zur Landkreiskarte             Kirchen in der Gem. Hebertshausen

Kapelle im Altenheim DEUTENHOFEN b.Hebertshausen

 

Beschreibung

Das Altenheim befindet sich in den Räumen des früheren Schlosses Deutenhofen, einem dreigeschossigen Bau mit Achteckturm. Zur früheren Schlosskapelle...

Dieses Schloss bestand schon im Jahr 1341; Besitzer war damals der Ritter Ulrich Gruber. Später wurde es Sitz der Hofmark Tewtenhofen. Seine jetzige Gestalt erhielt es wohl im 16.Jh, als die Familie Reitmor (Reitmayer) "das Schloss schön zuegricht und zierlich erbauet" hat, wie es in Urkunden heißt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss vom Schwedischen Heerführer Bernhard von Weimar zerstört und nach dem Krieg wieder auf- und sogar ausgebaut. Spätere Besitzer waren Veit Theimer, die Freiherren von Mandl von und zu Deutenhofen und die Grafen von Spreti (siehe Unterweilbach).

Nach dem 2.Weltkrieg diente das Schloss als Hilfskrankenhaus unter Leitung von Prof.Sewering.

Seit 1.10.1970 ist es Teil des Altenheims, das vom Bayerischen Roten Kreuz geführt wird.


Holz- Tabernakel in der Kapelle

Die kleine Kapelle ist im alten Schlosstrakt untergebracht. Der schlichte, weiß gestrichene Raum besitzt eine Gewölbedecke.

Hinter dem kleinen Altar ist eine Marienstatue angebracht. Maria steht auf der Weltkugel mit einer Mondsichel, die von einer Schlange als dem Sinnbild des Bösen umschlungen wird.

Rechts hängt an der Wand der hölzerne Tabernakel (siehe Bild oben rechts), verziert mit Getreideähren und Weintrauben als Hinweis auf Leib und Blut Christi. Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Madonnenstatue

In der Kapelle finden regelmäßig katholische und evangelische Gottesdienste statt, die auch von Bewohnern der Umgebung besucht werden können.

Ehemalige Schlosskapelle Deutenhofen
Früher befand sich im Schlosstrakt eine Schlosskapelle.
In der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 heißt es: "Von der Schloß-Capelle in Deutenhofen an der Straße von Hohenkammer nach Dachau kann das Erbauungsjahr nicht angegeben werden, jedenfalls ist es vor 1632. Denn in diesem Jahr hat Herzog Bernhard zu Sachsen-Weimar (mit den Schweden) Schloss und Hofmark niedergebrannt, wobei nur die einzige Schloß-Capelle unversehrt blieb. Noch jetzt zeigt man in selber das Bildniß der hh.Dreifaltigkeit u. Mariä Krönung, welches die Flammen ebenso wie alle Paramente verschont ließen. Ein ausgeprägter Stil ist nicht vorhanden. Die Baupflicht hat der Schloßbesitzer, derzeit (=1870) Herr Graf Spreti. Sie ist nicht consecriert (geweiht). Zur Zeit der Schmid'schen Martrikel (=1738) wurde schon selten dort super portatile (über einem tragbaren Altarstein) celebrirt, jetzt (=1870) längst gar nicht mehr. Pfarrer Anton Dalmayr sagt in seinem Berichte vom 14.11.1817, es sei seit 26 Jahren nur 1mal auf Begehrten der Baron v.Mandl'schen Herrschaft u.zwar an einem Werktage eine hl.Messe gelesen worden, und setzt bei: 'Es ist an Feiertagen nur ein Personalprivilegium für diese Familie darauf, das mit der letzten Linie exspirirt. Die Kapelle hatte einen Altar; Patron war die Allerheiligste Dreifaltigkeit und Mariä Krönung. Ein Patrocinium wird nicht gefeiert".

Hans Schertl


Quellen:
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Schlossbeschreibung von Landrat Dr.Pestenhofer, Mai 1971
Werner Meyer, Burgen in Oberbayern, Würzburg 1986
4 Bilder: Hans Schertl (2003)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

30.12.2008