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Filialkirche Heilig Geist in MITTERMARBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Navi-Adresse: 85238 Petershausen, Ortsstraße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Beschreibung

Die Ortschaft "Marbach" wurde schon um das Jahr 900 erstmals erwähnt (als Marchinpah).
Eine erste Kirche hat hier schon um 1300 gestanden. Sie wird in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Filialkirche von Hohenkammer "Marbach cum sepulturis" -mit Friedhof- genannt. Nach alten Überlieferungen soll vorher sogar der Pfarrsitz in Mittermarbach gelegen haben. Dies ist auch der Grund dafür, dass in Mittermarbach am Hl.Abend eine Christmette gefeiert wird.

Wie so viele Kirchen in unserem Landkreis dürfte sie in gotischer Zeit neu erbaut und in der Barock-zeit (17.Jh.) umgestaltet worden sein. Der Chor schließt rechteckig und ist eingezogen. Die äußere Südwand des Langhauses schmückt ein schönes Rundbogenblendfries.

Heilig-Geist-Loch im Langhaus

An der Südseite steht ein wuchtiger, quadratischer Sattelturm mit Strebepfeilern seiner Basis. Er dürfte aufgrund seiner Lage erst nach 1450 -möglicherweise im Zusammenhang mit einem gotischen Kirchenneubau- errichtet worden sein. Die Strebepfeiler wurden notwendig, weil der Turm sich etwas nach Süden neigt. Die beiden Glocken wurden von Rudolf Perner, Passau, 1983 gegossen. Die eine trägt die Abbildung einer Heiliggeisttaube und den Text: "Gib uns Frieden, Herr", und die zweite zeigt ein Kreuzrelief und die Worte: Im Kreuz ist Heil". Oberhalb der Strebepfeiler ist eine Sonnenuhr angebracht.

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Hohenkammer ist auch die Filialkirche "St.Spiritus in Mittermarpach" kurz erwähnt. Mit einem eigenem Einkommen (neben dem der Pfarrei) von jährlich 7 Gulden 3 Schilling und 15 Pfennig sowie einem Pfund Wachs gehörte sie aber zu den ärmeren Kirchen ("ist arm"). Die Kirchenrechnung wurde vom Landgericht Kranzberg, dem Pfarrer und dem örtlichen Kirchenkassier aufgestellt ("Rechnung nimbt auf gericht Crantsperg sambt pfarrer und zechpröbsten"). In der Kirche stand ein Sakramentshaus mit "ewigem Licht" ("Sacramentsheusl ist nit wol beschlossen, wirt aber ziemblich beleucht bei tag und nacht"). Ein Sakramentshaus war der Hinweis auf die katholische Ausrichtung der Kirchengemeinde. Anders als die heiligen Öle war aber das Allerheiligste liturgisch nicht rein aufbewahrt. Das Taufwasser befand sich in einem Krug ("Baptismus ist in aim kruegl"). Mit dem Gottesdienst war man zufrieden ("Wirt aller gottsdinst wie bei der pfarrkirchen verrichten"). An Gerätschaften waren vorhanden: 2 Kelche, davon einer von Kupfer ("hat 2 kelch, ainer kupferin") mit Corporale, 2 Messbücher, ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Psalmenbuch und drei Messgewänder ("dreu meßgewandt"). Der Bauzustand der Kirche wird unterschiedlich angegeben: Der Kirchenverwalter hatte bei der Befragung erklärt, d
ie Kirche und das eigene Meßnerhaus befänden sich in gutem baulichem Zustand ("Mesenhauß ist sambt dem gotshauß bei guetem paw"). Die Inaugenscheinnahme des Visitators ergab aber die Bemerkung: "Kirchen ist paufellig. Sonst kain mangel".

Die Kirche in Mittermarbach ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. In Mittermarbach lebten 74 Gläubige in 13 Häusern; zu der Filialkirche gehörten auch 89 Gläubige in Untermarbach. Zur Kirche zum Heiligen Geist schreibt er: "Scheint sehr alte Kirche und geht die Sage, daß früher hier der Pfarrsitz gewesen. Jedenfalls wäre dieß vor dem 14.Jahrhundert anzunehmen, da die Conradinische Matrikel (=von 1315) nichts hievon erwähnt. Die Kirche gehört der vorgothischen Bauperiode an, wurde aber später stillosen Veränderungen unterworfen. Geräumigkeit hinreichend. Sattel-Thurm mit 2 Glocken. Patrocinium an Pfingsten. 3 Altäre. Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste an Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Allerseelen und jeden 3.Sonntag abwechselnd mit Egelhausen und Schlips. Die Bauern (in Mittermarbach) wollen eine Weihnachtsmesse weil es früher Pfarrkirche gewesen. Stiftungen: 27 Jahrmessen, 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag), 10 Requiem, 6 Libera). Cemeterium (Friedhof) ohne Capelle. Meßner: ein Gütler, Cantor der Lehrer".
Das Vermögen betrug 1870: rd. 9500 Gulden.

