zur Landkreiskarte                   Kirchen i.d. Gem. Bergkirchen


Schlosskapelle zu Ehren der Hl.Familie in LAUTERBACH

 

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Lage des Schlosses auf der Landkarte ...


B
eschreibung

Das Schloss Lauterbach bei Bergkirchen liegt im Südosten des gleichnamigen Ortes. Es wurde wohl in der 1.Hälfte des 13.Jh als Befestigungsanlage errichtet und in den folgenden Jahrhunderten immer wieder umgebaut und erweitert. Besitzer waren zunächst die Grafen von Dachau  10); seit 1449 ist das Schloss im alleinigen Besitz der gräflichen Familie von Hundt, der auch das Schloss in Unterweikertshofen gehört. Wie bedeutend das Schloss Lauterbach im 16.Jh. eingeschätzt wurde, ist sehr deutlich auf der Landkarte des Vermessers Apian aus dem Jahr 1564 zu sehen, wo es als hoher Bau mit mächtigem Mauerwerk abgebildet ist.

Schloss Lauterbach bei Apian 1564
Viele aus den verschiedenen Linien der gräflichen Familie nahmen wichtige Funktionen im öffentlichen Leben wahr. Der bekannteste war der Hofratspräsident und Geschichtsschreiber Dr. Wiguleus IV. von Hundt (1514-1588), der das zweibändige "Bayrisch Stammen Buch" schrieb; es gehört bis heute zu den Hauptwerken bayerischer Geschichtsschreibung.
Eine wichtige Rolle für die Kirchen und Kapellen im Dachauer Land spielten Joh. Wilhelm von Hundt zu Sulzemoos, Lauterbach und Odelzhausen als Begründer der Marienwallfahrt zum Sternei nach Taxa sowie der kgl. bayerische Kämmerer und Ministerialrat Friedrich Hector Spiridon Graf Hundt (1809-1881), der als Historiker die Klöster Altomünster und Indersdorf beschrieb und so die Quellenlage für die nachfolgenden Generationen von Historikern und Heimatforschern verbesserte.


Die Schlosskapelle ist an den Nordflügel des Schlosses (an das Herrenhaus) angebaut. Im Bild oben ist sie rechts vom Hauptbau zu sehen. Das Bild wurde bei der Einweihung der renovierten Kapelle am 24.9.2017 aufgenommen. Die Kapelle ist nicht geostet, sondern steht in Nord-Süd-Richtung, mit dem Altar im Norden.

Wann die erste Schlosskapelle errichtet wurde, ist nicht bekannt. Vielleicht könnten hierzu ältere Mauerreste unter dem heutigen Boden Auskunft geben. Es wäre aber erstaunlich, wenn es im Schloss der frühen Jahre trotz der nahen Kirche nicht wenigstens einen Gebetsraum für die Herrschaft und die Bediensteten gegeben hätte.
Spätestens im Jahre 1626 muss jedoch eine Kapelle vorhanden gewesen sein, da in diesem Jahr mehrere Stiftungsbriefe ausgestellt wurden. So schrieb am 29.6.1626 Georg Hund zu Lauterbach an den Bischof von Freising, er habe einen Caplan aufgenommen und bitte zu gestatten, dass der in der Schlosskapelle Messen lesen dürfe. Ob dieser Kapellenbau schon an der Stelle der heutigen Kapelle stand, ist nicht dokumentiert. Um diese Zeit hat der Maler Hans Degler aus München ein Relief "Beweinung Christi" für die Schlosskapelle erstellt. 04)



