zur Landkreiskarte                                         Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Bethaus in EICHSTOCK


Adresse: 85229 Markt Indersdorf, Eichstock 3
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Eichstock liegt auf einer Anhöhe, rd. 1,5 km westlich von Ainhofen.
Eine interessante Beschreibung der Gegend lieferte die Zeitung Münchner Neueste Nachrichten vom 12.6.1931: "Zwischen den Flüssen Glonn und Paar... liegt eine Land-schaft, die durch sanfte, teilweise bewaldete Hügel gekennzeichnet ist. Dennoch ist es hier nicht einsam. Man befindet sich auf histo-rischem Boden. Hier lebt eine eigenartige Bevölkerung. Franken, Altbayern, Schwaben, Wenden, Italiener, sind hier zu einem Volks-schlag zusammengeschweißt worden, der sich durch Witz und Hartköpfigkeit auszeichnet. Dieses Gebiet ist auch in landwirtschaftlicher Hinsicht bedeutsam." 07)

Als Flurname kommt Eichstock schon im Jahr 1305 vor (Aychstoechinne). Dort im "Eichwald", so die Bedeutung des Wortes Eichstock, besaßen die Herren aus Harreszell einen Hof. 1345 wurde die Ansiedlung "Aychstok"genannt.

Im 30jährigen Krieg wurde der Hof zerstört. Einer Chronik ist zu entnehmen, dass das Anwesen "von 1642-1653 öd lag". Dann pachtete es ein Georg Landmann. 08)

Die Grundherrschaft lag bis zur Klosteraufhebung 1783, beim Kloster Indersdorf. Verwaltungsmäßig unterstand Eichstock dem Landgericht Kranzberg.

Im Jahr 1798 kaufte der Mennonit Gerhard Ruth aus Herxheim i.d.Rheinpfalz den Hof, 1826 erwarb ihn der Protestant Daniel Springer.

Verfolgung
Die Mennoniten in Eichstock gehörten zu den Glaubensflüchtlingen aus der Schweiz, wo sie von den Anhängern des Reformators Zwingli vertrieben wurden. Sie fanden in Rheinland-Pfalz und im Elsass eine Bleibe. Aber auch in Bayern waren die Mennoniten zunächst verfolgt worden. In den Jahren von 1527 bis 1581 wurden 223 Täufer verbrannt oder geköpft.


Religionsfreiheit in Bayern
Es dauerte noch mehr als 200 Jahre, bis unter Kurfürst Max IV. Joseph die Religionsfreiheit eingeführt wurde. Im November 1800 erhielten alle Protestanten Niederlassungsfreiheit. Wörtlich heißt es in dem Erlass: "Die Meinung, dass die katholische Religionsge-meinschaft die wesentliche Bedingung der Ansässigmachung in Bayern sei, ist irrig und nachteilig für Industrie und Kultur des Landes und ist weder in der Reichs- noch Landesverfassung begründet". 07)
Am 10.Januar 1803 wurde das bayerische Religionsedikt erlassen, das allen christlichen Untertanen die gleichen bürgerlichen Rechte zusprach. Daran erinnert ein Relief auf dem Sockel des Standbilds für Max Joseph vor dem Münchner Nationaltheater, das zum Andenken an sein 25-jähriges Thronjubiläum errichte wurde. 09)

Max IV. war in Zweibrücken in der Pfalz aufgewachsen und hatte dort die moderne Arbeitsweise der Mennoniten kennen gelernt. Ackerbau, Viehzucht und die Brandweinerzeugung standen bei den Mennoniten hoch im Kurs. Sie hatten die Düngung der Felder eingeführt und galten als die Erfinder des Odelfasses. 07)

Die Wittelsbacher der Nebenlinie Zweibrücken waren protestantisch. Wegen der Aussicht, das Erbe in Bayern antreten zu können, war die Familie zum katholischen Glauben konvertiert, hatte aber noch viel Sympathie für den Protestantismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen.


Zuwanderung nach Bayern
Schon ein Jahr vorher, 1802, hatte der Kurfürst Mennoniten-Familien ins Donaumoos berufen, zur Kultivierung des Moores und zur Verbesserung der landwirtschaftliche Produktivität in Bayern. Dies führte zur Gründung des Dorfes Maxweiler im Donaumoos / Landkreis Neuburg. 07)

1818 wanderten die ersten Familien in den Raum des heutigen Dachauer Landkreises ein. Sie siedelten in Stachusried, Eichstock, Wagenried, Lanzenried, Riedhof, Thann, Harreszell, Göppertshausen, Tafern, Fränking, Maisbrunn und Kleinschwabhausen. Man nannte sie die "Überrheiner", weil sie aus Gebieten jenseits des Rheins gekommen waren; dort waren die Mennoniten noch nicht gleichgestellt, sondern nur geduldet.

