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Beschreibung der Kunstdenkmale 1895

Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum
ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde.

Wallfahrtskirche

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Aus dem 17. Jahrhundert sind einige interessante Bauten vorhanden. Der bedeutendste ist die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum bei Sielenbach, erbaut 1661 bis 1665 von Jakob von Kaltenthal, Komthur zu Blumenthal, angeblich nach dem Vorbilde des Pantheon. Die Anlage des durch Anbauten nach Osten und Westen verlängerten Centralbaues ist eine andere, der Vergleich ist trotzdem nicht unzutreffend.
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Die Raumwirkung ist bei einer Spannweite der Hauptkuppel von 16,5 m eine sehr bedeutende. Die mit einer 5,5 m weiten Mittelöffnung versehene Kuppel ist bei einer Kämpferhöhe von 10,6 m und einer Mauerstärke von wenig über 1 m eine recht beachtenswerthe konstruktive Leistung. Weniger gut ist die architektonische Dekoration, doch sind die schweren Barockformen bei der Grösse des Raumes nicht eben störend. Motive daraus bieten die Anfangs- und Schlussvignetten des Bezirksamtes.
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Das Material zum Kirchenbau soll den Ruinen des Schlosses Stunzberg entnommen sein (Mayer III. 169, 172).
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Bauinschrift und Grabstein des Stifters über dem Eingang bezw. in der Kirche.
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Centralbau mit Erweiterungen nach Osten und Westen.
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Der Hauptaum ist nahezu kreisförmig.
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Oestlich schliesst sich demselben ein querrechteckiger Chor mit 3 Conchen an, westlich ein entsprechender Raum mit seitlichen Conchen und einer kleinen nischenförmigen Erweiterung auf der Hauptaxe.
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Hier ist jetzt die Musikempore; im Schnitt weggelassen, weil sie das System durchschneidet.
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Hinter demselben ein halbrunder Anbau.
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Oestlich vom Chor der Thurm, dessen Untergeschoss wieder halbkreisförmige Ausbauten zeigt. Vorhallen südlich und nördlich, über denselben kleinere Thürme.
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Die Wandflächen sind durch korinthische Pilaster auf hohen Postamenten gegliedert. Auf der Süd- und Nordseite des Mittelraumes je 5 Felder, in den Seitenapsiden je 2, in der Hauptapsis 4.
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Das Gesimse wird durch die oben und unten abgerundeten Fenster theilweise durchschnitten, nur der Gesimskranz geht durch. Kuppeln mit Stichkappen.
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In den Schildmauern Rundfenster.
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Die im Verhältniss zu der geringen Mauerstärke sehr weitgespannte Kuppel, hat eine grosse Mittelöffnung.
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Ueber derselben eine hölzerne Laterne mit Flachdecke, sehr unschön, 18. Jahrhundert.
Auch diese mit der Architektur nicht in unmittelbarem Zusammenhange stehende Laterne ist in der Zeichnung nicht wiedergegeben.
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Bedeutende Raumwirkung.
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Der stattliche und schöne Hochaltar, die östlichen Seitenaltäre, sowie die Kanzel sind aus der Erbauungszeit.
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Im Chor prächtig geschnitzte Holzgitter.
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Der Thurm ist kräftig gegliedert, im Uebrigen ist das Aeussere höchst dürftig.
  
Grabsteine
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Gr. Aeltere Grabsteine, i. am Triumphbogen links des Joh. Moses Stoss, Deutschordenspriester + 1682. Platte von Solenh. Marmor. H. 115, br. 88 cm. mit Brustbild in Flachrelief.
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1- 2. am Triumphbogen rechts des Hektor Seeger, Deutschordensritter 1702. Platte von Sandstein mit Brustbild des Verewigten in Flachrelief. H. 114, br. 87 cm.
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3. im Schiff gegen Süden des Ph. Jakob von Kaltenthal Komthur zu Blumenthal und Gründer der Kirche + 1662. Platte von Solenh. Stein. H. 189, br. 82 cm. mit dem Wappen der Kaltenlhal, Stein, Hoheneck und Bubenhofen.
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Liturgische Geräte
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Rechts am Hochaltar: Weihwasserbecken von Messing mit grutem Ornamentschmuck. Ende des 17. Jahrhunderts. H. 23 cm.
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In der Sakristei: Silberne Ampel, schöne Arbeit um 1700 mit Wappen der Haller v. Hallerstein. H. 34 cm.

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Kelch, vergoldetes Silber, mit Engeln verziert und Medaillons, das eine mit Jahrzahl 1687.
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Zwei Messgewänder, das eine mit Wappen des Joh. Ludwig von Roggenbuch und Datum 1669, das andere mit Wappen der Hell und Haller v. Hallerstein und Datum 1681.
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Aussen an der 1. Seite des Eingangsthurms eine Pieta, Maria sitzt und hält den nach links. liegenden Christus mit der R. am Haupt, mit der L. unter dem r. Arm. Steinguss. H. ca. 51 cm. Späteres 16. Jahrhundert.