zur Landkreiskarte                               Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Evangelische Kirche in KEMMODEN

Beschreibung

Kemmoden ist eines der Zentren der evangelischen Gemeinde Kemmoden/Petershausen.

Die Kirche liegt zwar schon im Landkreis Pfaffenhofen; das Gebiet dieser Pfarrei umfasst den gesamten Nordosten des Landkreises Dachau. Wegen ihrer historischen Bedeutung für die evangelische Kirche im Dachauer Land, soll das Gotteshaus hier beschrieben werden.

Schon ab 1799 lockerte König Max I. unter dem Einfluss seiner lutherischen Gemahlin Karoline von Baden vorsichtig die strengen Religionsbeschränkungen. 1803 und 1818 wurden Religionsedikte erlassen, die eangelischen Bürgern die Ansiedlung und die Religionsausübung erlaubten.

Max I. rief Siedler aus der evangelischen Rheinpfalz in dünn besiedelte bayerische Gebiete, insbesondere ins Donautal und in die Hochmoore bei Rosenheim.

Der Auswanderungsdruck aus der linksrheinischen Rheinpfalz war durch die jahrelange französische Besatzung entstanden. Die Einwohner hatten unter den Massenaushebungen für das französiche Heer und unter den Kriegskosten zu leiden. Die Menschen wanderten nicht nur nach Bayern, sondern auch nach Nordamerika, Russland und Österreich aus.

Die Protestanten in unserem Gebiet kamen etwas später. Etwa 100 Familien aus der Rheinpfalz und dem Elsass siedelten um 1820 u.a. in Fränking, Senkenschlag, Kemmoden, Kleinschwabhausen, Lanzenried. Darunter waren Lutheraner und Reformierte sowie Mennoniten.
Das erste geistige Zentrum war Kemmoden. Dort trafen sich die Gläubigen in einer Kapelle des Wirts zu ihren Sonntagsgottesdiensten. Zu Amtshandlungen mussten sie nach München fahren oder warten, bis der evangelische Pfarrer aus München einmal jährlich vorbeikam, um alle inzwischen angefallenen Taufen, Konfirmationen und Trauungen durchzuführen.

1822 bemühten sich die Siedler um die Erlaubnis zum Kirchen- und Schulbau. Ein Bauplatz wurde von dem Gemeindemitglied (und Mennoniten) Dahlem zur Verfügung gestellt; der Wirt gab das Grundstück für den Friedhof dazu. 1828 erfolgte die Grundsteinlegung, 1829 die Einweihung.

1829 wurde die evangelische Gemeinde offiziell gegründet. Dies geschah mit der Wahl des ersten Kirchenvorstandes, die am 24.12.1829 vom königl.protestantischen Dekanat München bestätigt wurde.

Das Gotteshaus war nach äußerst praktischen Gesichtspunkten geplant:
Im Erdgeschoss befanden sich der Schulraum und eine kleine Pfarrer- bzw. Lehrerwohnung mit 2 Kammern und einer kleinen Küche; im Obergeschoss darüber der schlichte Betsaal.

Mit der Möbilierung tat sich die arme Gemeinde schwer: Erst ein halbes Jahr nach der Einweihung konnte der Schulraum mit Tischen und Tafeln eingerichtet werden.
Ein alter Fensterladen diente während der ersten Zeit als Kanzel.
Später stiftete der Wirt den kleinen Dachreiter mit 2 Glöckchen aus seiner Privatkapelle. 1833 kamen eine Orgel und erst 1888 der Taufstein hinzu.

Anfangs war der Vikar zugleich Lehrer und Gemeindeschreiber; erst 1852 bekam er einen Hilfslehrer dazu.

Hans Schertl

Quellen:
Ulrich Schneider, 1100 Jahre Jetzendorf, 1993
Thiel/Mecking, Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2 Kunst und Kultur, 2000
Süddeutsche Zeitung 2001/Nr. 283
Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür