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BEICHTRAUM und darüber liegender FRAUENCHOR
in der Klosterkirche ALTOMÜNSTER

König David Quellwunder des hl.Alto Maria Magdalena Kommunionbank
Beichtraum (zwischen den Chorbögen) vom Herrenchor aus gesehen
Vergrößerung von 4 Details (Decke, Bilder, Kommunionbank) per Mouseklick


B
eschreibung

Der fast 60 m lange Kirchenraum in Altomünster beeindruckt wegen der interessanten Raum-perspektiven, die sich durch die Anordnung der vier kunstvoll hintereinander gelagerten Innenräume ergeben:
Dem Vorhaus und dem großen achteckigen Hauptraum folgt ein kleinerer achteckiger Raum, der sog. Beichtraum, der überdeckt wird vom Frauenchor.

Der Beichtraum ist wie der Hauptraum ein Achteck. Seine Fläche ist aber um ein Drittel kleiner. Die Höhe wird vom darüber liegenden Nonnenchor/Frauenchor beschnitten und beträgt nur noch die Hälfte des Hauptraums, nämlich 9,30 m. Von seiner Funktion her ist der sog. Beichtraum eine Verlängerung des Kirchenschiffs, durch das der Blick der Gläubigen auf die Dreiergruppe der oberen Altäre fällt.

Der Beichtraum wurde früher auch Brüderchor genannt, weil hier - auf den seitlichen Emporen- die Brüder der Messe beiwohnten.

 
HerrenchorAltarraumBeichtraum Hauptraum



Beichtstühle

Der Name Beichtraum kommt von einer Besonderheit dieses Raumes, den in die Wände eingearbeiteten Beichtstühlen der Patres. Von diesen Beichtstühlen ist nur das Sprechgitter zu sehen.

Ein Teil der Ausstattung und der Bildwerke hier ist auf die Beichte ausgerichtet:
- Joh.Nepomuk (Beichtgeheimnis)
- König David (singt Psalm Miserere)
- Margarete von Cortona (Buße für zu lockeren
   Lebenswandel)
- Dismas (der gute Schächer am Kreuz)
- Maria Magdalena (große Sünderin)


Sprechgitter

An den Seitenwänden stehen zudem zwei übliche Beichtstühle. Die Kirchenbänke für die Besucher wurden dort erst später eingebaut.
Der Beichtvater konnte den Platz auf der anderen Seite über Gänge erreichen, ohne die Klausur verlassen zu müssen. Denn genau unter den oberen Umgängen (für die Nonnen) führt auch im Erdgeschoss (für die Mönche) innerhalb des Mauerwerks ein Gang rund um die Kirche.


Über den Beichtstühlen sind Emblemkartuschen zu sehen.
Links sind eine Hand mit Kelch und Jesuskind (Attribut des hl.Alto) und ein Birgittinnenkreuz gemalt. Darunter stehen zwei Männer vor einem Wald, von denen einer einen Stock hebt, um den anderen zu schlagen. Es dürfte sich hier um eine Anspielung auf Graf Ethiko, der nach der Legende durch eine Erscheinung des hl.Alto veranlasst wurde, das geraubte Klostergut herauszugeben und für eine Neueinrichtung von Altomünster zu sorgen. Die Inschrift CRESCITE (wachset) weist auf das Wachsen im Glauben durch das Bußsakrament hin.
Rechts sieht man eine Landschaft mit Hügeln, Wasserfall und davor weidenden Schafen. Das Wasser versinnbildlicht die göttliche Gnade, die Schafe die Menschen. Darüber die Worte EVANGELIUM ET REVELATIONES (Evangelium und Offenbarungen).

 

Büßerzyklus

Auf das Beichtgeheimnis verweisen auch die vier Bilder oben in den abgeschrägten Ecken. Sie bilden einen sog. Büßerzyklus.
Es sind zwei Fresken an den Wandschrägen im Westteil des Beichtraums und die beiden Altaraufsätze der Seitenaltäre im Ostteil.

