zur Landkreiskarte                                         Kirchen in der Stadt Dachau


Die ehem. Kapelle in Udlding


 Schloss Udlding von Michael Wening 1726                                                                              

 


Beschreibung der Kapelle

In Udlding - zwischen Dachau und Mitterndorf gelegen- stand beim Zieglstadl (Udlding-Hs.Nr.1) eine Kapelle aus dem 18.Jh.
Diese Kapelle sollte 1802 im Zuge der Säkulisation abgebrochen werden. Gegen diese Entscheidung erhob Maria Francisca Kölle geb. Danzer, Generallandes-Directionsrats-Ehegattin, Einspruch. Sie begründete dies damit, dass ihre Eltern die Kapelle aus eigenen Mitteln erbaut hätten. 01)

Zwar wurde daraufhin der staatliche Befehl zum Abbruch ausgesetzt; doch der Besitzer des Sedelhofes und der Ziegelei, Maximilian Joseph Reichsfreiherr von Gumppenberg, der am 14.8.1798 von Kurfürst Karl Theodor mit dem adeligen Sitz Udlding belehnt worden war, ließ die Kapelle dennoch schon vor 1806 abbrechen. Sie stand wohl den umfangreichen Bauarbeiten nach dem Rückkauf der Felder und der Renovierung des Bauernhofs mit Nebauten der Ställe im Wege. 02)

Die gesetzliche Voraussetzung für den vorgesehenen Abriss schuf die Verordnung vom 17. April 1802, die bestimmte, daß überzählige Gotteshäuser abzubrechen seien und deren Baumaterial für neue Schulhäuser zweckdienlicher anzulegen sei (Motto: Schulen statt Kirchen; allgemeine Schulpflicht), Feldkapellen die nicht ordentlich consecrirt sind, sollen... abgebrochen, und das Material nach den höchsten Verordnungen vorzüglich zur Reparation oder Erbauung von Schulhäusern verwendet werden... Filialkirchen, Nebenkirchen und Kapellen, ganz entbehrlich und zwecklos, zumals wenn sie aus eigenen Mitteln ohne fremde Konkurrenz nicht erhalten werden können, sollen reduziert, und die Gebäude andern Zwecken gewidmet oder demolirt werden. 01)

Hans Schertl

Beschreibung des "Gefreiten Sitzes Udlding" von 1558-1799
aus dem Buch von Pankraz Fried, "Die Landgerichte Dachau und Kranzberg" 03)

Als gefreiter Sitz (auch Edelsitz) wurde in der Rechtsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches ein adliges Gut oder herrschaftliches Anwesen bezeichnet, das von bestimmten landesherrlichen Steuern, Lasten und Pflichten "gefreit" (also befreit) war.

In der Hofmarkenbeschreibung des Landgerichts Dachau vom Jahre 1558 ist bemerkt:
     "Udlding ain Sedlhof, den Haldenbergern von München zugehörig, ist kain Hofmarch, würdet auch nit dahin geschoben. Thuet
      der paur kain Scharberch, wann aber die gefreyten personen steurn, wirdet er neben denselben im Lanndtgericht belegt.
      Hat mein gn. Herr die Musterung". 04)
1606 ist erstmals der Münchner Bürger und Handelsmann Franz Füll als Inhaber des Sedlhofs beglaubigt, in dessen Familie er das ganze siebzehnte Jahrhundert über blieb. Im achtzehnten Jahrhundert findet sich der Sedlhof Udlding im Besitz des Kurfürsten, der ihn 1746 an den Freiherrn von Unertl "verbeständet" hatte.

1766
wird Udlding erstmals als „Sitz“ bezeichnet, den damals der kurf. Holkammerrat und Generalkassier Georg Erasmus von Wöhrl inne hatte. Im gleichen Jahre wurde das ruinöse Pfleghaus zu Dachau mit etwa 200 Tagwerk zugehörigem Grund als Realpertinenz mit aller Niedergerichtsbarkeit dem Sitz Udlding einverleibt. 1768 ging der Sitz an den kurf. Hofkammerrat Anton von Tänzer über. 1781 überließ ihn die kurf. Hofkammer dem Hofkammerrat Freiherrn von Lafabrique.
1781 empfing ihn die Reichs-Freiherrn Max von Gumppenberg.

Udlding (ehem. Weiler), 4 Anw.: Sitz Udlding 1/1 (Hofbau), 3 je 1/16;
Schlößchen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen.
Einschichtige Güter siehe zu Mitterndorf.

 

Hans Schertl

Quellen:
01) Georg Brenninger, Kirchenabbrüche im Gebiet des Amperlandes als Folgen der Säkularisation von 1803, Amperland 1992
02)
Dr.Gerhard Hanke, Andreas Wolfg.Stichanner als Gumpenberg'scher Verwalter in Udlding, Amperland 1965
03) Pankraz Fried, Die Landgerichte Dachau und Kranzberg, München 1958, Bayer.Staatsbibliothek MDZ
04) Die Haldenberger waren bereits 1517 im Besitz des Sedlhofes Udlding (Ger. Wolfratshausen Lit. 8 a f. 123).
      Um 1400 besaßen ihn die Dachauer von Lauterbach.

Bild: Wikipedia

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.5.2024