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Bethaus in EICHSTOCK


Adresse: 85229 Markt Indersdorf, Eichstock 3
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Eichstock liegt rd. 1,5 km westlich über Ainhofen.
Als Flurname kommt Eichstock schon im Jahr 1305 vor (Aychstoechinne). Dort im "Eichwald", so die Bedeutung des Wortes Eichstock, besaßen die Herren aus Harreszell einen Hof. 1345 wurde die Ansiedlung "Aychstok"genannt.
Im 30jährigen Krieg wurde der Hof zerstört. Einer Chronik ist zu entnehmen, dass das Anwesen "von 1642-1653 öd lag". Dann pachtete ihn Georg Landmann. 1798 kaufte ihn der Mennonit Gerhard Ruth aus Herxheim i.d.Rheinpfalz, 1826 der Protestant Daniel Springer.

Die Grundherrschaft lag bis zur Klosteraufhebung 1783, beim Kloster Indersdorf. Verwaltungsmäßig
unterstand es dem Landgericht Kranzberg.

Die Mennoniten in Eichstock gehörten zu den Glaubensflüchtlingen aus der Schweiz, wo sie von den Anhängern des Reformators Zwingli vertrieben wurden. Sie fanden in Rheinland-Pfalz und Elsass eine Bleibe. Aber auch in Bayern waren die Mennoniten zunächst verfolgt worden. In den Jahren von 1527 bis 1581 wurden 223 Täufer verbrannt oder geköpft.

Es dauerte noch mehr als 200 Jahre bis unter Kurfürst Max IV. Joseph die Religionsfreiheit eingeführt wurde. Im November 1800 erhielten alle Protestanten Niederlassungsfreiheit. Wörtlich heißt
es in dem Erlass: "Die Meinung, dass die katholische Religionsgemeinschaft die wesentliche Bedingung der Ansässigmachung in Bayern sei, ist irrig und nachteilig für Industrie und Kultur des Landes und ist weder in der Reichs- noch Landesverfassung begründet.Am 10.Januar 1803 wurde das bayerische Religionsedikt erlassen, das allen christlichen Untertanen die gleichen bürgerlichen Rechte zusprach.

Schon ein Jahr vorher, 1802, berief der Kurfürst Mennoniten-Familien ins Donaumoos, zur Kultivierung des Mooses und im Bestreben, die landwirtschaftliche Produktivität in Bayern zu heben. Dies führte zur Gründung des Dorfes Maxweiler im Landkreis Neuburg. Ackerbau und Viehzucht standen bei den Mennoniten hoch im Kurs. Max IV. war in der Pfalz aufgewachsen und hatte dort die Arbeitsweise der Mennoniten kennen gelernt.


Die zweite geschlossene Siedlung mit einem gemeindeeigenen Gotteshaus und Friedhof war Eichstock, wobei König Ludwig I. wie sein Vater handelte und dem religiösen Eigenleben der Mennoniten keinen Widerstand entgegensetzte.

1818 wanderten die ersten Familien ein. Sie siedelten in Stachusried, Eichstock, Wagenried, Lanzenried, Riedhof, Thann, Harreszell, Goppertshofen, Tafern, Fränking, Maisbrunn und Kleinschwabhausen. Man nannte sie die "Überrheiner", weil sie aus Gebieten jenseits des Rheins gekommen waren. Dort waren die Mennoniten noch nicht gleichgestellt, sondern nur geduldet.

Die ersten Siedler waren die Brüder Jakob und Johann Dettweiler aus dem Elsass, die um 6200 Gulden den verwaisten Meierhof von Stachusried kauften, den sog. Hammerbauernhof kauften. Er war bis zur Enteignung während der Säkularisation 1803 im Besitz des Klosters Scheyern gewesen. Ein Jahr später kamen die Familie Ruth nach Eichstock und die Familie Vogt nach Thann. 1820 folgten zehn weitere Familien.

Zu ihren gottesdienstlichen Versammlungen trafen sich die Neusiedler anfänglich in den Wohnstuben dieses Hammerhofs in Stachusried sowie in Eichstock.
In Wagenried hatten sie einen eigenen Friedhof.

Durch die weitere Zuwanderung wurde die Gemeinde immer größer. 1836/37 beschäftigte sich die Gemeinde intensiv mit dem Bau eines eigenen Gotteshauses. 1838 stiftete David Ruth den Grund für eine Kirche mit Friedhof. 1841 erteilte die königl.Regierung eine Baugenehmigung. So wurde 1841 in Eichstock ein Bethaus errichtet. Die Bauzeit betrug fünfeinhalb Monate. Am 14.November 1841 wurde das Gotteshaus eingeweiht.

Eine Tafel über dem Eingang (Bild rechts) erinnert an dieses Ereignis:
Text: "Thut mir auf die Thüre dieses Hauses, daß ich dahinein gehe und dem Herrn danke. - Zum Lobe und Verehrung des großen Gottes wurde dieses Bethaus erbaut mit der gnädigsten Bewilligung des ietzt regierenden Königs Ludwig im Jahre Christi 1841. 1.Petri, 2,5. "


Gottesdienst

1856 wanderten 22 Familien nach Nordamerika aus und gründeten die noch existierende Gemeinde Halstead in Kansas.

Später verließen noch mehr Familien aus wirtschaftlichen Gründen die Gegend, so dass die Kirche in Eichstock in den 1920er Jahren fast ganz verlassen auf der Anhöhe stand.

Erst nach dem 2.Weltkrieg wuchs -nicht zuletzt durch Zuzug- wieder eine lebendige Gemeinde heran.


Um das Bethaus herum liegt der Friedhof mit den Gräbern der mennonitischen Gemeinde. Die Grabinschriften spiegeln die Geschichte der Ansiedlung der Mennoniten in Eichstock und die hohe Wertschätzung der Bibel wider (Vergrößerung der Bilder durch Mouseklick).

Der erste Friedhof der Mennoniten im Dachauer Siedlungsgebiet, befand sich in Wagenried.

Das Bethaus in Eichstock ist auf einer Anhöhe errichtet, von der man einen wunderschönen Blick auf die Umgebung, insbesondere auf das Dorf Ainhofen hat.

Die Mennoniten

Die Mennoniten sind Mitglieder einer Religionsgemeinschaft, die im 16. Jahrhundert entstand und als Täufergemeinde bekannt wurde. Ihr heutiger Name erinnert an den friesischen Priester Menno Simons(1492-1559), der ihr bedeutendster Führer war.
Die Mennoniten nennen sich selbst "Evangelische Taufgesinnte".
Die Religionsgemeinschaft lehnt die Kindertaufe, den Kriegsdienst, den Eid, die Ehescheidung und den staatlichen Zwang in Glaubensdingen ab.
Die Mennoniten wurden sowohl von katholischen als auch von evangelischen Landesherren verfolgt. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 galt für sie nicht. Die Hochburgen, der Gemeinschaft liegen heute in den USA und in Kanada.
Die Mennoniten sind für ihre hervorragenden karitativen Leistungen bekannt.


Abendmahlfeier

 

Quellen:
Dachauer SZ, 2001
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971

Infoschrift Eichstock

Jakob Fischhaber u.Josef Kröner, Langenpettenbach früher und heute, 1987
Helmut Funck, Zur Geschichte der "Überrheiner" in Altbayern, Amperland 2005/2
Otto Hefele, Gerhard Becker: ''Chronik Ainhofen''
(Wikipedia)
6 Bilder: Mennonitische Gemeinde (2), Hans Schertl (4)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.8.2008