Die zweite geschlossene Siedlung der Mennoniten in Bayern (nach Maxweiler) mit einem gemeindeeigenen Gotteshaus und Friedhof war Eichstock, wobei König Ludwig I. wie sein Vater handelte und dem religiösen Eigenleben der Mennoniten keinen Widerstand entgegensetzte.

Die ersten Siedler waren die Brüder Jakob und Johann Dettweiler aus dem Elsass, die um 6200 Gulden den verwaisten Meierhof von Stachusried, den sog. Hammerbauernhof kauften. Er war bis zur Enteignung während der Säkularisation 1803 im Besitz des Klosters Scheyern gewesen. Ein Jahr später kamen die Familie Ruth nach Eichstock und die Familie Vogt nach Thann. 1820 folgten zehn weitere Familien.

Gemeindeleben im 19.Jh.
Zu ihren gottesdienstlichen Versammlungen trafen sich die Neusiedler anfänglich in den Wohnstuben dieses Hammerhofs in Stachusried sowie in Eichstock. In Wagenried hatten sie einen eigenen Friedhof.

Durch die weitere Zuwanderung wurde die Gemeinde immer größer.
- 1836/37 beschäftigte sich die Gemeinde intensiv mit dem Bau eines
   eigenen Gotteshauses.
- am 10.4.1838 stifteten die Brüder Johann und David Ruth den Grund für
   eine Kirche mit Friedhof.
- am 31.1.1841 erteilte die königl.Regierung eine Baugenehmigung. 07)

- So wurde 1841 in Eichstock ein Bethaus errichtet.
   Die Bauzeit betrug fünfeinhalb Monate.
- Am 14. Nov. 1841 wurde das Gotteshaus eingeweiht.


Steintafel am Bethaus

  Eine Tafel über dem Eingang (Bild rechts) erinnert an dieses Ereignis:
  Text: "Thut mir auf die Thüre dieses Hauses, daß ich dahinein gehe und dem Herrn danke. - Zum Lobe und Verehrung des
         großen Gottes wurde dieses Bethaus erbaut mit der gnädigsten Bewilligung des ietzt regierenden Königs Ludwig im
         Jahre Christi 1841. 1.Petri, 2,5. "
Von 1838-1845 waren die Gebrüder Ruth die ersten Prediger.


Gottesdienst

Natürlich gab es zwischen den Neuankömmlingen und den alteingesessenen Bauern Probleme. Dazu gehörten die anderen Sitten, die hier nicht gebräuchliche Tracht und die unterschiedlichen religiösen Gebräuche, die ein Miteinander beim Feiern erschwerten.
Die Mennoniten und anderen Protestanten störten sich an den sog. Kirchentrachten (Zehent, Reichnisse), die auf den Anwesen ruhten. Sie sahen nicht ein, dass sie als Protestanten dem kath.Pfarrer Abgaben leisten sollten. Sie hatten schließlich die Kosten ihrer eigenen Religionsausübung selbst zu tragen. Aber die Abgaben hielten sich zäh; trotz vieler Initiativen wurden sie erst 1912 abgeschafft. 02)

Auswanderung
Als in Bayern 1848 die Märzrevolution stattfand und durch Gesetzesänderungen Privilegien entzogen wurden, fühlten sich die die Mennoniten nicht mehr sicher. Zudem wurden die heranwachsenden Söhne zum Militärdienst verpflichetet. Sie durften zwar einen Ersatzmann stellen, doch ein solcher kostete rd. 1000 Gulden. Viele sehnten sich deshalb nach einer neuen Heimat mit Gewis-sensfreiheit und Heirat ohne Vermögensnachweis. Nordamerika war dafür ein gutes Ziel. Die ersten wanderten 1851 aus. 07)


1856 folgten die nächsten 22 Familien und gründeten die noch heute existierende Gemeinde Halstead in Kansas. Später verließen noch mehr Familien aus wirtschaftlichen Gründen unsere Gegend; sie kehrten teilweise ins Rheinland zurück oder wanderten nach Ungarn oder nach Amerika aus, so dass die Kirche in Eichstock in den 1920er Jahren fast ganz verlassen auf der Anhöhe stand. 03)

