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Gedächtniskapelle "Regina Pacis" auf der Leiten


85221 Dachau, Leitenweg 10
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Beschreibung

Auf der Etzenhausener Leiten befindet sich der KZ-Ehrenfriedhof mit den letzten Ruhestätten von 7.439 größtenteils unbekannten Häftlingen, die noch kurz vor oder nach der Befreiung des Lagers starben. Am Westrand des Friedhofs steht der Rundbau der Gedächtniskapelle Regina Pacis. Auf einer Steintafel im Inneren der Kapelle in vier Sprachen (Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch) zu lesen: "Votivkirche. Vom italienischen Volk zum Andenken an seine Toten für die Freiheit aller Völker errichtet."

..... mehr über den KZ-Ehrenfriedhof Dachau-Leitenberg

Vom Parkplatz an der Straße von Dachau nach Hebertshausen aus führt ein Weg an den vierzehn Kreuzwegstationen vorbei.

In die mächtigen, rohbehauenen Marmorblöcke aus Montegrotto Termi bei Padua hat der Veroneser Bildhauer Vittorio di Colbertaldo die Kreuzwegreliefs geschlagen (1962).

 

6. Kreuzwegstation -
Veronika reicht Jesus das Schweisstuch dar
Der Name Veronika geht wahrscheinlich auf das lateinische"vera icon" = wahres Bild (Jesu) zurück.

Der Weg endet an der italienischen Gedächtniskapelle "Regina Pacis" ("Königin des Friedens"). Sie wurde mit Marmor aus Candoglia im Renaissancestil erbaut. Architekt war Ronca Euena. Zur Finanzierung des Baus hatte der Papst Pius XII. einen wertvollen Kelch verkauft. Den Marmor stiftete der Mailänder Kardinal Montini, der spätere Papst Paul VI. Die Kapelle erinnert an die 38.000 Italiener, die in nationalsozialistischen Konzentrationslagern (davon 1.735 in Dachau) umkamen und ist mittlerweile auch Zeichen für die von den Nazis Ermordeten aller Nationen.

In der Unterkirche hängt hinter Glas eine gerahmte Urkunde, in der in drei Sprachen (Latein, Italienisch und Deutsch) auf die Vorgänge, die zum Bau geführt haben, hingewiesen wird:
Text: "Heute am 5.August 1960, anlässlich des in München feierlich tagenden Eucharistischen Weltkongresses, übergibt der Ausschuss zur Errichtung einer Votivkapelle in Dachau (Comitato pro erigenda Capella Votiva a Dachau), der von dem Verein der Freiheitskämpfer Venetiens in Verona ins Leben gerufen wurde und unter dem hohen Partronat des Präsidenten der italienischen Republik steht, diese Botschaft und mauert sie für die
Ewigkeit in der Vorhalle ein. Diese Botschaft besagt, dass die Votivkapelle zum Gedächtnis an die 38.000 italienischen politischen Deportierten, die für die Freiheit aller Völker gefallen sind, errichtet wurde und der Heiligsten Jungfrau Maria "Regina Pacis" gewidmet ist. Sie fanden nicht den Frieden einer Grabstätte, sie erhielten kein segnendes Kreuz; ihre sterbliche Hülle wurde in den Krematorien verbrannt und ihre Asche wurde in alle Winde verstreut. Die Bayerische Regierung nahm den Antrag des Stifter-Ausschusses an und gab die Genehmigung zur Errichtung des Denkmals auf dem heiligen Boden des Leitenberg-Hügels, den sie großzügigerweise schenkte. Der Ausschuss entbietet der Bayerischen Regierung seinen tief empfungenen Dank für die hohe Anerkennung der geistigen Beweggründe, die zur Errichtung des Denkmals führten und erklärt, dass dieses Denkmal ein Zeugnis sein soll für die Überwindung vergangner Gegensätze und für den Friedenswillen zwischen dem italienischen und dem deutschen Volk im weitesten Bereich der wieder erlangten demokratischen Freiheit."
Die Kapelle wurde am 29.Juli 1963 vom Mailänder Bischof Lercaro im Beisein des italienischen Staatspräsidenten Segni, des deutschen Bundespräsidenten Lübke und des bayerischen Ministerpräsidenten Goppel eingeweiht. Papst Johannes XXIII. stiftete Messgewänder. Die Inschrift an einer Säule mit einem (wohl noch antiken) korinthischen Kapitell erinnert in italienischer Sprache an den Besuch von Segni.