Margarete v.Cortona

a) Im Nordwesten eine Darstellung der hl. Margareta von Cortona mit Kruzifix und Geißel. Die Heilige betrachtet das Kreuz und vergießt sichtbar eine Träne über den Tod Christi. Im Hintergrund ist ihr persönliches Attribut, ein Hund, zu sehen.
Margareta von Cortona war im 13.Jh neun Monate lang die Geliebte eines Edelmanns. Als sie ein Hund zur halbverwesten Leiche ihres Liebhabers führte, tat sie Buße, trat in ein Kloster ein und hatte zahlreiche Visionen. Deshalb hält der Hund im Bild einen Knochen im Maul; ein Totenschädel liegt neben ihm.

b) Im Bild auf der Südseite wird König David im Hermelin mit Krone und Zepter sowie einer Harfe gezeigt. In seiner Hand ein Blatt mit der Aufschrift "Miserere mei Deus" (Gott erbarme dich meiner).


König David


Der Schächer Dismas

c) Im Auszug des linken Seitenaltars wird der reuige Schächer Dismas gezeigt, aus dessen Mund die Worte "Memento mei Domine" (Gedenke meiner o Herr) entströmen. Dismas wurde mit Jesus gekreuzigt und bekehrte sich im letzten Moment noch. Weiteres zu diesem Bild finden Sie hier...

d) Im Auszug ist die büßende Maria Magdalena mit Kreuz und Totenkopf dargestellt (Öl auf Leinwand). Die Heilige ist aus der Bibel bekannt. Über diese Magdalena sagte Jesus: Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat (Luk.7,47). Weiteres zu diesem Bild finden Sie hier...


Maria Magdalena

 

Kommunionbank

Vor den Seitenaltären erstreckt sich über die gesamte Breite die geschweifte Kommunionbank aus der Erbauungszeit. Die Balustrade aus Eichenholz wird von den profilierten und in der Mitte stark geschwellten barocken Docken (= kleine Säulchen) getragen. Sie wurden vom Dachauer Bildhauer Franz de Paula Arnoldt (1724-1788) im Jahr 1770 (andere Quelle: 1767) geschnitzt.
Die Kommunionbank trennt den Beichtraum vom Chorraum (Presbyterium) und ist in den Mittelfeldern für den Durchgang geöffnet. Die Seitenaltäre sind deshalb eigentlich schon zum Altarraum zu rechnen.
  Hinweis: Die Kommunionbänke entwickelten sich aus den Cancelli (lat.Gitter), den Altarschranken altchristlicher Kirchen, die den Gemeinderaum, d. h. das Kirchenschiff, vom Altarraum trennten. An diese Kommunionbank knieten sich früher die Gläubigen, die kommunizieren wollten. Der Priester reichte von der dem Altarraum zugewandten Seite der Kommunionbank die Hostie aus dem Kelch. Ein Ministrant hielt unter das Kinn des Gläubigen die Patene, um ein Herunterfallen der Hostie zu vermeiden. Im Rahmen der Liturgiereform um 1970 wurde die Kommunionbank in den meisten Kirchen abgebaut, um so eine Einheit zwischen dem Priester und der Gemeinde zu schaffen. Zudem ist nach herrschender Auffassung der Altar auch Tisch des österlichen Mahles; von ihm empfangen die Gläubigen die Kommunion.


Seitenaltäre im Beichtraum

An den abgeschrägten Seiten im Westen des Beichtraums, zu beiden Seiten des Durchgangs zum Altarraum der Pfarrkirche, sind zwei Altäre angebracht. Sie sind in ihrer Thematik mehr der Volkstümlichkeit gewidmet: Der linke Altar zeigt die Gruppe der Heiligen Florian, Leonhard, Wendelin und Donatus, der rechte die Heilige Familie und Heilige Sippe.
Die an den Seiten etwas schalenförmig vorspringen Seitenaltäre haben goldgerahmte Altarbilder von Joseph Mages (Signaturen auf beiden Bildern). Der Altaraufbau (Holzretabel mit hohem Rahmenaufbau) wurden von Johann Bapt. Straub gefasst. Auf den Altaraufsätzen stehen Ziervasen neben Putti.

