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Pfarrkirche St. Josef in KARLSFELD

mehr über St.Josef...
Adresse: 85757 Karlsfeld, Schulstraße 2
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen

Die Vorgängerkirche von St.Josef stand in Gerberau. Sie war eine Barackenkirche, die 1948/49 für die vielen Flüchtlinge gebaut worden war.

Als ein Jahrzehnt nach dem Ende des 2.Weltkrieges dieses Lager der Heimatvertriebenen aufgelöst wurde, zogen viele Menschen in die neu gebauten Siedlungen im Westen der Gemeinde Karlsfeld. 

Darum erwarb Pfarrer Josef Mühlhauser von St. Anna bereits am 13. Juni 1961 im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats das Grundstück in der Schulstraße, auf dem heute das Pfarrzentrum St. Josef steht.


1963 begannen die Planungen für die neue Kirche St. Josef, am 2. November 1965 wurde der Grundstein gelegt und am 9. Juli 1967 konnte Kardinal Julius Döpfner das Pfarrzentrum St. Josef weihen. Zum 1. November 1970 wurde die Kuratie St. Josef zur Pfarrei erhoben.


Gravur auf der Josefs-Glocke 
Der freistehende, 28 m hohe Glockenturm der Kirche erhebt sich in vier Pfeilern auf den Ecken eines Quadrats. Eine Treppe führt deutlich sichtbar in die Höhe. Die Glockenstube ist durch Jalousien eingerahmt. Der Turm musste in den Jahren 2002/2003 also 36 Jahre nach der Erbauung- saniert werden. Das frühere Betonkreuz auf dem Turm wurde durch vier große goldfarbene Kreuze aus gelb eloxiertem Aluminium ersetzt. Sie reichen um die Pfeiler herum und umfassen so den Turm. Auch eine Turmuhr gibt es erst seit 2003.
Im Turm hängen fünf Glocken. Zwei wurden nach Heiligen aus den Herkunftsgebieten der Siedler in Karlsfeld-West Schlesien (St.Hedwig) und Sudetenland (Johannes Nepomuk) benannt.Die übrigen Glocken haben Christkönig, St. Josef und St.Maria zum Patron. Die Glocken wurden 1967 in der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau gegossen. 
 
Übrigens: Eine Glocke aus der Vorgängerkirche in Gerberau wird im Heimatmuseum Karlsfeld gezeigt. Die Marienglocke wiegt 60 kg und wurde im 15.Jh gegossen. Eine
  Besonderheit ist die Beschriftung, weil sie vom -leider nicht bekannten- Glockengießer seitenverkehrt angebracht worden ist.

 Innenausstattung:

Der Kirchenraum wird durch das vorherrschende Baumaterial Beton und Klinkersteine geprägt.

Im Inneren werden andere Steine verwendet als außen. "Das sandige Weiche, die kleinen Farbunterschiede und die aus akustischen Gründen regelmäßig ausgesparte Verfugung, die die Wand nochmals aufgliedert, wirkt außerordentlich beruhigend", sagte der Architekt.
Die Decke der Kirche ist kassettenartig aus Sichtbeton gearbeitet. Trotz des fünf mal fünf Meter großen Lichteinlasses in der Deckenmitte (mit einer Glaspyramide darüber) und der Glasfront im unteren Teil der Rückseite, macht der Raum einen etwas düsteren Gesamteindruck.
Taube der Erstkommunikanten Taube der Erstkommunikanten Kreuzweg
 5 Details (Orgel, Figuren, Altar, Ambo) per Mouseklick.
Seit 2003 umrahmt ein Weinstock mit Reben und Trauben das Christusbild hinter dem Altar.

Der Regenbogen über dem Altar und die Papiertauben an den Lampen auf dem nebenstehenden Bild gehören noch zu dem Schmuck, der  für das Fest der Erstkommunion angebracht wurde. 

Blickpunkte sind zu beiden Seiten des Altars
- eine große Figur des Namenspatrons der Kirche, geschaffen von dem Künstler Hermann Schilcher aus
  Oberammergau. Eine ausführliche Beschreibung der Josefsfigur finden Sie hier .... 
- sowie  die 1980 angeschaffte Orgel von der Orgelbauwerkstätte Rudolf Kubak in Augsburg mit zwei Manualen und 21 Registern. Sie besitzt eine Schleiflade, mechanische Traktur und einen frei stehenden Spieltisch.
 

