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Kirche St.Peter und Paul in MIEGERSBACH

Adresse : 85235 Odelzhausen, Miegersbach 40
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort Miegersbach wurde urkundlich erstmals im Jahr 1159 als "Muotgeresbah" (Bach des Muotger) erwähnt.

Eine Kirche wird erst in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 genannt. Patron war damals der hl.Petrus allein. Jahrhunderte später erst kam Paulus dazu, an den aber kein Bild und keine Figur in der Kirche erinnern.

Die heutige Kirche wurde wahrscheinlich in der 1. Hälfte des 18.Jh.erbaut, der Turm wohl etwas später (1763).

Die letzte Restaurierung wurde im Jahr 1986 abgeschlossen.

Die Kirchenfassade ist mit gelb gefärbten Lisenen gegliedert.

Über dem Eingang ein schön gestaltetes Giebelfeld.
Der Turm mit seiner holzschindel-gedeckten Zwiebelhaube liegt hinter dem Chor an der Ostseite.

Hinter den schlanken Schalllöchern hängen zwei Glocken aus dem Jahr 1927.

Giebelfeld über dem Eingang

Miegersbach gehörte bis 1923 zur Pfarrei Sulzemoos, seither zur Pfarrei Odelzhausen.
Seit 1979 ist es Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen, zu dem auch die Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Sittenbach und Sulzemoos gehören.

Inneneinrichtung

Das Tonnengewölbe im Altarraum ist mit Symbolen für die sieben Sakramente (in Stuckrahmen) bemalt.

Der barocke Altar aus der Zeit um 1690/1700 ist dem hl.Petrus geweiht, dessen im gotischen Stil geschnitzte Figur in der Mittelnische sitzt (im Papstornat, mit Himmelsschlüsseln in der Hand).
Flankiert wird der Kirchenpatron von den Heiligen Johannes Nepomuk (mit Kruzifix und Palmzweig und St.Sebastian (am Marterbaum, von Pfeilen durchbohrt.)
In der Predella ist anstelle des Tabernakels ein Marienbild angebracht (Mitte des 18.Jh).

Der korbbogenförmige Chorbogen ist an der Innenseite mit Brokatmalerei geschmückt.

Die Kirche hatte noch nie Seitenaltäre.
An ihrer Stelle sind links eine Figur des hl.Petrus (mit Papstkreuz, Tiara und geschlossenem Buch) aus dem Jahr 1788 und rechts eine Muttergottesstatue mit dem Kind auf dem Schoß aus neuer Zeit angebracht.

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Die Kreuzwegbilder stammen aus der Zeit um 1780.

In den unteren Teil des Emporenpfeilers ist ein rustikaler Opferstock aus Holz mit schmiedeeisernen Beschlägen eingebaut (18.Jh.).


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen

Geschichte

Der Ort Miegersbach wurde urkundlich erstmals im Jahr 1159 als "Muotgeresbah" (Bach des Siedlers Muotger) erwähnt.

Eine Kirche wird erst in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 genannt ("s.Petri in Miecherspach sine sepultura" -ohne Friedhof). Sie gehörte damals zur Pfarrei Sulzemoos. Als Kirchenpatron wird in der Matrikel -wie auch noch im 18.Jh- der hl.Petrus allein genannt. St.Paulus kam erst spät hinzu. 01)

Visitationsbericht von 1560 05)
Im Jahr 1560 ordnete der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien an. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Über die Pfarrei Sulzemoos ist auch die Kirche in Miegersbach kurz erwähnt. Dort heißt es:
  "Filials Mieckherspach khirchpröbst. Patronus s.Petrus.
Jerlich einkommen 4 ß d, wachs 3 Pfund. Resst 2 fl. 7 d. Hellt alle freitag meß. Hat ain gueten kelch, ain meßgwandt. Anderer gottsdienst und sacrament seind bei der pfarr. Meßner helts mit allen dingen sauber."


Pfarrbeschreibung 1575
Eine Matrikel aus dem Jahr 1571 beschreibt im Landgericht Friedberg gelegene Kirchen. Dazu zählte auch Miegersbach. In der Beschreibung heißt es, die Filiale Miegersbach habe ihre Begräbnisstätte in Odelzhausen. Die Kirche werde vom Sulzemooser Pfarrer versehen, wofür er den großen und den kleinen Zehnt erhalte. Der Pfarrer habe den Zehnt aber im letzten Jahr um 25 Gulden verkauft. Das Widum, das Kirchengut in Miegersbach, sei an den Mesner verpachtet. Der müsse dafür ein halbes Schaff Roggen, ein halbes Schaff Hafer, 50 Eier und 17 Gulden abliefern. Für die Amtshandlungen erhalte der Pfarrer bei einer Hochzeit das Mahl, bei einer Kindstaufe einen Laib Brot (großer Bauer) oder 3 Kreuzer (kleiner Bauer). Ein Begräbnis koste dem Bauern 2 Gulden, dem Inhaber einer Sölde 1 Gulden und für die Beerdigung eines Kindes müssen die Eltern 10 Kreuzer entrichten.