Dreißigjähriger Krieg

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges, 1648, wurde das Schloss Lauterbach von den Schweden gebrandschatzt. Davon kündet das berühmte Jobbild von Johann Wilhelm Holzmayr (1650), das in der Jobkapelle in Bergkirchen hängt. In dem Gemälde wird vor dem Hintergrund des brennenden Schlosses Lauterbach der alttestamentliche Dulder Job mit dem Stifter des Gemäldes, dem kurfürstlichen Hofrat und Truchseß Georg Christoph von Hundt und seiner zweiten Gemahlin Anna Sidonie von Seiboltsdorf dargestellt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde bei dem Brand auch die Kapelle in Mitleidenschaft gezogen. Doch schon 18 Jahre später war sie wieder hergestellt; am 26. August 1666 bestätigte der Freisinger Fürstbischof Herzog Albrecht Sigmundt (Bischof 1652-1685) 21 Mess-Stiftungen des Schlossherrn Johann Christoff Hundt von und zu Lauterbach für die Schlosskapelle. Der Pfarrer von Einsbach, Simon Widmann, weihte den Altar und wurde vom Bischof als Schlosspfarrer von Lauterbach bestellt, der die kirchlichen Feiern gegen gewisse jährliche Einkünfte zelebrierte.


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Die Kapelle war schon damals der Heiligen Familie geweiht.


Schloss und Kapelle (rechts) um 1700

Der Hofkupferstecher Michael Wening am kurfürstlich baye-rischen Hof in München stellte um 1700 in seiner vierbändigen "Historico-topographica descriptio Bavariae", auch das Schloss Lauterbach auf mehreren Kupferstichen dar. Auf einem der Stiche ist auch die Kapelle an der heutigen Stelle zu sehen, mit einem über drei Geschosse reichenden Dachreiter an der Verbindung zum Nordflügel des Schlosses (siehe Bild links).
Damals hatte die Kapelle -neben zwei Erkern auf dem Dach- vier Fenster auf der Schlosshof-Seite; heute sind es nur noch drei, davon ein Blindfenster.
Die Kapelle wurde somit später (1773 oder 1898) um eine Achse verkürzt. Von dem Turm/Dachreiter ist nur noch ein in seiner Funktion veränderter Erker am Nordflügel geblieben. Im Hintergrund des Stichs ist im Übrigen der Zwiebelturm der Filialkirche St.Jakobus zu sehen.

Hinweis: Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) hat in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche erstellt. Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen".


Schmidtsche Matrikel 1738/40  01)
Die Schlosskapelle ist auch in der Schmidt'schen Matrikel von 1739 , einer Kurzbeschreibung aller Kirchen in der Diözese Freising, enthalten. Sie hatte auch damals einen Altar (Patronat Hl.Familie). Im Turm hingen zwei Glocken. Neben den schon erwähnten 21 Jahrtagen von Johann Christoff Hundt hatte auch die Baronin Catharina Barbara von Thurn und Au eine Messe zur Jungfrau Maria gestiftet. In der Matrikel wird der 26.8.1626 als Tag der kirchlichen Erlaubnis für das Abhalten von Messen genannt. Erwähnt wird zudem, dass der Burgherr die Baulast zu tragen hatte.

1701- von Kreuzholzhausen aus gesehen

1773 wurde die Kapelle erneuert und vom Einsbacher Pfarrer Amadeus Oefele mit ausdrücklicher Genehmigung des
Freisinger Fürstbischofs von Welden (1768-1788) neu geweiht.

Beschreibung 1874 02)
Auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird die Schlosskapelle von Lauterbach erwähnt. Darin heißt es:
  "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Baupflicht hat die Gutsherrschaft. Hat keinen Thurm, sondern nur ein Gestell für die 2 Glöckchen. Benedicirt (=geweiht). Patronat: Hl.Jungfrau Maria (7 Schmerzen, Vesperbild). 1 Altar. Stiftungen: 5 Jahrmessen, 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) und 12 Monatsmessen. Der Meßnerdienst wird versehen wie in der Filialkirche Lauterbach".

 

In späterer Zeit soll die Kapelle auch schon als Aussegnungshalle für die Lauterbacher gedient haben.


    
   Kapelle zu Beginn der Renovierung
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Renovierung 2006/2017

In der Zeit von 2006 bis 2017 wurde die Kapelle von Grund auf saniert.
Schon 2006 hatten mehrere Gutachten (u.a. von Architekt Alexander Zeh) der Kapelle einen ruinösen Zustand des Innenraums bescheinigt, der den Eindruck einer Rumpelkammer erzeuge. Zugleich wurde von einer "Gefährdung der Standsicherheit" gesprochen und "dringender Handlungsbedarf" angemahnt.
Die Aussenrenovierung (unter Architekt Oliver Lindauer) umfasste Dachstuhl, Glockenstuhl, Aussenputz und Gesimse unter der Dachrinne sowie die Trockenlegung der Wände und den Einbau einer Wandheizung.
Für die Gestaltung des Innenraums erarbeitete Erwin Marquardt ein Konzept; es sah vor, die Kapelle wieder in den Stand der Zeit um 1898 zu versetzen, in der die Kapelle neu gestaltet worden war. Der Innenraum musste vollständig renoviert werden.

