zur Landkreiskarte          Ausführl.Beschreibg          Kirchen i.d. Gem. Bergkirchen

Schlosskapelle zu Ehren der Hl.Familie in LAUTERBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Beschreibung

Das Schloss Lauterbach bei Bergkirchen liegt im Südosten des gleichnamigen Ortes. Es wurde wohl in der 1.Hälfte des 13.Jh errichtet und seither des Öfteren erweitert und umgebaut. Das Schloss ist seit 1449 im alleinigen Besitz der gräflichen Familie von Hundt, der auch das Schloss in Unterweikerts-hofen gehört.

Die Kapelle ist an den Nordflügel des Schlosses (an das Herrenhaus) angebaut. Im Bild links ist sie als dunkel gedeckter Baukörper neben dem Eingangstor zu sehen.

Wann die erste Schlosskapelle errichtet wurde, ist nicht bekannt; spätestens im Jahre 1626 muss jedoch eine Kapelle vorhanden gewesen sein, da aus diesem Jahr mehrere Stiftungsbriefe existieren.

So schrieb am 29.6.1626 Georg Hund zu Lauterbach an den Bischof von Freising, er habe einen Caplan aufgenommen, und bitte zu gestatten, daß er in der Schloßkapelle Messen lesen dürfe. Ob dieser Kapellenbau schon an der Stelle der heutigen Kapelle stand, ist nicht dokumentiert.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges, 1648, wurde das Schloss Lauterbach von den Schweden gebrandschatzt. Davon kündet das berühmte Jobbild von Johann Wilhelm Holzmayr (1650), das in der Jobkapelle in Bergkirchen hängt. In dem Gemälde wird vor dem Hintergrund des brenndenden Schlosses Lauterbach der alttestamentliche Dulder Job mit dem Stifter des Gemäldes, dem kurfürstlichen Hofrat und Truchseß Georg Christoph von Hundt und seiner zweiten Gemahlin Anna Sidonie von Seiboltsdorf dargestellt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde bei dem Brand auch die Kapelle in Mitleidenschaft gezogen. Doch schon 18 Jahre später dürfte sie wieder hergestellt worden sein, weil am 26. August 1666 der Freisinger Fürstbischof Herzog Albrecht Sigmundt die 21 Messstiftungen des Schlossherrn Johann Christoff Hundt von und zu Lauterbach für die Schlosskapelle bestätigte. Der Pfarrer von Einsbach, Simon Widmann, weihte den Altar und wurde


Zur vollständigen Ansicht des Bildes hier klicken

vom Bischof als Schlosspfarrer von Lauterbach bestellt, der die kirchlichen Feiern gegengewisse jährliche Einkünfte zelebrierte. Die Kapelle war schon damals der Himmelskönigin Maria und dem hl. Josef, der Heiligen Familie, geweiht.

Der Hofkupferstecher Michael We ning am kurfürstlich-bayerischen Hof in München stellte um 1700 in seiner vierbändigen "Historico-topographica descriptio Bavariae", auch das Schloss Lauterbach auf mehreren Kupferstichen dar. Auf einem der Stiche ist die Kapelle an der heutigen Stelle zu sehen, mit einem über drei Geschosse reichenden Dachreiter an der Verbindung zum Nordflügel des Schlosses (siehe Bild links).
Damals hatte die Kapelle vier Fenster auf der Schlosshof-Seite, heute sind es nur noch drei. Von dem Dachreiter ist nur noch ein in seiner Funktion veränderter Erker am Nordflügel geblieben.

Im Hintergrund des Stichs ist im übrigen der Zwiebelturm der Filialkirche St.Jakobus zu sehen.

Die Schlosskapelle ist auch in der Schmidt'schen Matrikel von 1739, der Kurzbeschreibung aller Kirchen in der Diözese Freising, enthalten. Damals war der einzige Altar der Heiligen Familie geweiht. Im Turm hingen zwei Glocken. Neben den schon erwähnten 21 Jahrtagen von Johann Christoff Hundt hat auch die Baronin Catharina Barbara von Thurn und Au eine Messe zur Jungfrau Maria gestiftet. Auch in der Matrikel wird der 26.8.1626 als Tag der kirchlichen Erlaubnis für das Abhalten von Messen genannt. Erwähnt wird zudem, dass der Burgherr die Baulast zu tragen hatte.

1773 wurde die Kapelle erneuert und vom Einsbacher Pfarrer Amadeus Oefele mit ausdrücklicher Genehmigung des
60. Freisinger Fürstbischofs von Welden geweiht.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Schlosskapelle von Lauterbach erwähnt. Darin heißt es: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Baupflicht hat die Gutsherrschaft. Hat keinen Thurm, sondern nur ein Gestell für die 2 Glöckchen. Benedicirt (=geweiht). Patronat: Hl.Jungfrau Maria (7 Schmerzen, Vesperbild). 1 Altar. Stiftungen: 5 Jahrmessen, 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) und 12 Monatsmessen. Der Meßnerdienst wird versehen wie in der Filialkirche Lauterbach".

In späterer Zeit soll die Kapelle auch schon als Aussegnungshalle für die Lauterbacher gedient haben.


Innenausstattung

Die Kapelle ist über 11 Meter lang, 7 Meter breit und 6,70 Meter hoch. Sie ist derzeit nicht benutzbar, soll aber in der nächsten Zeit vollständig renoviert werden. Das Innere der Kapelle ist deshalb im Moment eine Baustelle.

Lediglich der im Stil des Historismus errichtete Altar mit seinem vergoldeten Säulenpaar und den für diesen Stil typischen Zierornamenten lässt die ehemals prächtige Ausstattung erahnen. Die Kapelle war Ende des 19.Jh vollständig neu ausgestattet worden.

 

Hinweis: Der Historismus lehnte sich in idealisierender Weise an die mittelalterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen.

 

 

Engel am Chorbogen

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing,
1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
www.grafhundt.de/pages/geschichte/baugeschichte.htm
Alois Angerpointner, Orts-und Vereinschronik Lauterbach/Palsweis, 1984 (Renovierung 1773)
Kleiner Kunstführer, Bergkirchen, Verlag Schnell & Steiner, 1999
Dr. Georg Graf von Hundt zu Lautterbach, 2005
Dachauer Nachrichten v. 15.10.2008 (Aussegnungshalle-Ingrid Koch)
5 Bilder: Graf Georg v.Hundt (1), Hans Schertl (4)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

10.1.2009