Schmidt'sche Matrikel 1738/40 01)
Die heutige Kirche, eine Filiale der Pfarrei Odelzhausen, wurde wohl in der 1. Hälfte des 18.Jh.erbaut, weil in der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 von einem Neubau ("noviter reaedificata") der "Ecclesia filialis s.Petri in Mieggerspach" die Rede ist und die Kirche noch nicht geweiht sei. Der einzige Altar des Gotteshauses hatte den St.Petrus zum Patron. Gottesdienst wurden hier am Patrozinium (29.Juni) und an der Kirchweih (Sonntag nach Matthäi -21.Sept) gefeiert. An einigen Samstagen hielt der Benefiziat in Odelzhausen zusätzliche Messen. An den Bittagen vor Christi Himmelfahrt führte eine Bittprozession nach Miegersbach. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Friedberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache, der die damalige finanzielle Situation der Kirche von Miegersbach recht drastisch beschrieb: "Das Vermögen dises Gottshauses ist nach dessen Neuerbauung alles erschöpft und jetziger Zeit nit wüßlich".

Die Jahreszahl "1763" an der Ostseite des Turmes wird wohl auf dessen Erbauung hinweisen.

Beschreibung 1874/80 02)
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Miegersbach (Mieckersbach) als Nebenkirche der Expositur Odelzhausen enthalten. Zu ihr gehörten 56 Dorfbewohner (Seelen), die in 9 Häusern wohnten. Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Baupflicht hat die Kirche. Kuppel-Thurm mit 2 Glöckchen. 1 Altar, kleine Orgel. Gottesdienste: Im Sommer jeden Freitag durch den Beneficiaten von Odelzhausen. Kirchenvermögen: 900 Gulden.


Beschreibung 1895  03)

Die Petrusfigur auf dem Hochaltar in Miegersbach ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:

  "Auf dem Hochaltar aus der Zeit um 1600 die bemalte Holzfigur des S. Petrus, er sitzt, hat in der Linken die Schlüssel und segnet mit der Rechten. Ein charakteristisches Beispiel für den Uebergang aus dem Stile des 16. in den des 17. Jh.
Höhe: 94 cm."


Die letzte Restaurierung wurde im Jahr 1986 abgeschlossen.

 

Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas erhöht inmitten der Ortschaft. Ein Friedhof ist nicht vorhanden.
Der zweiachsige Chor schließt halbrund.
Das dreiachsige Kirchenschiff ist mit gelb gefärbten Lisenen gegliedert.


Zwiebelturm mit Schindeldeckung

Der Turm liegt hinter dem Chor an der Ostseite. Er besitzt unten einen quadratischen, im oberen Teil einen achteckigen Grundriss. Die gelb-braune Eckquaderung am Turmunterbau ist nur aufgemalt. Bedeckt ist der Turm mit einer holzschindelgedeckten Zwiebelhaube mit Kelchaufsatz und Kreuz.
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Hinter den Schalllöchern mit Kompositbogen hängen zwei Glocken, die im Jahr 1927 in der Gießerei K.Hamm, Regensburg hergestellt wurden. Die größere Glocke besitzt einen Durchmesser von 60 cm, die kleinere einen von 51 cm.
Im gotischen Erdgeschoss des Turmes ist die Sakristei eingerichtet.

Der Eingang zur Kirche liegt auf der Südwestseite. Die Eingangstür ist mit einem Tympanon (Giebelfeld) besonders hervorgehoben.

Wie bei vielen Kirchen üblich, schließt die Westseite das Schiff schmucklos ab.

Inneneinrichtung

Altarraum

Die Decke deseingezogen und halbrund schließenden Altarraums ist eingewölbt (Tonnengewölbe).


Deckenbilder

Das Gewölbe ist mit Symbolen für die sieben Sakramente (in Stuckrahmen) bemalt. In der Mitte ein farbiges Deckenbild mit einer Monstranz (Symbol für das Sakrament der Eucharistie), umgeben von sieben Putten auf Wolken.

Deckenbilder
Um das Fresko sind sechs Medaillons angebracht, in denen auf die übrigen 6 Sakramente hingewiesen wird: Von links hinten: Taufe, Firmung, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe.
Die Fresken wurden im 20.Jh geschaffen.
 
Hinweis: Die protestantischen Kirchen kennen übrigens nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl. Es sind die Sakramente, die Jesus nach der Bibel persönlich eingesetzt und mit einem Zeichen (Wasser, Brot und Wein) versehen hat.


Altar

Der barocke Altar aus der Zeit um 1690/1700 ist grau und rot marmoriert (= mit Marmormuster bemaltes Holz).  Er ist 1,80 cm breit und fast raumhoch. Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet; im Antependium ein Kreuz.

Choraltar
Zwei glatte Säulen mit korinthischen Kapitellen und seitlichen Akanthusschnitzereien tragen ein verkröpftes Gebälk mit Sprenggiebeln. Darauf sitzt ein Altaraufsatz mit Sprenggiebel.