Skelettheilige

Die beiden Altarblätter lassen sich herausnehmen. Dies eröffnet den Blick auf die hinter diesen Bildern befindlichen Schreine mit Skelettheiligen aus den Katakomben in Rom, am linken Altar St.Alexander, rechts St.Maximianus. Es handelt sich hier um Katakombenheilige, ein Spezifikum der Barockzeit. Das waren Gebeine, die in den Katakomben gefunden und pauschal als Märtyrer behandelt wurden. Da man die Gebeine nicht bestimmten Personen zuordnen konnte, wurden sie nachgetauft. Die Gebeine an den Seitenaltären im Beichtraum wurden 1688 von Prior Hörmann erworben, 1694 im Kloster gefasst sowie 1871 und 1907 restauriert.

Nach einer Beschreibung des Skelettheiligen Alexander durch Astrid Debold-Kritter handelt es sich um eine "thronende Figur, die Arme aufgestützt, mit Schwert und Märtyrerpalme.
"Feine Textilarbeit, im Prinzip Chorheiligen gleich. Goldene Blattkrone auf dem mit tüllartiger Seide bezogener Kopf, um den sich maskenartig eine Seidenschärpe herumlegt. Reich besetzt mit Perlen, farbigen Steinen und Pailletten; ornamental angedeutete Physiognomie.
 
Die Kleidung: enges Obergewand mit weitem langem Rock und herabfallendem Umhang entspricht den übrigen Reliquienheiligen. Der purpurnen Seide sind Goldlitzensterne angetragen und Steine in den Farben rot, blau, grün. Der Rock aus goldgelbem Seidendamast hat ein rotes Vierpaßmuster."
Die Skelette werden in ihren Schreinen sitzend aufbewahrt. Die Stellung der Skelettheiligen folgt einer alten Beschreibung zufolge
         "offenbar symbolische Tendenzen: Am Hochchor sind die heiligen Leiber wegen der Nähe des Sakramentsaltares in
          Ehrfurcht stehend in den Altarnischen angeordnet, im Vorchor (Beichtraum) sitzend und im Laienschiff liegend, also je
          weiter vom Tabernakelaltare entfernt, in desto zwangloserer Haltung".
Für Kirchenbesucher sind sie nur in der Allerheiligenwoche zu sehen.
Mehr zu den "Heiligen Leibern" siehe hier...

 


Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist dem hl.Wendelin geweiht. Im Altarblatt (Öl auf Leinwand) sind aber noch weitere drei im ländlichen Raum viel verehrte Heilige, Donatus, Florian und Leonhard, dargestellt. Die Thematik orientiert sich am Aufgabengebiet der Laienbrüder, die hier im Beichtraum ihren Platz während des Gottesdienstes hatten, aber auch am Leben der Gläubigen im Hauptraum mit ihren bäuerlichen Arbeiten und häuslicher Sorge: St.Florian als Helfer gegen Feuer, St.Donatus Schützer der Ernte vor Blitzen, St.Leonhard und St.Wendelin als Patrone des Viehs. 113)

Im Auszug wird der reuige Schächer Dismas gezeigt, aus dessen Mund die Worte "Memento mei Domine" (Gedenke meiner o Herr) entströmen.
Dismas wurde mit Jesus gekreuzigt und bekehrte sich im letzten Moment noch.
Jesus sagte ihm die Aufnahme ins Paradies noch am Kreuz zu; er ist damit der ersten Heilige der Kirche.
Gedenktag: 25. März
Links St. Wendelin im Abtsgewand.  Obwohl er ein schottischer Königssohn war, diente Wendelin als Schafhirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Später wurde er (ohne Priesterweihe) Abt des nahegelegenen Klosters Tholey (um 600).  
Daneben der Wetterheilige St. Donatus mit einem Kreuz in der Hand. Bei Donatus handelt es sich um einen Katakombenheiligen. Seine Reliquien kamen 1652 als Schenkung an das Jesuitenkolleg von Münstereifel. Strömender Regen verwandelte sich beim Herannahen in strahlenden Sonnenschein, in Euskirchen wurde am Tag des Überbringens der vom Blitz getroffene Pater durch Anrufen des "Donatus" genannten Heiligen geheilt. "Donatus" gilt seither als Wetterheiliger.