Disposition der Kubak-Orgel von 1980 (nach Brenninger):
I. Manual (C-g'''): Hauptwerk: Principal 8', Rohrflöte 8', Octave 4', Traverse 4', Nasard 2 2/3',
                        Octave 2', Terz 1 3/5', Mixtur 3fach 1 1/3, Trompete 8', Zimbelrad in Des.
II. Manual (C-g'''): Unterwerk (schwellbar): Copel 8', Amarosa 8', Dulcian 8', Fluet 4',
                         Spitzflöte 2', Quint 1 1/3', Sifflet 1, (tremulant)

Pedal (C-f):         Subbaß 16', Octavbaß 8', Nachthorn 4', Piffara 2fach, Fagott 16'
Koppeln:             Normalkoppeln

An den Außenmauern sind in einem umlaufenden Betonband Christus und die Apostel (hinter dem Altar) und die 14 Stationen des Kreuzwegs (an den Seiten) dargestellt. In früheren Zeiten gab es übrigens in den Kirchen statt der jetzigen vierzehn, nur sieben Kreuzwegstationen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Unter dem Betonband sind die Apostelleuchter angebracht. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind.
Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 

Am Ambo (Lesepult) sind in eine Kupferplatte die Attribute der vier Evangelisten eingraviert. Für Matthäus ein Mensch oder Engel, für Markus einen Löwen, für Lukas einen Stier und für Johannes einen Adler.
Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".

  Taube der Erstkommunikanten Taube der Erstkommunikanten KreuzwegEmpore
3 Details ( Taufstein, Tauben und Kreuzweg) per Mouseklick.
Über dem Eingang ist die mit einem Gitter umgrenzte Empore angebracht, die über eine Wendeltreppe begehbar ist.
Links vom Eingang ist ein offener Kapellenraum (im nebenstehenden Bild hinter den Säulen in der rechten Bildhälfte) angebaut. Er dient wohl als "Werktagkirche", wenn die Zahl der Gottesdienstbesucher sehr klein ist.    An der Frontseite dieser Kapelle ein aus Klinkersteinen gebildetes Fries
An der Rückseite der Weihwasserbehälter (Weihbrunnen) in Form eines römischen Kruges sowie das Weihwasserbecken als Vertiefung an der Oberseite einer Säule. In diesem Weihwasserbehälter wird das in der Osternacht geweihte Wasser aufbewahrt, damit es von den Gläubigen für die Gräber und für die Wohnung entnommen werden kann.

 

In der Seitenkapelle sind noch der Tabernakel, der Taufstein und eine Marienfigur angebracht. 

Der Tabernakel ist mit einem Bronzerelief des Lamm Gottes im Strahlenkranz verziert.

 

 

 

In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaia 53,7) und Neuen Testament (Joh 1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt.
Tabernakel
ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Der Taufstein besteht aus einem massiven Steinblock, der auf einem etwas schlankeren Sockel steht. Er ist nicht achteckig, sondern quadratisch gestaltet. Der Griff auf dem Kupferdeckel hat die Figur eines Fisches.




Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt.
Der Fisch soll -historisch nicht belegt - eine Art Geheimzeichen in der frühen Kirche gewesen sein. Denn das griechische Wort für Fisch ist ein so genanntes Akrostichon, das heißt, ein Wort, das aus Anfangsbuchstaben anderer Wörter zusammengesetzt ist. Griechisch heißt Fisch Ichthys. Das sind die Anfangsbuchstaben von „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser"=Iesus Christos Theou Yios Soter". Sicher ist, dass der Fisch noch vor dem Kreuz das Symbol für die Christen war.
Die geschnitzte Madonnenfigur ist nicht bemalt. Maria wird - mit einer hohen Krone auf dem Haupt und einem faltenreichen Gewand- als Himmelskönigin nach Art der gotischen Madonnen (S-Linienführung) dargestellt. In ihren Armen hält sie das sehr lebhaft wirkenden Jesuskind.

Hans Schertl


Quellen:
Engelbert Kirschbaum, Lexikon der christlichen Ikonographie, 1968
Dachauer Neueste vom 15.7.1977
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Unsere Pfarrkirche St. Josef
www.karlsfeld.de/docs/kirchen
Dachauer SZ vom 9.4.2003, 12.13.7.2003
Münchner Kirchenzeitung vom 10.8.2003
Dachauer Nachrichten vom 11.7.2007 (alte Glocke)
22 Bilder: Hans Schertl (2002)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür


Statue des heiligen Josef

Bildhauer: Hermann Schilcher, sen. und jun. (Oberammergau) Entstanden: 1971/72. Aufgestellt am 19. März 1972.

