zur
Landkreiskarte ausführliche
Beschreibg. Kirchen
i. d. Gem.Odelzhausen Pfarrei
Odelzhausen
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Kirche St.Peter und Paul in MIEGERSBACH
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Der Ort Miegersbach wurde urkundlich erstmals im Jahr 1159 als "Muotgeresbah" (Bach des Muotger) erwähnt. Eine Kirche wird erst in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 genannt. Patron war damals der hl.Petrus allein. Die heutige Kirche, eine Filiale der Pfarrei Odelzhausen, wurde wahrscheinlich in der 1. Hälfte des 18.Jh.erbaut, der Turm wohl etwas später (1763). Die letzte Restaurierung wurde im Jahr 1986 abgeschlossen.
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Inneneinrichtung Das Tonnengewölbe im Altarraum ist mit Symbolen für die sieben Sakramente (in Stuckrahmen) bemalt. Der barocke
Altar aus der Zeit um 1690/1700 ist dem hl.Petrus geweiht, dessen
im gotischen Stil geschnitzte Figur in der Mittelnische sitzt (im Papstornat
mit Himmelsschlüsseln in der Hand). Der korbbogenförmige Chorbogen ist an der Innenseite mit Brokatmalerei geschmückt. Die Kirche
hatte noch nie Seitenaltäre. |
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Die Kreuzwegbilder stammen aus der Zeit um 1780.
In den unteren Teil des Emporenpfeilers ist ein rustikaler Opferstock aus Holz mit schmiedeeisernen Beschlägen eingebaut (18.Jh.).
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Geschichte
Der Ort Miegersbach wurde urkundlich erstmals im Jahr 1159 als "Muotgeresbah" (Bach des Muotger) erwähnt.
Eine Kirche wird erst in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 genannt ("s.Petri in Miecherspach sine sepultura" -ohne Friedhof). Sie gehörte damals zur Pfarrei Sulzemoos. Als Kirchenpatron wird in der Matrikel -wie auch noch im 18.Jh- der hl.Petrus allein genannt. St.Paulus kam erst später hinzu.
Pfarrbeschreibung
1575
Eine Matrikel aus dem Jahr 1571 bescheibt im Landgericht Friedberg gelegene
Kirchen. Dazu zählte auch Miegersbach. In der Beschreibungt heißt
es, die Filiale Miegersbach habe ihre Begräbnisstätte in Odelzhausen.
Die Kirche werde vom Sulzemooser Pfarrer versehen, wofür er den großen
und den kleinen Zehnt erhalte. Der Pfarrer habe den Zehnt aber im letzten Jahr
um 25 Gulden verkauft. Das Widum, das Kirchengut in Miegersbach, sei an den
Mesner verpachtet. Der müsse dafür ein halbes Schaff Roggen, ein halbes
Schaff Hafer, 50 Eier und 17 Gulden abliefern. Für die Amtshandlungen erhalte
der Pfarrer bei einer Hochzeit das Mahl, bei einer Kindstaufe einen Laib Brot
(großer Bauer) oder 3 Kreuzer (kleiner Bauer). Ein Begräbnis koste
dem Bauern 2 Gulden, dem Inhaber einer Sölde 1 Gulden.
Schmidt'sche
Matrikel 1738/40
Die heutige Kirche, eine Filiale der Pfarrei Odelzhausen, wurde wohl in
der 1. Hälfte des 18.Jh.erbaut, weil in der Schmidt'schen
Matrikel
von 1738/40 von einem Neubau ("noviter reaedificata") der "Ecclesia
filialis s.Petri in Mieggerspach" die Rede ist und die Kirche noch nicht
geweiht sei. Der einzige Altar des Gotteshauses hatte den St.Petrus zum Patron.