St. Florian in römischer Soldatenrüstung hält eine Fahne. Er war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.
Ganz rechts schließlich St.Leonhard mit Abtsstab und Ketten in den Händen. Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den bayerischen Herrgott. Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.
Pfarrer Bachbauer hat in seinem Kirchenführer darauf hingewiesen, dass die Heiligen Wendelin, Florian und Leonhard nochmals zu sehen sind, wenn man sich vor den linken Seitenaltar im Beichtraum stellt und zur Decke im Hauptraum hinaufblickt. Dort sind verschiedene Heilige auf Gewölk dargestellt.
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Hinter dem Altarbild am linken Seitenaltar sitzt -wie oben erwähnt- in einem verglasten Schrein die Skelettreliquie von St.Alexander mit einem langstieligen Hammer und einem Beutel in den Händen.
Mehr zu den "Heiligen Leibern" siehe hier...


St.Bartholomäus
Assistenzfiguren am linken Seitenaltar sind wiederum zwei der zwölf Apostel.
Links der hl. Bartholomäus mit Buch und Messer in den Händen. Bartholomäus wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm mit einem Messer die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Rechts der hl.Philippus mit dem Kreuzstab.

Mehr über den Apostelzyklus in Altomünster finden Sie hier...
   

Reliquienmonstranzen Flankiert wird der Tabernakel von zwei Reliquienmonstranzen aus der Zeit um 1770. Sie besitzen reich geschnitzte vergoldete Rocaillerahmen und stehen auf Volutenfüßen mit marmorierten Sockeln. Die Reliquien sind mit Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht), Kantillen, Goldspitzen und farbigen Steinen gefasst. In der Mitte ist eine sternförmig gefasste Reliquie zu sehen, die nach Meinung von Kunstexperten auf das Kloster Taxa hindeuten könnte.
Auf den Cedulae, den kleinen Pergamentzettelchen, stehen die Namen der Heiligen, deren Gebeine hier enthalten sind:
Links:   "S.Wolfganus; S.Mauriti M.; S.Benedictus M.; S.Plasio P. M.; S.Saturnini M.; S.Christianus M.;
            S.Placidi M.; S.Thebeorum M.; S.Gereon M.; S.Bonifacius M.; S.Stephano M."
Rechts: "S.Benigni M.; S.Victorinae M.; S.Modesto M.; S.Aurelius M.; Reliquae Incognitae M.; S.Ruffino M.;
            S.Deodato M.; S.LaurentioM.;S.Hypolito M.; S.Dionysio M.; S.Stephano P. M.; S.Castuli; S.Simpliciani;
            S.Sebastiani."
Das "M." hinter den meisten Namen bedeutet "Martyrer".


Reliquienmonstranz
Detail-Taxakreuz



Rechter Seitenaltar

Im Auszug ist die büßende Maria Magdalena mit Kreuz und Totenkopf dargestellt (Öl auf Leinwand). Die Heilige ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von ihrer Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh.20,15-17).

Maria Magdalena

Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Jesus die Füße salbte (Luk 7,37 - 38), wie die Legenden behaupten, ist ungewiss. Dies wurde in der Barockzeit aber allgemein angenommen. Über diese Magdalena sagte Jesus: Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat (Luk.7,47).

Am rechten Altar zeigt das Altarblatt Jesus inmitten der heiligen Sippe. Von links nach rechts: im Vordergrund der Priester Zacharias, darüber die Cousine Marias, Elisabeth. Unter Elisabeth der kleine Johannes mit dem Täuferstab. Maria mit dem Jesuskind auf dem Kissen.

Sippe Jesu
Dahinter der Vater Marias, Joachim, von dem nur der Kopfes zu sehen ist. Neben Joachim Josef und ganz rechts, neben Jesus, Anna.
Hinter dem Altarbild in einem verglasten Schrein die sitzende Skelettreliquie St.Maximianus.

 

Assistenzfiguren sind auch an diesem Altar wieder Apostel. Rechts Matthäus 113) mit Buch und Hellebarde. Matthäus verkündete in Parthien das Evangelium. Dort wurde er am Altar von rückwärts mit der Helebarde erstochen.
Links Andreas mit dem Balkenkreuz, an dem der Apostel sein Martyrium erlitt.
Auf der Tür des Tabernakels ist ein Lamm-Gottes abgebildet, das auf der von Putten getragenen Bundeslade liegt.
Mehr über den Apostelzyklus in Altomünster finden Sie hier...


Apostel Matthäus

In der Predella stehen links und rechts vom Tabernakel zwei Reliquienbehälter aus der Zeit um 1770, die denen auf dem linken Seitenaltar (Wendelinaltar) gleichen.
Auch darin ist eine sternförmige Reliquie enthalten. Auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen, stehen die Namen der Heiligen, von denen die Gebeine stammten:
Links:  "S.Sophia M.; S. Lee (?) vidue.; Justino Gardina; Dorothea V.M. et Incogn.; Juliana v. L.Sargh;
           ex sepulcro casula...; e ossibus S.Elisabetha; S. Innocenti M.; S. Cyriacae M; ... quae fuit crux;
           De ornatu S.Ulr...; S.Alexi.M."
Rechts: S.Gregorio M.; S. Leone M.; S. Martin M.; S. Corbiniani Episc.; Hieronymo demensa loco habit...;
           S.Widmaro Ep.; S.Lampert; S. Theodori M.; Casiani B.; S.Gumperto Bisch.; S.Eligio M.; S. Agritio M.;
           S. Debundo et S.Erhardo; S.Ignatio; De vestib.Caroli pontif."

Reliquienbehälter

Tabernakel
 
Tabernakeltüre links
Jeder der Seitenaltäre besitzt einen Rokokotabernakel in "taillierter" Form. Die Tabernakel sind mit vielen Rocaillen verziert, ihre Türen mit vergoldeten Schnitzreliefs versehen:
- Die Tabernakeltür am linken Seitenaltar zeigt einen Hostienkelch mit Strahlenkranz, der
  von zwei Englein getragen wird.
- Das Relief an der Tür des rechten Tabernakels zeigt das Lamm Gottes, das auf dem Buch
  mit den sieben Siegeln ruht. Auch es wird von zwei Englein begleitet.
 

Tabernakeltüre rechts


Deckenfresko im Beichtraum

Das Deckenfresko mit einem Durchmesser von 7,30 m zeigt in zwei Hauptbildern das Auffinden der Quelle durch St.Alto und Jesus am Teich Bethesda in Jerusalem. Es verbindet die beiden Quellwunder und will damit sagen, dass auch Altomünster eine Gnadenstätte von der Qualität des Teiches Bethesda ist. Beide Themen sind auch Hinweise auf das Sakrament der Taufe. Auf dem Fresko steht auf der Nordseite zwischen den beiden Taufbildern eine Palme mit geöffnetem Sarkophag; auf der Südseite ist eine Wasserfläche mit Burg im Hintergrund zu sehen.

Das Bild auf der Ostseite des Deckengemäldes zeigt Jesus am Teich Bethesda in Jerusalem, der in der Bibel bei Johannes, Kap.5 Vers 1-9 im Zusammenhang mit einer Krankenheilung beschrieben wird. Der Teich wurde von einem Engel ab und zu in Wallung gebracht. Wer als erster hinein stieg, wurde geheilt.

