dabei hat man Fenster im Sinne des damaligen
Raumempfindens erheblich vergrößert; an der Ostseite des Turms die
Sakristei angebaut und den alten Sakristeieingang durch einen Beichtstuhl verstellt.
Im Chorraum wurde ein Gewölbe eingezogen. Auch der Opferstock am Eingang
mit der Jahreszahl "1693" stammt aus dieser Zeit.
Im Zuge dieser Umgestaltung erhielt die Kirche offenbar auch drei neue Altäre, deren Weihedatum der 7. Juli 1710 war. Vielleicht wurden sie vom Fürstbischof Johann Franz v.Eckher von Kapfing benediziert. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz Eckher nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.
| In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Urbani in Palsweis" bemerkte er, die Kirche sei ein altes Bauwerk und enthalte drei Altäre: Der Hochaltar sei dem Märtyrer Urban, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem Apostel Andreas geweiht war. Gottesdienste fanden hier jeden dritten Sonntag (abwechselnd mit Überacker und Wiedenzhausen), an Lichtmeß, an den Festen der Apostel und anderer Heiliger (abwechselnd mit Überacker), am Kirchweihfest (Sonntag vor Marä Geburt- 8.Sept), am Patrozinium (19.Mai) statt. Außerdem gab es eine wöchentliche Messe aufgrund der Stiftung eines unbekannten Wohltäters aus Orthofen. Der Pfarrer erhielt aus dieser Stiftung "zwey Schäffel Korn, 2 Schäffl Haaber, 50 Ayr und 4 Hüendl". In der Sakristei wurden genügend Messgewänder aufbewahrt. Im Friedhof stand ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. |
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Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche
von Palsweis als Filiale von Einsbach erwähnt. Zu ihr gehörten 114
Dorfbewohner (Seelen), die in 18 Häusern wohnten. Mayer bemerkt über
die Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt. Ursprünglich vorgothisch, Anbau
stillos. Geräumigkeit beschränkt. Sattel-Thurm mit 2 Glocken; 1 ohne
Jahreszahl, 1 von Hubinger in München 1859. 3 Altäre, Orgel. Gottesdienste:
Jeden 3.Sonntag abwechselnd mit Lauterbach und Ueberacker sowie am Neujahrstag,
Lichtmeß, Ostersonntag und Patrocinium. Stiftungen: 3 Jahrtage, 18 Jahrmessen
und 8 Quatembermessen (Quatembertage
sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag,
Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag).
Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer von Einspach. Kirchenvermögen:
6100 Gulden.
1910 wurden drei neue Glocken angeschafft sowie eine neue Orgel und -unter Verwendung der alten Ornamente- ein neues Orgelgehäuse.
1939 wurde die Kirche innen restauriert, 1969 außen. Dabei erhielt sie auch eine neue Eingangstür, ein neues Pflaster und ein neues Gestühl (unter Wiederverwendung der alten Rokokowangen.).
Bis in die 60er Jahre gab es ein Storchennest auf dem Kirchturm. Leider gelang die erneute Ansiedlung eines Storches nicht mehr.
Am 1.4.1975 gab es dann leider
einen Schwelbrand in der Kirche, der den rechten Seitenaltar völlig
zerstörte. Der Brand beschädigte
auch die übrige Ausstattung erheblich und machte das Orgelwerk unbrauchbar.
Alle Einrichtungsgegenstände und Bildwerke wurden gereinigt und neu gefasst.
Baubeschreibung
Das massige Gotteshaus steht wie
eine Burg am südöstlichen Ende des Dorfes, am Rande der Hügelkette
mit weitem Blick über das Alpenvorland. Es ist von einem Friedhof umgeben.
Das geräumige Kirchenschiff ist 8,50 Meter lang und 6 Meter breit; der durch
einen 1,20 Meter starken Chorbogen getrennte Altarraum misst 5 mal 5 Meter.
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Bei der Kirche handelt es
sich um eine sogenannte Chorturmanlage, denn der Turm ist über
dem erst im 17. Jh. eingewölbten Chor (Altarraum) erbaut. Das bis
zu 130 cm dicke Mauerwerk der Anlage ist aus Backstein und zum Teil zweischalig
konstruiert. Das Schiff ist durch kräftige, 18 Zentimeter vertiefte Rechteckblenden
gegliedert, die nach oben hin mit einem sorgfältig gearbeiteten Rundbogenfries
schließen. Die Außenfassade des Turms ist reich gegliedert
(siehe Bild links) |
In der Glockenstube hängen in einem alten Glockenstuhl drei Glocken, eine 1910 von Ulrich Kortler aus München gegossen, die beiden anderen 1950 bei Karl Czudnochowsky in Erding.
