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Kirchen
in der Gem.Erdweg
Die ehem.Wies-Kapelle bei GROSSBERGHOFEN
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In einem Wald bei Großberghofen stand früher eine Kapelle zum gegeißelten Heiland von der Wies. Sie ist in einigen Publikationen erwähnt. Es gibt heute noch die Flurbezeichnung Kapellenacker vor dem südlichen Ortsausgang. Die Kapelle
wurde 1745 aus Holz und zwei Jahre später nochmals aus Steinen
errichtet. Sie bestand nur 58 Jahre und wurde 1803 im Zuge der
Säkularisation abgetragen. In der Kapelle
stand eine Figur des gegeißelten Heiland, eine Nachbildung des berühmten
Heilands in der Wieskirche bei Steingaden. Die Figur ist nicht mehr erhalten.
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1745, noch bevor in Steingaden der Grundstein für die berühmte Wieskirche gelegt wurde, entstand um das Gnadenbild im Baumstamm eine hölzerne Kapelle zum Schutz gegen die Unbilden der Witterung. Doch die einsame Gebetsstätte im Wald lockte auch Diebe und Gesindel an, die die Kapelle nach Feststellung des Dachauer Landrichters "zum öffteren ausgeraubet" haben.
Deshalb entschloss sich der seit 4.3.1746 in Großberghofen tätige Kurat Georg Waldherr eine aus Steinen gemauerte und verschließbare Kapelle in unmittelbarere Nähe des Dorfes erbauen zu lassen. Am 5.August 1747 meldete Pfarrer Rottmanner an das bischöfliche Ordinariat in Freising, dass die "Feld-Capellen bereits schon in vollkommenen Stand gebracht" sei. Er bat zugleich um Erlaubnis, das Gnadenbild im Baumstamm in einem feierlichen Akt in die Kapelle übertragen zu dürfen.
Doch vor der Erlaubnis kam ein Verweis, weil der Pfarrer die Kapelle ohne bischöfliche Genehmigung errichtet hatte. Er solle erst berichten, "was für eine Breite, Länge und Höche die neuerichte Capellen" habe und wie er sich die Deckung des finanziellen Unterhalt vorstelle. Pfarrer Rottmanner holte sich die Unterstützung des Landrichters in Dachau, der bestätigte, dass "Herr Curatus Georg Waldherr aus seiner privatandacht und mit dem wenigen Beytrag der samentlichen Pauren zu Grossenberghoven den pau der neuen Capellen daselbst uf sich genommen" und darüber hinaus noch 100 Gulden als Dotation beim Landgericht hinterlegt habe. Dies führte zur bischöflichen Erlaubnis, "daß in gedachten Capellen die bildtnus des gegeisleten Heylandts auf der Wiesen mit einiger Solennität (Festlichkeit), nemblich nach vorheriger Verkindtung und Zusammenrueffung des Volkhs übersezet werden möge".
Leider haben sich
über das Bauwerk und seine Ausstattung weder ein Bild noch eine Beschreibung
erhalten. Die Ortsgemeinde berichtete in einem Gesuch an das Ordinariat, die
Kirche sein "in portionierlicher Größe guett erpaut, dan durchgehents
wohl versichert und geschlossen und auch schön ausgezierdt". Wir kennen
zudem aus den Kirchenrechnungen die Baukosten (159 Gulden 33 Kreuzer + Hand-
und Spanndienste der Bewohner) und die Herkunft der beteiligten Handwerker (Glaser
aus Fürstenfeld, Schlosser von Dachau, Maler von Indersdorf). Von einem
Turm oder von Glocken ist nicht die Rede; den Abschluss des Dachgiebels bildete
ein "blöcherner" Knopf", der 2 Gulden kostete. Für
die Innenausstattung wurden gekauft: Leuchter und Maibüschel (3 Gulden
31), ein Kästl zum Opfer Wax (=Opferstock) für 2 fl., zwei geschnitzte
Bildnisse der Heiligen Leonhard und Antonius (3 fl.20 kr) sowie eine neue (Ewiglich-)Ampel
(10 fl. !).