Jesus am Teich von Bethesda
Als Jesus den Teich aufsuchte, klagte ihm ein seit 38 Jahren erkrankter Mann, dass niemand ihm in das Wasser helfe. Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf und geh. Diese Szene wird auf dem Deckengemälde gezeigt. In der Bildmitte steht Jesus inmitten von Kranken vor einer Mauer und dem in der Bibel genannten Schaftor auf einer Plattform am Rande des Teiches und weist mit seiner rechten Hand zum Himmel. Die meisten Personen blicken hinauf, wo auf Wolken
zwei Engel thronen. Über den Engeln bricht aus dem Zentrum des Bildes ein Strahl aus den Wolken und fällt auf den alten Mann, von dem die Bibel berichtet. Der empfängt den Gnadenstrahl mit ausgebreiteten Händen.
Das Gemälde auf der Westseite zeigt das Quellwunder des St.Alto. Im Mittelpunkt steht der Heilige im Ordensgewand auf einem kleinen Felsen und lässt mit dem Krummstab in der rechten Hand eine kräftige Quelle aus dem Felsen entspringen. Auf der linken Seite des Baches sitzt eine Gruppe von Frauen, die bereits Wasser schöpft.


Quellwunder

Hinter St.Alto stehen ein Bauer mit einer Säge und eine junge Frau, die auf einen eingerüsteten Bau zeigt, zu dem Arbeiter scheffelweise Wasser tragen. Dass in der Szene keine Heilungen gezeigt werden, wie dies auf den Barockgemälden häufig zu sehen ist, ist aus der Sicht der Aufklärung zu beantworten: Nicht das Wasser hilft, sondern die Gnade Gottes.


Frauenchor / Nonnenchor

Geschichtliches
Einen den Nonnen vorbehaltenen Frauenchor gibt es in Altomünster schon seit 500 Jahren. Er musste um das Jahr 1488/97 in die 1244 errichtete romanische Kirche eingebaut werden, als die Birgitten (ein Orden mit Mönchen und Nonnen) das Kloster übernahmen. Die Nonnen mussten die täglichen Chorgebete an anderer Stelle verrichten als die Mönche. Der Frauenchor lag auch damals schon im ersten Stock; er ruhte auf einem quadratischen Kreuzgewölbe. Der Herrenchor, der Chor der Mönche, lag in der alten Kirche schräg unterhalb des Frauenchors. Er war vom Frauenchor aus einsehbar. Doch der Blick hinunter war nur während des Gottesdienstes zugelassen. In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1512 heißt es:
     "Gleicherweiß sol das gäter (Fenster) im Nonnenchore, dardurch man in der brueder chore hinabsiecht, allein in dem
      götlichen ambt der messe offen sein, unndt ausserdes alzeit zugethan mit einem schloss versperrt beleiben".
Als Zugang zu diesem Frauenchor hat man 1497 an der linken (nördlichen) Außenseite der Kirche eine vollständig überdachte Treppe angebaut, über die die Nonnen zu ihrem Platz im Zwischengeschoss kamen.

Quellwunder des St.Alto im Beichtraum Kanzelkreuz im Hauptraum Kanzel im Hauptraum verglaster Frauenchor -Westseite
verglaster Nonnenchor auf der oberen Empore-Westseite


Heutiger Frauenchor


Der Frauenchor liegt in Höhe der oberen Empore zwischen dem Hauptraum/Kirchenschiff und dem Altarraum. Er überspannt wie eine breite Brücke den Beichtraum und ist nicht vom Kirchenraum sondern nur über den Frauenkonvent und die oberen Emporengänge zugänglich.

Der auch heute noch nahezu quadratische Raum mit den Ausmaßen 9,60 x 9,65 m wird über Fenster auf der Nord- und Südseite sowie über die verglasten weiten bogenförmigen Emporenöffnungen zum Hauptraum und zum Altarraum erhellt.
Die Kapelle war früher den Chorfrauen vorbehalten; die Arbeitsschwestern hatten eine eigene kleine Kapelle.