Im Auszug des Altars ist ist zwischen den erwähnten Sprenggiebeln mit Ziervasen in einem Rundbild die Heilig-Geist-Taube dargestellt. Darüber wacht ein Cherub, ein Engelskopf mit Flügeln.
  Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

In der Mittelnische des Altars sitzt eine fast lebens-große Figur des Kirchenpatrons hl.Petrus aus der Zeit um 1500. Er trägt die Tiara, die dreifache Krone des Papstes, auf dem Haupt. Auf seinem Schoß liegt ein geöffnetes Buch, das Evangelium. In der linken Hand hält er den großen Himmelsschlüssel; die rechte Hand erhebt er segnend.
Die Figur sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 enthalten. Dort wird sie als "charakteristisches Beispiel für den Übergang aus dem Stile des 16. in den des 17. Jh." bewertet. 03)


St.Petrus
Hinweis: Dieser sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lö- sen und zu binden. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.

Assistenzheilige

Joh. Nepomuk
Flankiert wird der Kirchenpatron auf der linken Seite vom hl. Johannes Nepomuk (um 1750). Der Heilige hält ein Kruzifix und einen Palmzweig als Sinnbild für sein Martyrium in der Hand.
Auf der rechten Seite steht am Altar die Figur des hl. Sebastian, an den Marterbaum gebunden und von drei Pfeilen durchbohrt. Die Statue ist erheblich kleiner als die des hl.Nepomuk.
Sebastian hat hier auffallend lange Arme und besonders kurze Beine. Die Figur wurde 1764 geschnitzt (auf der Rückseite datiert).

St.Sebastian
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag
und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken.
Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vor-fand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Predella
In der Predella ist anstelle des Tabernakels ein Marienbild angebracht (Mitte des 18.Jh). Die beiden Putten zu beiden Seiten des Bildes stammen aus der Zeit um 1750/60.

Mariahilfbild
Bei dem 62 x 44 cm großen Ölgemälde (auf Leinwand) handelt es sich um eine Nachbildung des Passauer Marienbildes, das interessanterweise selbst eine Kopie ist. Mehr zum Gnadenbild aus Passau......


Der Chorbogen ist an der Innenseite mit Brokatmalerei geschmückt.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Die Langhausdecke ist nicht bemalt. Einziger Schmuck ist ein doppelter Stuckrahmen.


Figuren an den Wänden der Kirche

Die Kirche besitzt auch heute noch keine Seitenaltäre. An deren Stelle sind Figuren angebracht:


St.Petrus
Links eine kleine Figur des sitzenden St.Petrus im Chorgewand, mit Papstkreuz, Tiara und geschlossenem Buch. Die Figur ist mit "1788 GS" signiert und datiert.

Rechts eine große
Muttergottesstatue. Maria, mit offenem langem Haar, ist in rot-blau-goldene Gewand gekleidet; auf ihrem Kopf trägt sie eine große Krone. Mit der rechten Hand stützt sie das auf ihrem Schoß sitzende Jesuskind in Windeln, das eine Reichsapfel in der Hand hält.

Muttergottes

 

 

 

 

Noch einige Anmerkungen zur Papstkrone:
Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jh. des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone: Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen, Krone der Langobarden und die Kaiserkrone von Rom). Eine andere Deutung weist auf das dreifache päpstliche Amt hin: lehren, lenken und heiligen. Wieder eine andere bezieht die Tiara auf die drei Reiche der Kirche: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer, die triumphierende Kirche im Himmel. Schließlich werden die drei Kronen auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes gesehen. Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist". Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt.
Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwunden hat.


Kreuzwegbilder
An den Seitenwänden des Chors und des Kirchenschiffs hängen Kreuzwegbilder aus der Zeit um 1780 (Öl auf Leinwand, 88 x 51 cm).
Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Kreuzwegbilder

Apostelleuchter
Bei den Kreuzwegbildern sind auch die Apostelleuchter vor den auf die Wand aufgemalten Apostelkreuzen angebracht. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. 

Apostelleuchter


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Kirchenbänke

Vier Kirchenbankreihen auf der Süd- und acht Reihen auf der Nordseite (20.Jh) bieten Platz für die Kirchenbesucher

Kruzifix
An der Seitenwand hängt zwischen den Rundbogenfenstern ein großes Kruzifix aus dem 18.Jh. Das Gesicht des Korpus hat sehr weiche Züge.

Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

Empore und Opferstock

Die Empore wird durch einen Pfeiler aus Eichenholz gestützt. Die unbemalte Brüstung ist verputzt.
In den unteren Teil des Pfeilers ist ein rustikaler Opferstock aus Holz mit schmiedeeisernen Beschlägen eingebaut (18.Jh.).
Wenn Sie sich Bilder anderer schöner Opferstöcke aus Kirchen im Landkreis ansehen möchten, klicken sie hier..

Obwohl die Kirche St.Petrus und St.Paulus geweiht ist, befindet sich in ihr vom hl. Paulus weder ein Bild noch eine Figur.

Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895,
04) Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
05) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
06) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Kulturgeschichte des Dachauer Landkreises, Teil 2, 1991
07) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992


17 Bilder: Hans Schertl (2003)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür
MuttergottesstatueDeckengemälde im Chorraum

9.3.2018