Dass die Kapelle nicht klein war, lässt sich aus der Zahl von 8 Kirchenstühlen
ersehen ("8 neue Stiele in die Capellen"). Die geopferten Gelder und
Sachspenden (z.B. Tiere) brachten in wenigen Jahren so viel ein, dass alle Baukosten
gedeckt werden konnten.
Die Wallfahrt zum
Geißelheiland nahm auch nicht ab, als der erste Förderer Kurat Georg
Waldherr Großberghofen verließ und die Pfarrei Sulzemoos übernahm.
Im Frühjahr 1760 wütete eine schlimme Viehkrankheit in der Gegend.
Sie raffte in wenigen Tagen einen großen Teil der Pferde, Kühe und
Schweine hinweg. Jakob Mois berichtet, dass bei einem Bauern sieben Pferde Schwellungen
am Kopf bekamen und nach kurzer Zeit verendet sind ("kurzum gar crepieret").
In dieser Not wandten sich die Bauern in einer Bittprozession an den gegeißelten
Heiland und haben "hierauf auch alsobaldige Hilff erhalten". Nun entstand
der Wunsch, in der Kapelle regelmäßig eine Messe zu feiern. Im Gesuch
an den Bischof räumten die Großberghofener gleich evtl. finanziellen
Probleme aus, indem sie darauf hinwiesen, dass der Expositurkirche kein Schaden
erwachse, weil die Opfergefälle (Spenden) ohnehin dieser zuflössen.
Der Pfarrer von Sittenbach war allerdings nicht so begeistert. Zwar seien aus
der Kapellenkasse tatsächlich eine Albe und zwei Messgewänder gestiftet
worden, doch er halte die Wallfahrt für eine Modeerscheinung, wie dies
in Unterweikertshofen mit der Muttergottesstatue in der Buche auch gewesen sei.
"Sollche neue Andachten werden wunderselten alt", schreibt er, sie
kommen "ehenter in Verfall bevor sie recht wahrhafft angefangen. Gleichwie
es in loco Weigertshofen mit der klein erdenen Bildtnus Mariae Unser liebe Frau
in der Puech sich zugetragen hat". Und so schlug Pfarrer Rottmanner vor,
die Messe dürfe nur auf einem transportablen Altarstein gelesen werden
und zudem nur an Werktagen. Außerdem müsse die Erlaubnis auf 7 Jahre
beschränkt werden (Originaltext: "daß die heilige Meß
super portatili an denen Werchtägen allein, und längers nit als ad
Septennium verrichtet werden därfte").
Die Entscheidung des Bischofs ist nicht überliefert. Doch es ist anzunehmen,
dass er dem Vorschlag des Pfarrers folgte.
Über das weitere
Schicksal der Wieskapelle ist nicht viel bekannt. In der folgenden Zeit der
Aufklärung ist das Wallfahrtswesen allgemein zurückgegangen. Selbst
das Abrissjahr ist nicht bekannt. Man nimmt aber an, dass das Kirchlein bei
der Säkularisation als überflüssig eingestuft und abgetragen
wurde.
Verblieben ist allein die Flurbezeichnung "Kapellenacker" (alte Katasternummer
567). Doch Jakob Mois beklagt, dass Ende des 20.Jh. die Leute nicht mehr wussten,
welche Bedeutung dieser Name hatte.
Zum Andenken an diese Kapelle hat im Jahr 1950 der Hutter-Vater aus seiner heimatkundlichen Sammlung die Figur eines Geißelheilands gestiftet, die der Überlieferung nach aus dem 1802 abgerissenen Kloster Taxa stammen soll (siehe Bild links). Sie steht, nachdem man sie restauriert hatte, in der Friedhofskapelle bzw. dem Leichenhaus in Großberghofen.
Hans Schertl
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Quellen:
Pfarrer
Jakob Mois, Eine verschollene Wieskapelle im Dachauer Land, Amperland 1973/2
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über einige Kirchen im Landkreis Dachau,
ca.1950, unveröffentlicht (S.18)
1 Bild: Hans Schertl
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21.1.2011
13.6.2002