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Der Eingang zur Kirche liegt an
der Südwestseite. Die östlich an den Chorturm angebaute Sakristei mit Pultdach (siehe Bild rechts) dürfte um 1700 entstanden sein. Drei Rundfenster geben dem Raum Helligkeit. |
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| Südwestlich am Turm kleiner
Karneranbau, der durch ein Holzgitter geschützt wird. Dahinter sind keine Totenschädel mehr aufbewahrt. Hier stehen vielmehr zwei Blechtafeln mit den Maßen 60 x 40 cm, auf die jeweils zwei "Arme Seelen in den Flammen des Fegefeuers" aufgemalt sind. Links zwei Frauen, rechts zwei Männer. Sie können die Tafeln anschauen, wenn Sie auf das Gitter-Bild links klicken. |
Innenausstattung
Der eingezogene Chor/Altarraum liegt, wie erwähnt, im Erdgeschoss des Turms und hat der gleichen quadratischen Grundriss wie der Turm. Überdeckt wird er mit einem Kreuzgratgewölbe, das sich auf Eckkonsolen gründet. Die Decke ist mit barocker Rahmenfelderung stuckiert.
Der Hochaltar stammt aus der Barockzeit. Er wurde am 7.7.1710 geweiht. Das Retabel, der Altaraufbau, ist dreiteilig. Das Holz ist marmoriert (d.h. mit Marmormuster bemalt). Vier Wendelsäulen tragen ein vorkragendes Gebälk mit dem geschweiftem Altarauszug/Altaraufsatz. Das Antependium, die Verblendung der Vorderseite des Altarblocks, besteht aus marmoriertem Holz und ist mit Ornamenten vergoldet.
| Hinweise: St.Urban wird
als Schüler des Gallus genannt. Er soll im 7. Jahrhundert bei Heilbronn
am Neckar gepredigt und den Weinbau gelehrt haben. Nach der Legende errichtete
er ein Kreuz, um das sich eine Weinrebe schlang. Nach der Legende war Sebastian im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- und als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete, wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer und Patron für 30 Krankheiten (z.B.Veitstanz). Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete. |
Der fast einen Meter große Tabernakel wurde 1883 im neubarocken Stil erstellt. Er besteht aus blau-grau marmoriertem Holz. Der originale Tabernakel befindet sich angeblich in der Einsbacher Kirche.
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Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
Im reich geschmückten Altarauszug ist zwischen zwei kleinen Engeln Gottvater als Halbskulptur zu sehen (um 1710).
| Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht. |
In die Stirnseite des Altarraums ist ein zweiteiliger Beichtstuhl eingelassen. Er ist in neubarockem Stil gearbeitet und stammt wohl aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Hinter dem Beichtstuhl befindet sich der Eingang zu einem geheimen Gang.
Vom Chorbogen hängt eine neuromanische Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900. Sie besteht aus versilbertem Messingblech und ist mit getriebenen Ornamenten verziert.
| Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen. | ||
Der Zelebrationsaltar einfacher Tisch. Er wurde um 1970 aufgestellt. Das Altarkreuz stammt wohl noch aus dem 18. Jh.
| Hinweis: Der Zelebrationsaltar ist eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. In der Anfangszeit des Christentums konnte zur Eucharistiefeier zunächst jeder beliebige Tisch dienen, doch bereits im 4. Jahrhundert wurde ein fester Altar in die Kirchen eingebaut. Er war frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. |
Das Langhaus ist flach gedeckt. Um die Decke zieht sich eine schmale Hohlkehle.
Die Seitenaltäre sind im spätbarocken Stil gearbeitet. Sie haben einen viersäuligen Aufbau, die ein verkröpftes Gebälk mit Vasenaufsätzen und Altaraufsatz tragen.
| Der linke Seitenaltar stammt aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Mittelpunkt ist eine Madonnenfigur auf einer Mondsichel mit dem Zepter in der rechten Hand und dem Jesuskind auf dem linken Arm. Jesus trägt die Weltkugel und hebt segnend seine rechte Hand. Im Auszug eine schmerzhafte Muttergottes (1975 nach altem Vorbild gemalt). |
| Der rechte Seitenaltar, der dem der hl. Andreas geweiht ist, wurde am 1.4.1975 durch einen Schwelbrand in der Kirche völlig zerstörte. Er wurde inzwischen nach dem Vorbild des linken Altars wieder rekonstruiert. Auf ihm steht eine Figur des hl. Andreas mit dem nach ihm benannten x-förmigen Kreuz (verbrannte Figur aus der Zeit um 1700). Im Auszugsbild ist Gottvater mit dreieckigem Heiligenschein und Szepter darstellt; das Bild wurde nach dem Brand 1975 neu gemalt. |
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An der rechten Wand ist seit einiger Zeit wieder die Kanzel angebracht. Sie besteht nur (noch) aus dem Kanzelkorb ohne Schalldeckel. Der Korb ist durch Säulchen in fünf Nischen getrennt. Darin sind Ölgemälde von Jesus und den vier Evangelisten mit ihren Attributen zu sehen. Matthäus mit einem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukasmit dem Stier und Johannes mit dem Adler. |
![]() 5 Details (Figuren,Orgel,Opferstock) per Mouseklick vergrößern |
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| Die 14 Kreuzwegstationen
im Rokokostil sind an den Wänden des Kirchenschiffs, insbesondere unter
der Empore, aufgehängt. Die 56 x 40,2 cm großen Bilder sind mit
Ölfarbe auf Holzuntergrund gemalt. Eine Zusammenfassung der unterschiedlichen Formen von Kreuzwegbildern in den Kirchen des Dachauer Landes können Sie hier sehen.... |
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Apostelleuchter /Apostelkreuze An der Emporenbrüstung und an den hinteren Wänden des Kirchenschiffs sind auch die Apostelleuchter mit den Apostelkreuzen als Hintergrund angebracht, die früher an den Festtagen angezündet wurden . Die kunstvoll gearbeiteten Leuchter sind vergoldet. Die Apostelkreuze sind an die Wand gemalt. Die Kreuze mit dreipassförmigen Balkendenen sind von einem Blätterkranz umgeben. |
| Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. |
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Das Laiengestühl
besteht aus neun bzw. sechs Reihen beidseits des Mittelganges. Die Bänke
sind mit Rokokowangen verziert; sie dürften noch aus der Erbauungszeit
des Langhauses stammen. |
Vortragekreuz
An der hinteren Kirchenbank ist ein Vortragekreuz befestigt, das wohl vor allem bei Beerdigungen verwendet wird. Darauf deutet der geschnitzte Totenschädel zwischen der Stange und dem Kreuz hin.
| Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. |
In den vier Fenstern des Kirchenschiffes befinden
sich acht Glasgemälde aus dem Jahr 1936. Sie wurden von Gläubigen der
Filiale gestiftet und vom Dachauer Glasmaler Syrius
Eberle ausgeführt.
Die Gemälde stellen folgende Heilige bzw. folgende Szenen dar:
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- den hl.
Leonhard, mit Ketten in der Hand und Tieren im Hintergrund (gestiftet
von Benedikt und Georg Groß). |
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| - die hl.
Notburga, die einen Krug in der Hand hält und die Sichel in
die Luft wirft (gest.v. Josef Hicker und Sebastian Ruber). Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. |
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| - die hl.
Theresia vom Kinde Jesu, als blumenbekränzte Nonne mit einem
Kreuz in der Hand; Engel tragen ihren Umhang (gestiftet von Katharina Heigl). Hinweis: Thérèse von Lisieux lebte von 1873 bis 1897 als Nonne in Frankreich. Nach Eingebungen und Visionen folgte sie dem - wie sie sagte - „kleinen Weg“ einer innigen und zugleich kindlichen Hingabe an Gott: Gott in Jesus über alles lieben und in der Liebe zu Menschen Gott erfahren: das war der Kern ihrer Frömmigkeit. |
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| - den Bruder
Konrad, der Kinder segnet (gestiftet von Familie Loder). Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. |
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- die Geburt
Jesu (gestiftet von Sophie Brandstetter). Syrius Eberle hat Bilder von der Geburt Christi in fast identischer Form auch für die Kirchen von Arnbach, Odelzhausen und Westerndorf zu gemalt. |
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| - Jesus
als Kinderfreund (gestiftet von Rosina Groß) Text unter dem Bild: "Lasset die Kinder zu mir kommen" (Mtth 19,14). |
| - zwei Kriegergedächtnisbilder
(gestiftet von der Gemeinde) Das linke Bild zeigt Christus, der einem Sterbenden beisteht und mit der Hand in den Himmel weist. Das rechte Bild zeigt die Heimkehr eines Soldaten, der vor dem Dorf am Wegkreuz von seiner Familie, seiner Frau und seinem Kind, begrüßt wird. |
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An der Emporentreppe ist ein
alter Opferstock angebracht.
Auf dem geschnitztem
Sockel ist die Jahreszahl 1693 eingraviert. Der
72 cm hohe Stock ist mit drei Schlössern gesichert. |
| Das Orgelwerk wurde ein Jahr nach dem Brand von 1975 vom Bernrieder Orgelbauer Günter Ismayr (ein Manual, sechs Register, mechanische Schleiflade) aufgestellt; das alte spätklassizistische Orgelgehäuse aus der 1.Hälfte des 19.Jh. wurde damals restauriert und neu gefasst. Das Gehäuse besitzt einen fünfteiligen, flachfeldrigen Prospekt, der mit geschnitztem Schleierdekor versehen ist. |
Die kleine Vorgängerorgel (mit einem Manual und vier Registern) war von Willibald Siemann, Mch, im Jahr 1911 eingebaut worden. Wenn Sie sich auch für andere Orgeln in den Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier... |
Im Zuge der Wandrestaurierung kamen mittelalterliche
Fresken zum Vorschein, die aber wieder übertüncht wurden.
Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Palsweis Reste
eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern
steht. Mehr über Schrazllöcher...
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger,
Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer,
Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau,
Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern,
1978
Alois Angerpointner,
Orts-und Vereinschronik Lauterbach/Palsweis, 1984
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Maria Thanbichler in der Schriftenreihe, "Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen"
34 Bilder: Hans Schertl (2002)
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30.4.2010