Der Frauenchor liegt am höchsten, sein Gehäuse ist ein wichtiger Faktor der ganzen Raumkomposition. Die Nonnen konnten auf der Ostseite ihres Chors nur auf die Altäre hinabschauen, auf der Westseite aber nicht aus nicht mehr als den Oberteil des großen achteckigen Hauptraums mit seiner Kuppelmalerei sehen. Sie hatten ja keinen freien Zugang zur Kirche wie die Mönche oder die Laien.

Der Frauenchor liegt in der Klausur und kann leider nicht besichtigt werden. Ich kann Ihnen deshalb nur Fotos von außen zeigen. 


Der Tabernakelaltar im Frauenchor wurde 1964 von Georg Schwendtner neu geschaffen. Er dient der Aussetzung und Anbetung des Allerheiligsten. An der Altarrückwand sind zwei Holztafeln vom Tisch der hl.Birgitta im vergoldeten Metallrahmen befestigt. Der zweigeschossige Tabernakel ist von einer Gloriole umgeben. Zwei große Anbetungsengel erinnern an die Bundeslade, die als Vorbild des Tabernakels gilt. Der als Sarkophag gestaltete Altarunterbau (Stipes) birgt die Reliquienfigur eines unbekannten Katakombenheiligen. In den Ecken des Raums stehen zwei kleine Eckaltärchen mit Schnitzfiguren des hl. Josef mit Lilienstab (Ende 19.Jh) und der Schmerzhaften Muttergottes.

Besucher der Klausur am Tag der offenen Klostertür im Sept.2015 berichteten, dass dort ein spätgotischer Flügelaltar steht, den die ersten Birgittinnen um das Jahr 1470 aus Mahingen mitgebracht haben. Nach Norbert Lieb stand der Altar jedenfalls im Jahr 1973 frei in der Mitte des Frauenchors. 113)

Der Frauenchor ist von einer Flachkuppel überspannt, die sich an der Nord- und der Südseite bis zum Sockel herabzieht.
Die bis zu 7,30 m hohe Decke ist geschmückt mit einem zentralen Gemälde "Mystische Vermählung der hl.Birgitta" sowie einem Tugendzyklus in Form von vier kleineren Fresken mit Heiligendarstellungen. Die Bilder wurden von J.Mages gemalt.


Haus von Loreto
In einem kleinen Kartuschenbild unterhalb der Brüstung wird die wunderbare Übertragung des Heiligen Hauses der Maria nach Loreto durch Engel gezeigt.
Der Legende nach wurde das gemauerte Heilige Haus im Jahr 1291 von Engeln aus Nazareth fortgetragen. Andere Quellen berichten, dass das Haus von frommen Schiffers-Familien namens "de Angeli" nach Loreto gebracht worden sei. Zuerst wurde das Haus an einer Stelle bei Rijeka/Kroatien) aufgestellt. In der Nacht des 10. Dezember 1294 "wanderte" das Haus weiter und veränderte noch mehrmals seinen Platz, bis es schließlich in Loreto seinen endgültigen Standort einnahm.

 

Deckengemälde im Nonnenchor

In der Mitte des nahezu runden zentralen Deckengemäldes (5,60 x 6,00 m) ist Gottvater zu sehen, die rechte Hand segnend erhoben und mit der linken Hand -von zwei Engeln unterstützt- die Weltkugel haltend. Links über ihm schwebt vor hellem Licht die Heilig-Geist-Taube. Im unteren Teil des Bildes steht Christus mit dem Kreuz im Arm auf Stufen.