1870/71 verlängerte Joseph Patsch das Kirchenschiff um ein Joch und ergänzte an der Ostseite die Sakristei. Die letzte umfangreiche Renovierung wurde 1980-83 durchgeführt.

Innnenausstattung

Die Hl-Geist-Kirche ist ein vierjochiger Saalbau. Den eingezogenen Rechteckchor überdeckt ein barockisiertes Kreuzgewölbe.

Der barocke Hochaltar , dessen beide Säulen mit Engelsköpfen und Fruchtgehängen verziert sind, wurde in der Zeit um 1665 gefertigt und im Jahr 1666 von Johann Schreiber aus Freising gefasst.
Das Gemälde mit der Darstellung der Beweinung Christi schuf 1670 ein namentlich nicht bekannter Maler aus München; es war ursprünglich als Vesperbild für einen Seitenaltar in der Pfarrkirche Hohenkammer bestimmt.
Im Auszug schwebt eine Heiliggeisttaube, begleitet von zwei sie verehrenden Engeln.

Langhaus

Das Kirchenschiff ist flach gedeckt. Die Decke ist nicht bemalt. In der Nähe des Chorbogens ist das sog. Heilig-Geist-Loch (Bild siehe oben) angebracht, aus dem früher an Pfingsten eine Holztaube herabgelassen wurde, als handfestes Sinnbild für das Pfingstwunder. linker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung der Ansicht bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klicken

Die quer gestellten, spätbarocken Seitenaltäre aus dem Jahr 1720 sind Gemeinschaftswerke des Kistlers Andreas Ströber aus Kranzberg des Bildhauers Franz Anton Mallet aus Freising und des Fassmalers Thaddäus Karpf, ebenfalls aus Kranzberg, die im gleichen Jahr auch den Choraltar in Oberhausen erstellt haben.
  Hinweis: Die Bezeichnung Fassmaler hat nichts mit Fässern zu tun; Fassmalerei ist vielmehr das farbige "Fassen" = Bemalen bzw. Vergolden von Stein- und Holzplastiken, um sie zu schmücken und zu konservieren. Das Holz wird vor dem Fassen mit Gips- oder Kreidegrundierung oder mit Leinwand überzogen, gelegentlich auch direkt mit Ölfarbe bemalt. Bis zum Beginn der Spätgotik wurden die Skulpturen von den Bildhauern meist selbst gefasst. Später, bis einschließlich des Rokoko, waren spezielle Fassmaler tätig. Danach übernahmen wieder die Bildhauer das Fassen. Die Fassmaler waren hochgeachtete Künstler. Aus alten Rechnungen ist zu ersehen, dass sie höhere Beträge erhielten als die Bildhauer; der Grund dafür dürfte  aber auch auf das von den Fassmalern zugekaufte, oft kostspielige Material zurückzuführen sein.

Der linken Seitenaltar ist dem hl. Antonius, der rechte dem hl. Leonhard geweiht.

Das Laiengestühl wurde 1731 und 1741 durch Johann Müller, Kistler in Hohenkammer, erneuert. Dabei schuf er neue Stuhlwangen.

Die Kreuzwegstationen wurden 1823 beschafft.

Die Apostelkreuze und die daran angebrachten Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. An den Apostelkreuzen wurde die Kirche bei ihrer Weihe mit Chrisam gesalbt. Am Kirchweihfest oder bei anderen hohen Festen werden die Apostelkerzen angezündet.
Die Apostelkreuze sind von alters her von einem Kreis umgeben (Nimbuskreuz). In der Barockzeit hat man diesen Kreis -wie hier in Mittermarbach- als Lorbeerkranz mit Schleifchen gestaltet. Die Kreuzesarme sind aus Lilienblüten gebildet. Lilie und Kreuz standen für Schöpfung und Erlösung.

Die Empore wurde im Jahr 1711 im eingezogenen Westanbau errichtet.

Die Orgel  aus der Zeit um 1860  besitzt einen in die Brüstung eingebauten dreiteiligen Prospekt mit niedrigerem Mittelteil, der in spätklassizistischem Stil gehalten und  mit erneuerten Ornamenten verziert ist. 1972 wurde die Orgel von der Fa. Guido Nenninger, Mch, überarbeitet.   

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr. Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Max Gruber, Kistler, Schreiner und Drechsler aus dem Amperland, Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Schnell-Kunstführer, Kirchen der Pfarrei Hohenkammer, 1981
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichtes Kranzberg, Amperland 1987/2
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dr. Georg Brenninger in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
4 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

6.3.2009