Die Kosten lagen nach Aussage von Georg Graf v.Hundt bei rd. einer halben Million Euro. An der Finanzierung beteiligten sich neben dem Schlossherrn, der knapp ein Drittel zu tragen hatte, noch der Entschädigungsfond, die Bayerische Landesstiftung, der Bezirk Oberbayern, die Deutsche Stiftung Denkmal und der Landkreis Dachau.

Glocken

Die beiden Glocken sind neu. 12) Sie wurden 2015 bei der Fa. Bachert in Karlsruhe gegossen und am 24.9.2017 von Weihbischof Bernhard Haßlberger geweiht. Sie tragen am Glockenmantel folgende Reliefs:
1. kleinere Glocke:
    das Bild von St.Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm und einem Aaronstab in der
    Hand; auf der Rückseite die Jahreszahl "AD MMXV" (2015), darunter das mit einer
    Krone versehene Wappen der Familie Hundt und die Unterschrift:
    "Josephine". Am untersten Ende hat die Glockengießerei Ihre Marke angebracht:
    "Bachert Karlsruhe, 2015".
2.  größere Glocke:
     ähnlich wie Glocke 1; aber Bild einer Muttergottes, Unterschrift auf der Rückseite:
     "Bartholomäus".


Innenausstattung

Die Kapelle ist innen über 11 Meter lang, 7 Meter breit und 6,70 Meter hoch.

Sie war 1898 im Stil des Historismus neu gestaltet und ausgestattet worden. Seit der großen Renovie-rung in den Jahren 2006-2017 strahlt sie wieder in neuem Glanz.

Blickpunkte der Kapelle sind der Altar und die Ausmalung.
Der Künstler Erwin Marquardt hat 2017 das Konzept der neue Bema-lung zum Teil am Original von 1898 orientiert, zum Teil aber auch neu interpretiert und so den Historismus mit der Moderne verbunden.
Augenfällig wird dies insbesondere an der Decke des Altarraums, die mit einem blau/goldenen Sternenhimmel versehen war. Die neue weiße Decke hebt die rote Rückwand hervor und lenkt die Blicke auf den Altar.

WandgemäldeAltarReliquiar

Hinweis: Der Historismus lehnte sich in idealisierender Weise an die mittelalterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock an. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen. Hier in Lauterbach dominiert der Stil der Neoromanik.

Wandgemälde
    
   Wandgemälde im Chor

Die grün und golden gefärbte "Bordüre", mit der der rote (gemalte) "Wandteppich" hinter dem Altar nach oben abgeschlossen wird, besteht aus mehreren übereinander gemalten Schichten.
Interessant ist der Beginn ganz links, hinter dem Chorbogen. Hier haben die Maler des Jahres 1898 verschiedene Muster ausprobiert und die Proben nicht mit dem endgültigen, vereinfachten Muster übermalt. So sind die künstlerischen Überlegungen aus der damaligen Zeit erhalten geblieben.
Die Kuppel war mit einem blauen Himmel und goldenen Sternen ausgemalt, so wie dies vor 120 Jahren beliebt war. Ein kleines Stück davon ist hier mit einem Stern noch konserviert.
Vom Langhaus aus sind diese Stellen nicht zu sehen.