Er steckt der vor ihm knienden St.Birgitta einen Ring an die rechte Hand. Ein Engel hinter ihr hält die Birgittinnenkrone über ihr Haupt. In den Wolken schweben Engel mit Blumenkranz und Blumengirlande. Über dem "Brautpaar" erscheint Maria in rotem Kleid und blauem Mantel, das Haupt von einem Sternenkranz umgeben. Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). Links von Christus sind musizierende Engel zu sehen. Vor ihnen kniet die hl.Agnes mit den Attributen Schwert, Lamm, Lilie und auf dem Haupt einen Kranz aus Rosen. In ihren Händen trägt sie eine Krone. Dieses Detail erinnert an eine der Visionen der hl. Birgitta, während der ihr die hl.Agnes eine Edelstein besetzte Krone präsentiert hat.

Der Blick vom Hauptraum durch das Gitter lässt die Schönheit des
großen Deckengemäldes im Nonnenchor erahnen.

Die kleineren Fresken zeigen Heilige, die mit Altomünster oder dem Birgittenorden verbunden sind. Sie stellen die drei göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe) und im vierten Bild die Ordenstugenden Armut, Keuschheit und Gehorsam dar.

Das erste Bild zeigt die hl. Katharina Tatara, eine frühere Tatarenprinzessin, die bei Birgitta in Rom lebte. Sie hält eine Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in der Hand,; eine Krone, Zeichen ihrer Prinzessinnenwürde, liegt neben ihr. Fides (Glaube) thront mit Kreuz und Kelch über dem Symbol für die Kirche dem kleinen Rundtempel.

Im zweiten Bild sitzt der hl.Alto auf Wolken und hält den Kelch mit dem Jesuskind in der Hand als Hinweis auf die Vision des hl.Alto. Neben ihm die Personifikation der Spes (Hoffnung) mit Anker.

 

Hinweis: Der Anker diente in biblischer Zeit nicht nur zum Festmachen, sondern auch zum Manövrieren des Schiffes. Er symbolisierte deshalb die göttliche Hilfe gegen die Bedrängnis der Christen in der Zeit der Verfolgung. Damals hat man ihn (mit Querbalken) als heimliches Zeichen für das Kreuz verwendet; insbesondere auf den Gräbern der Christen. Er war das Zeichen der Hoffnung während der Verfolgung. Dann verschwand der Anker als Symbol für die nächsten tausend Jahre. Erst im 15.Jh erhielt er wieder seine frühere Symbolik.

Rechts sind Vögel mit Zweigen zu sehen als Hinweis auf das sog. Vogelwunder des Alto bei der Rodung des Waldes für den Klosterbau.
Das dritte Bild zeigt den hl. Augustinus in Bischofsornat mit dem brennenden Herzen als Zeichen der Caritas (Liebe). Über Augustinus das Dreifaltigkeitssymbol mit drei Feuerzungen, die auf die vergeblichen Bemühungen des Heiligen bei der Ergründung des Wesens der Dreifaltigkeit hinweisen. Eine Stelle in seinem berühmtesten Buch "Confessiones/Bekenntnisse", in der seine feurige Gottesliebe zum Ausdruck kommt, verhalf ihm später zum Attribut eines flammenden Herzens.
Im vierten Bild sollen die spezifischen Ordenstugenden Armut, Keuschheit und Gehorsam herausgestellt werden. Abgebildet ist Katharina von Schweden, die Tochter der hl.Birgitta in Ordenstracht, die mit der Linken auf eine Krone neben sich weist. In der Rechten hält sie eine Lilie. Neben ihr steht ihr Attribut, die Hirschkuh. Katharina kam wie ihre Mutter aus vornehmer Familie. Darauf wird auf vielen Gemälden in der Altomünsterer Kirche durch eine Krone hingewiesen. Auch die Bevorzugung von Darstellungen der Heiligen königlicher Abstammung (Agnes, Wendelin, Leonhard, Florian u.a.) soll aufzeigen, dass Birgitta aus Liebe zu Gott ihr schönes Leben durch das beschwerliche Ordensleben eingetauscht hat.

Hans Schertl

zum Hauptraum/Kirchenschiff...
zum Altarraum...
zum Herrenchor...
Beichtraum Hauptraum Altarraum Herrenchor


Quellen:
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Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.4.2018