1868 wohnten in Eichstock 14 Bewohner, von denen 8 Mennoniten, 4 Protestanten und 2 Katholiken waren. Ähnlich waren übrigens die Einwohnerzahlen der nahegelegenen Ortschaft Harreszell (14 Bew, 6 Menn, 3 Prot, 5 Kath). In Wengenhausen waren alle 11 Bewohner Protestanten. 01)


Heutige Gemeinde
Erst nach dem 2.Weltkrieg wuchs -nicht zuletzt durch Zuzug- wieder eine lebendige Gemeinde heran. Derzeit sind es ca. 30 Gemeindemitglieder. Die sonntäglichen Gottesdienste haben rd. 20 bis 30 Besucher (um 1990: bis zu 170). Taufen finden im Freibad Ainhofen statt. 10)



Freizeitheim
Seit 1967 betreut die Kirche ein eigenes Tagungs- und Freizeitheim mit 46 Betten (Agape Gemeindewerk), die u.a. auch von der Pfadfindergruppe "Royal Rangers" der Freien Evangelischen Gemeinde Indersdorf genutzt wird. 10)


Friedhof

Um das Bethaus liegt seit 1838 der Friedhof mit den Gräbern der mennonitischen Gemeinde. Er war eine Schenkung der Familie Ruth. Die Grabinschriften spiegeln die Geschichte der Ansiedlung der Mennoniten in Eichstock und die hohe Wertschätzung der Bibel wider (Vergrößerung der Bilder durch Mouseklick).
Der erste Friedhof der Mennoniten im Dachauer Siedlungsgebiet, befand sich in Wagenried.


Grabinschriften

Grabinschriften

Das von alten Linden umstandene Bethaus in Eichstock ist auf einer Anhöhe errichtet, von der man einen wunderschönen Blick auf die Umgebung, insbesondere auf das Dorf Ainhofen hat. Es handelt sich um einen rechteckigen Bau mit Satteldach ohne Turm. Der Innenraum wird von 10 rundbogigen Fenstern erhellt. Als Altar dient ein einfacher, nur mit einem kostbaren Tuch bedeckter Tisch.
Der Eingang liegt auf der Rückseite. Über dem Vorraum ist eine Empore errichtet, von der man durch drei Mauerdurchbrüche einen guten Blick in den Betraum hat.

Bethaus und Freizeitheim wurden 2016 als reparaturbedürftig eingestuft 10).

Die Mennoniten   04), 06),

Die Mennoniten sind Mitglieder einer Religionsgemeinschaft, die im 16. Jh. entstand und als Täufergemeinde bekannt wurde. Ihr heutiger Name erinnert an den friesischen Priester Menno Simons(1492-1559), der ihr bedeutendster Führer war.
Die Mennoniten nennen sich selbst "Evangelische Taufgesinnte".
Die Religionsgemeinschaft lehnt die Kindertaufe, den Kriegsdienst, den Eid, die Ehescheidung und den staatlichen Zwang in Glaubensdingen ab.
Die Mennoniten wurden sowohl von katholischen als auch von evangelischen Landesherren verfolgt. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 galt für sie nicht. Die Hochburgen der Gemeinschaft liegen heute in den USA und in Kanada.
Die Mennoniten sind für ihre hervorragenden karitativen Leistungen bekannt.


Abendmahlfeier

 



Quellen:

01)
Heyberger/Schmitt/Wachter, Topografisch-statistisches-Handbuch des Konigreichs Bayern, 1868
02) Rudolf Goerge, Läutlaib, Flachs und Nudeln, Amperland 1988 (Reichnisse)
03) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
04) Infoschrift Eichstock
05) Jakob Fischhaber u.Josef Kröner, Langenpettenbach früher und heute, 1987
06) Dachauer SZ, 2001
07) Pastor Helmut Funck, Zur Geschichte der "Überrheiner" in Altbayern, Amperland 2005/2
08) Otto Hefele, Gerhard Becker: ''Chronik Ainhofen'' (Wikipedia)
09) Susanne Pfisterer-Haas, Festvortrag zum 175. Jubiläum der Kirche von Lanzenried am 17. Mai 2015 (Sockel)
10) Josef Ostermair, Volles Haus am Jubeltag, Dachauer Nachrichten vom 27.9.2016 (Rangers)
11) Wie in einem fremden Land, Dachauer Nachrichten vom 5./6./7. Jan. 2018
12) Internetseite der Mennoniten in Eichstock, Zugriff 2018/1


6 Bilder: Mennonitische Gemeinde (2), Hans Schertl (4)

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8.3.2018