Altar
    
Altar
Der Altar ist im Stil der Neuromanik gearbeitet. Da in der Zeit der (originären) Romanik (1000-1250) keine Altaraufbauten verwendet wurden, unterliegen neuromanische Hochaltäre keiner stilistischen Norm, sondern können kreativ gestaltet werden.
Dies ist auch hier in Lauterbach so. Zwei gedrehte Säulen stützen einen nach oben spitz zulaufenden Aufbau. Auf der gekappten Spitze sitzt ein vergoldetes Kreuz. Ebenfalls vergoldete Girlanden mt zwölf stilisierten Blüten (mit jeweils sieben Blütenblättern) auf den Schrägseiten vermitteln den Eindruck von spielerischen Zinnen, einer beliebten Zierform in der Neuromanik. Die Fläche des Altaraufbaus ist mit blau/goldener Farbe gestaltet. Auf dem hellblauen Untergrund sind goldfarbene Vierpassformen gemalt.
Die beiden Säulen begrenzen eine große Nische mit vergoldetem Hintergrund. Darüber sind in einer Kartusche die ineinander geschriebenen Buchstaben "MRIA" geschrieben. Es sind die Buchstaben, aus denen der Name Maria besteht. Sie weisen darauf hin, wem der Altar geweiht ist. Die Predellazone ist in sieben vor- und rückspringende Felder eingeteilt. Das mittlere Feld ist als rot eingefärbte Tabernakelnische gestaltet.

Die Madonna in der Altarnische ist eine Leihgabe von Kirchenmaler Marquard. Er hat sie nach einer Figur der berühmten Landsberger Künstlerfamilie Luidl aus der Rokokozeit nachgeschnitzt 11). Da sie aber als Rokokofigur nicht zur übrigen Einrichtung im Stil des Historismus passt, wird dies wohl nur eine Übergangslösung sein.

    
Herzen Jesu und Mariens
Unter der Muttergottesfigur, noch in der Nische, sind vor einem Strahlenkranz die Embleme für Jesus und Maria in Form von verzierten Herzen angebracht.
Aus beiden Herzen lodern sog. Flammen der Liebe (zu den Menschen).
- Das Herz Jesu ist von einer Dornenkrone umgeben, das Zeichen für das Leiden und den
  Tod Christi.
- Im Herz Mariens steckt ein Schwert, das an das Simeonwort bei der Darstellung Jesu im
  Tempel erinnert: "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Luk 2,35).

Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Es hat seine Wurzeln in der mittelalterlichen Christusfrömmigkeit, die sich auf das Herz des Erlösers Jesus Christus konzentrierte. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. (1758 - 1769) im Jahr 1765.
Die Verehrung des Herzens Mariä gab es schon bei den Kirchenvätern (4.Jh.). Im Spätmittelalter setzten die hl.Gertrud von Helfta und Birgitta von Schweden durch ihre Schriften neue Impulse. Im 20. Jh. wurde die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariens durch die Erscheinungen in Fatima gefördert. Biblische Grundlage sind die Texte im Evangelium bei Lukas (Lk 2,19 und 2,51): "Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen".
Gedenktage: Nach den Visionen der Nonne Margareta Maria Alacoque wurde das Fest Herz-Jesu auf den Freitag nach Fronleichnam festgelegt. Zudem gilt jeder erste Freitag im Monat als Herz-Jesu-Freitag. Der Festtag Herz-Mariä ist jeweils der Tag nach dem Fest des Herzens Jesu, also jeweils am Samstag.


Antependium
Die Vorderseite des Altars, das Antependium ist mit Holz verkleidet. Drei mit Goldrahmen umgebene Felder enthalten Applikationen. In den beiden äußeren Feldern sind Wappen aufgebracht. Links das Wappen der Fam. Hundt, rechts ein Wappen mit Schwan und Baum.
In der Mitte ist das Christuszeichen zu sehen.
Es besteht aus einer Kombination von zwei griechischen Buchstaben, dem chi (das ist das "X") und dem rho (das ist das "P").
Es bezeichnet damit die ersten beiden Buchstaben des Titels "Christus" = der Gesalbte.
Als Kaiser Konstantin 312 in die Schlacht an der Milvischen Brücke zog, träumte er am Vorabend, ein Engel habe ihm gesagt, "unter diesem Zeichen wirst Du siegen". Dieses Zeichen war nicht das Kreuz, sondern das Christuszeichen PX. Zum Dank dafür verkündete er in der Mailänder Vereinbarung von 313 (früher als Toleranzedikt bezeichnet) generelle Religionsfreiheit und erlaubte auf diese Weise auch den christlichen Kult.