Gottesdienst wurden hier am Patrozinium (29.Juni) und an der Kirchweih (Sonntag
nach Matthäi -21.Sept) gefeiert. An einigen Samstagen hielt der Benefiziat
in Odelzhausen zusätzliche Messen. An den Bittagen vor Christi Himmelfahrt
führte eine Bittprozession nach Miegersbach. In der Sakristei wurden Messgewänder
in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die
Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Friedberg. Der
Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache, der die damalige finanzielle
Situation der Kirche von Miegersbach recht drastisch beschrieb: "Das Vermögen
dises Gottshauses ist nach dessen Neuerbauung alles erschöpft und jetziger Zeit
nit wüßlich".
Die Jahreszahl "1763" an der Ostseite des Turmes wird wohl auf dessen Erbauung hinweisen.
Beschreibung
1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche
von Miegersbach (Mieckersbach) als Nebenkirche der Expositur Odelzhausen enthalten.
Zu ihr gehörten 56 Dorfbewohner (Seelen), die in 9 Häusern wohnten.
Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Baupflicht
hat die Kirche. Kuppel-Thurm mit 2 Glöckchen. 1 Altar, kleine Orgel. Gottesdienste:
ImSommer jeden Freitag durch den Beneficiaten von Odelzhausen. Kirchenvermögen:
900 Gulden.
Die letzte Restaurierung wurde im Jahr 1986 abgeschlossen.
Baubeschreibung
Die Kirche liegt
etwas erhöht inmitten der Ortschaft. Ein Friedhof ist nicht vorhanden.
Der zweiachsige
Chor schließt
halbrund.
Das dreiachsige Kirchenschiff ist mit gelb gefärbten Lisenen
gegliedert.
| Der
Turm liegt hinter dem Chor an der Ostseite. Er besitzt unten einen
quadratischen, im oberen Teil einen achteckigen Grundriss. Die gelb-braune
Eckquaderung am Turmunterbau ist nur aufgemalt. Bedeckt ist der Turm mit
einer holzschindelgedeckten Zwiebelhaube mit Kelchaufsatz und Kreuz. Hinter den Schalllöchern mit Kompositbogen hängen zwei Glocken, die im Jahr 1927 in der Gießerei K.Hamm, Regensburg hergestellt wurden. Die größere Glocke besitzt einen Durchmesser von 60, die kleinere einen von 51 cm. Im gotischen Erdgeschoss des Turmes ist die Sakristei eingerichtet. Der Eingang zur Kirche liegt auf der Südwestseite. Die Eingangstür ist mit einem Tympanon (Giebelfeld) besonders hervorgehoben. |
Inneneinrichtung
Altarraum
Die Decke des eingezogen und halbrund schließenden Altarraums ist eingewölbt (Tonnengewölbe).
Deckenbilder
| Das Gewölbe ist mit Symbolen für die sieben Sakramente (in Stuckrahmen) bemalt. In der Mitte ein farbiges Fresko mit einer Monstranz (Symbold für das Sakrament der Eucharistie), umgeben von sieben Putten auf Wolken. | Um das Fresko sind sechs Medaillons angebracht, in denen auf die übrigen 6 Sakramente hingewiesen wird: Von links hinten: Taufe, Firmung, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe. Die Fresken wurden im 20.Jh geschaffen. |
| Hinweis: Die protestantischen Kirchen kennen übrigens nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl. Es sind die Sakramente, die Jesus nach der Bibel persönlich eingesetzt und mit einem Zeichen (Wasser, Brot und Wein) versehen hat. |
Altar
| Der
barocke Altar
aus der Zeit um 1690/1700 ist grau und rot marmoriert (mit Marmormuster
bemaltes Holz) Er ist 1,80 cm breit und fast raumhoch. Die Stipes, der Altarunterbau,
ist mit Holz verkleidet; im Antependium ein Kreuz. Zwei glatte Säulen mit
korinthischen Kapitellen und seitlichen Akanthusschnitzereien tragen ein
verkröpftes Gebälk mit Sprenggiebeln. In der Mittelnische sitzt eine fast lebensgroße Figur des Kirchenpatrons hl.Petrus aus der Zeit um 1500. Er trägt die Tiara, die dreifache Krone des Papstes auf dem Haupt. Auf seinem Schoß liegt ein geöffnetes Buch. In der linken Hand hält er den großen Himmelsschlüssel; die rechte Hand erhebt er segnend. |
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Hinweis: Dieser sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesuszu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. |
Im Auszug des Altars ist eine Heilig-Geist-Taube dargestellt.
| Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam. |
Flankiert wird der Kirchenpatron auf dem Altar vom hl. Johannes Nepomuk auf der linken Seite (um 1750). Der Heilige hält ein Kruzifix und einen Palmzweig als Sinnbild für sein Martyrium in der Hand.
| Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. |
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| Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
| In der Predella
ist anstelle des Tabernakels ein Marienbild
angebracht (Mitte des 18.Jh). Die beiden Putten zu beiden Seiten des Bildes
stammen aus der Zeit um 1750/60. Bei dem 62 x 44 cm großen Ölgemälde (auf Leinwand) handelt es sich um eine Nachbildung des Passauer Marienbildes, das interessanterweise selbst eine Kopie ist. Mehr zum Gnadenbild aus Passau...... |
Der korbbogenförmige
Chorbogen ist an der Innenseite mit Brokatmalerei geschmückt.
Kirchenschiff / Langhaus
Die Langhausdecke ist nicht bemalt. Einziger Schmuck ist ein doppelter Stuckrahmen.
Figuren an
den Wänden der Kirche
Die Kirche besitzt auch heute noch keine Seitenaltäre. An deren Stelle sind Figuren angebracht:
| Links eine kleine sitzende Figur
des hl.Petrus
im Chorgewand, mit Papstkreuz, Tiara und geschlossenem Buch. Die Figur ist mit "1788 GS". signiert und datiert. Noch einige Anmerkungen zur Papstkrone: Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jh. des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone: Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen, Krone der Langobarden und die Kaiserkrone von Rom). Eine andere Deutung weist auf das dreifache päpstliche Amt hin: lehren, lenken und heiligen. Wieder eine andere bezieht die Tiara auf die drei Reiche der Kirche: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer, die triumphierende Kirche im Himmel. Schließlich werden die drei Kronen auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes gesehen. Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist“. Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt. |
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Rechts eine große Muttergottesstatue. Maria, mit offenem langem Haar, ist in rot-blau-goldene Gewand gekleidet; auf ihrem Kopf trägt sie eine große Krone. Mit der rechten Hand stützt sie das auf ihrem Schoß sitzende Jesuskind in Windeln, das eine Reichsapfel in der Hand hält.
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Kreuzwegbilder
| An den Seitenwänden des
Chors und des Kirchenschiffs hängen Kreuzwegbilder
aus der Zeit um 1780 (Öl auf Leinwand, 88 x 51 cm). Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier... |
Apostelleuchter
| Bei den Kreuzwegbildern sind auch die Apostelleuchter vor den auf die Wand aufgemalten Apostelkreuzen angebracht. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. |
![]() Vergrößerung von 4 Details (Kreuzwegbilder, Apostelleuchter, Kruzifix, Opferstock) per Mouseklick |
Kirchenbänke Vier Kirchenbankreihen auf der Süd- und acht Reihen auf der Nordseite bieten Platz für die Kirchenbesucher (20.Jh). Kruzifix
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Empore und Opferstock
| Die Empore wird durch einen Pfeiler aus Eichenholz gestützt. Die unbemalte Brüstung ist verputzt. | In
den unteren Teil des Pfeilers ist ein rustikaler Opferstock
aus Holz mit schmiedeeisernen Beschlägen eingebaut (18.Jh.). Wenn Sie sich Bilder anderer schöner Opferstöcke aus Kirchen im Landkreis ansehen möchten, klicken sie hier.. |
Obwohl die Kirche St.Petrus und St.Paulus geweiht ist, befindet sich in ihr vom hl. Paulus weder ein Bild noch eine Figur.
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger,
Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer,
Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie,
1968
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Kulturgeschichte
des Dachauer Landkreises, Teil 2, 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des
Erzbistums München und Freising, 1992
Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen
814-1914, 1992
17 Bilder: Hans Schertl (2003)
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12.1.2009