Die Gestalt des heiligen Josef ist aus einem 2,85 m hohen, 90 cm dicken und 30 Zentner schweren Eichenstamm herausgearbeitet. Die Darstellung beruht auf einer sehr klaren Linienführung.

Obwohl die Gestalt etwas hervortritt, bildet sie mit dem Holzstamm eine blockartige Einheit. Das Material vermittelt den Eindruck des Kraftvollen, Stämmigen und urtümlich Einfachen. Der Heilige ist als Arbeiter und einfacher Mensch dargestellt. In der Linken trägt er das Beil, in der Rechten hält er die Säge; dies weist ihn als Zimmermann aus. Das griechische Wort "tekton" (es steckt auch in dem Wort "Architekt") wird üblicherweise mit "Zimmermann" übersetzt, es bedeutet aber auch "Bauhandwerker". Im Markus-Evangelium wird Jesus selbst als "tekton" bezeichnet (Markus 6,3). Da Josef bei der Darstellung Jesu im Tempel "ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben" opferte, was die Opfergabe der Armen war, gehörte er zu den Menschen, die einfach und anspruchslos lebten. 

In der Heiligen Schrift ist uns - anders als etwa bei Maria oder Petrus - kein Wort Josefs überliefert. Aber wir lesen: "Er tat, wie der Engel des Herrn ihn geheißen ..." (Matthäus 1,24; ähnlich 2,14 und 2,21). Er hatte das Gespür für das, was Gott von ihm wollte, auch wenn es sehr schwer zu verstehen war. Er hörte Gottes Wort und tat es auch. Damit ist der heilige Josef ein Vorbild im Glauben. Denn glauben heißt: feststehen im Vertrauen auf Gott, sich nicht aus dem Konzept bringen lassen durch bloße Tagesmeinungen und modische Ansichten. Bildlich gesehen steht der Glaubende da wie ein Eichenstamm. Nach den Vorstellungen der Bildhauer und der damals in der Pfarrei Verantwortlichen sollte die bildhafte Darstellung des Patrons der Pfarrei eine zeitgemäße Vorstellung vom werktätigen Menschen geben, eines Menschen, der sich als Werkzeug Gottes in der Welt versteht.

Beim Betrachten der Statue werden wir durch das Material des Eichenholzes ganz konkret auf den Ort verweisen, an dem die Kirche steht: Auf dem Gebiet zwischen Schule, Kirche und Altenheim standen früher sehr viele Eichen; einige davon stehen noch heute. Der Baum hat eine starke symbolische, ja mythologische Bedeutung. Denken wir beispielsweise an den Lebensbaum (Genesis 2,9) oder an die dem germanischen Gott Donar geweihte Eiche, die nach der Legende von Bonifatius im Jahr 724 gefällt wurde! Den Christen ist der Baum zum Zeichen der Erlösung und des Lebens geworden: "Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes erstand das Leben" (Präfation am Fest Kreuzerhöhung). Heute ist der Baum im allgemeinen Bewusstsein auch ein Symbol für die Schöpfung geworden, für die Umwelt, die wir nicht zerstören dürfen. Die Gestalt des heiligen Josef tritt aus dem Stamm heraus. Der Heilige geht gleichsam in die ihm als Schutzpatron anvertraute Gemeinde hinein.

Der heilige Josef ist in unserer Mitte, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln, wenn wir auf Gottes Wort hören, wenn uns Gott als Arbeiter in seinen Weinberg schickt, wenn wir als Werkzeuge Gottes in dieser Welt tätig sind. Die Statue steht nicht erhöht auf einem Sockel oder Podest, sondern auf der Ebene des Betrachters. Das kann uns sagen: Der heilige Josef als unser Schutzpatron steht unter uns; er ist nicht entrückt oder unerreichbar für uns, sondern zum Greifen nahe. Seine Art zu glauben ist auch ein Weg für uns: Gottes Wort zu hören, wie er es hörte, und Gottes Wort zu tun, wie er es tat.

Aus: Unsere Pfarrkirche St. Josef


3.11.2007