Reliquiar

In der Tabernakelnische steht bei Gottesdiensten und anderen feierlichen Anlässen eine Reliquienmonstranz. Sie ist in Kreuzesform gearbeitet, mit Strahlen zwischen den mit farbigen (Edel)Steinen geschmückten Kreuzbalken. Der prächtige Nodus ist als Vierpass gestaltet und mit ovalen Edelsteinen verziert, zwischen denen vergoldete Eichenblätter angebracht sind.

Das von zwei Edelstein-ringen eingefasste Schau-glas enthält die Reliquie. Auf dem Stoffhintergrund ist sie als langes schwarzes Holzstück zu sehen. Es handelt sich um einen Dorn aus der Dornenkrone, die Jesus nach der Geißelung aufgesetzt wurde. 14) Der Fuß des Reliquiars ist mir vielen Applikationen versehen. Darunter ist auch ein Bild von Christi Geburt. Maria beugt sich vor einem Säulenhinter-grund fürsorglich über das nackte Jesuskind und bedeckt es mit einem weißen Tuch.

Das Reliquiar war kam früher auch in der Pfarrkirche von Lauterbach zum Einsatz. Bei Beerdigungen hat man oft gleichzeitig drei Messen (am Choraltar und den beiden Seitenaltären) gehalten. Dazu wurde auf jeden Altar ein Reliquiar gestellt. Da die Pfarrei Lauterbach aber nur zwei Reliquiare besaß, lieh man zu diesem Anlass das Reliquiar aus der Schlosskapelle aus. 13)
Später blieb dieses Reliquiar in der Pfarrkirche, bis es bei der Einweihung der Kapelle am 24.9.2017 feierlich zurückgegeben wurde.

Konsolenfiguren

An der den Wänden des Kirchenschiffs sind vier Engelsfiguren befestigt, die flache Körbe auf dem Kopf tragen. Dies könnte auf ihre frühere Funktion als Konsolenfiguren hinweisen, die vielleicht als Stütze von Figuren, Leuchtern oder Vasen dienten. Die Engel halten Schilde in den Händen, auf denen jeweils eine erbauliche Aufforderung geschrieben ist. Zusammengenommen ergeben sie den Spruch "Schweig und streite, fleuch und meide". Der Spruch soll dem Vorwort des Buches "Ferner Nöthige Zur Seelen Seligkeit sehr nützliche Zweite Erklärung der Allerbedenklichsten und

Anstössigsten Puncten und Redens-Arten" aus dem Jahr 1717 entnommen worden sein. Dort heißt es aber -viel schlüssiger- "Schweig und Leide" statt "Schweig und Streite". Das Buch wurde von Johann Tennhardt (1661-1720) geschrieben, nach Wikipedia ein "inspirierter Visionär", der als prophetischer Einzelgänger seine von Gott persönlich erhaltenen Offenbarungen in Traktaten und Briefen veröffentlichte.

Eine ähnliche Gestalt haben zwei Figuren, die (nur scheinbar) die Empore stützen. Zwei Rittergestalten halten Schilde mit Wappen in den Händen. Das Wappen an der Nordseite ist das der Familie von Hundt. Es ist in vier Felder unterteilt. Das erste und vierte Feld zeigt zwei mit schwarzen Balken belegte silberne Adlerflügel auf rotem Grund. Die beiden übrigen Felder zeigen einen goldenen Hund auf blauem Grund.


G
ewölbe

Das Langhaus, das sog. Schiff der Kapelle, ist mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Fenstern überdeckt. Das Gewölbe ist nicht bemalt, die Grate sind mit Stuck hervorgehoben.

Für die Beleuchtung des Raumes sorgt ein Lüster mit 10 (elektrischen) Kerzen.
Auch der Chorbogen ist weiß getüncht. Früher war dort in einer Kartusche das Jahr der letzten großen Renovierung "1898" genannt.


Fenster

Die vier korbbogigen Fenster besitzen eine farblose Sechseckverglasung, wie sie in den meisten Kirchen zu finden ist.
Im hintersten Fenster auf der rechten Seite ist ein Feld mit einem Glasgemälde geschmückt.
Es zeigt eine Vielzahl heraldischer Motive, die natürlich mit der gräflichen Familie von Hundt zu tun haben. Im Mittelteil dürfte ein Allianzwappen dargestellt sein. Gut zu erkennen sind im linken Wappen die silbernen Adlerflügel auf rotem Grund. Im oberen Teil des Fensters sind links die Kreuzigung, rechts die Auferstehung Christi zu sehen. Ganz unten ist auf einem langgestreckten Sockel das Jahr der Entstehung 1898 in römischen Ziffern geschrieben. Leider sind zwei Beschädigungen durch Ersatzglas ausgebessert, sodass die Jahreszahl nicht vollständig zu lesen ist.


Glasgemälde

 

KonsolenfigurKonsolenfigurGlasgemäldePortal

Die Rückseite der Kapelle ist mit hohen Türen verschlossen, die in das Schloss hinüberführen.

Darüber ist die weiß verputzte Empore eingebaut. Die weiß verputzte Brüstung ist in drei Teile gegliedert. Das mittlere Feld ist vorgebaucht.
Die Empore ist vom Schloss aus zu begehen. Früher war auf ihr ein zusätzliches Oratorium für die Schlossherren eingebaut.

Acht Kirchenbänke (jeweils vier auf beiden Seiten des Mittel-ganges) bieten Besuchern Platz.

Unter dem Chorbogen, zwischen Kirchenschiff und Altarraum ist noch die alte Kommunionbank erhalten.

 

Opferstock

Neben dem Eingang ist ein wunderschöner, außerordentlich hoher Opferstock an der Wand befestigt. Er ist mit vielen Einkerbungen und weiteren Schnitzerein verziert.
Die Schale mit dem eingeworfenen Geld ist durch zwei massive Eisenbänder gegen Einbruch gesichert. Der Metallbügel über dem Einwurfschlitz, der das filigrane Fischen nach Geld mittels langer Drähte verhindern soll, fehlt.

Hinweis: Der Ausdruck "Opferstock" bezieht sich auf das erbetene (Geld-)"Opfer" und den "Stock", der ursprünglich meist aus einem großen ausgehöhlten Holzstock bestand.

Opferstock


Eingangstüre
   
Eingangstüre
Das Eingangsportal liegt an der Südostseite. Es besteht aus einer schweren einflügeligen Holztüre, die früher mit Eisenbeschlägen verziert war.
Ein Seilzug mit Gewicht hinter der Türe erleichtert das Öffnen.

Das Türschloss besitzt außen noch die Verschnörkelungen der früheren Zeit; innen ist es eine moderne Schließanlage.

Türschloss

In der Kapelle können künftig Hochzeiten, Taufen, Andachten oder Messen gefeiert werden.

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing 1849/50
02) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) www.grafhundt.de/pages/geschichte/baugeschichte.htm
04) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Maler, Amperld. 1982 (Degler)
05) Alois Angerpointner, Orts-und Vereinschronik Lauterbach/Palsweis, 1984 (Renovierung 1773)
06) Kleiner Kunstführer, Bergkirchen, Verlag Schnell & Steiner, 1999
07) Dr. Georg Graf von Hundt zu Lautterbach, 2005
08) Ingrid Koch, Dachauer Nachrichten v. 15.10.2008 (Aussegnungshalle)
09) Renate Zauscher in der Dachauer SZ v. 14.1.2015 (Renovierung 2006)
10) Petra Neumaier, In tiefer Verbundenheit, Dachauer Nachrichten vom 19.9.2017
11) Kirchenmaler Marquardt bei der Einweihungsfeier am 24.9.2017
12) Dorothea Friedrich, Gelebte Tradition, Dachauer SZ vom 26.9.2017
13) Kirchenpfleger Georg Hartmann, Lauterbach, bei der Einweihungsfeier am 24.9.2017
14)
Ingrid Koch, Schlossgeschichten, Münchner Kirchenzeitung vom 1.10.2017

28 Bilder: Graf Georg v.Hundt (1), Hans Schertl (27)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

1.10.2017