 

Inneneinrichtung:

Im Inneren überrascht die Höhe der mit goldfarbenen Mosaiksteinchen ausgestatteten Kuppel. Sie hat einen Durchmesser von neun Metern. Am Ansatz der Kuppel bildet ein Textband auf blauem Grund einen optischen Sockel: "QUASI FLOS ROSARUM IN DIEBUS VERNIS QUASI ARCUS REFULGENS INTER NEBULOS"
In der Mitte des Raums steht der Altar aus Marmor. Das Antependium ist mit einem monochromen Relief der Grablegung Christi geschmückt.
An der dem Eingang gegenüberliegenden Wand ist in einer Nische eine überlebensgroße steinerne Marienfigur "Königin des Friedens" angebracht.
Die beiden schmalen Fenster in der Wand rechts und links vom Altar sind mit Glasgemälden verziert, die Details aus dem Leben des Evangelisten Markus (Patron von Venedig mit Markusdom) und des hl.Zeno (Patron von Verona mit Zenokirche) zeigen.
Der Afrikaner Zeno wurde 362 zum Bischof von Verona gewählt. Seine Legende rühmt an ihm die Fürsorge für Arme und Kranke sowie seine unerschrockene Tatkraft gegen das aufflackernde Heidentum und gegen die Anhänger des Arianismus. Als einer der ersten in der abendländischen Kirche setzte er sich nachdrücklich für die Lehre von der Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria ein.
AntependiumKuppelRegina Pacis

Neben den Fenstern sind Fresken der in Italien besonders verehrten Heiligen Franziskus von Asssis (der Heilige steht unterhalb der Burg vor der Kirche in Assisi und zeigt dem Betrachter seine Wundmale) und Katharina von Siena (mit der Bibel in der Hand vor der Stadt Siena stehend). Katharina ist die Patronin Italiens.
Franziskus ist in der braunen Kutte der Franziskaner abgebildet. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.

 

Der hl. Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Kurz vor seinem Tod erhielt er die Wundmale an Händen und Füßen (Stigmata).
Katharina von Siena trat im Jahre 1365 mit 18 Jahren in den Dritten Orden der Dominikaner in Siena ein. Sie widmete sich zunächst mit voller Hingabe der Krankenpflege. Auch sie wurde stigmatisiert (1375). 1376 reiste Katharina nach Avignon, um dort bei Papst Gregor XI. Fürsprache für die im Krieg mit dem Papsttum befindlichen Florentiner einzulegen. Zwar scheiterte ihre Mission, doch konnte sie den Papst dazu bewegen, nach Rom zurück zu kehren. Katharina kehrte nach Siena zurück und kümmerte sich wieder um die Hilfsbedürftigen. 1378 brach das Abendländische Schisma aus, Caterina unterstützte Papst Urban VI. und zog auf seinen Wunsch hin nach Rom, um für die Einheit der Kirche zu arbeiten. Katharina gilt in Italien als "die größte Frau der Kirchengeschichte". Erhalten sind 381 ihrer Briefe als Zeugnisse mystischer Theologie.


Die Kapelle Regina Pacis beherbergt auch eine Unterkirche, zu der eine Wendeltreppe hinter dem oberen Altar hinabführt.

In der Unterkirche steht ein weiterer Altar; an den Wänden hängen Bilder.

..... zur Internetseite der KZ-Gedenkstätte Dachau

Hans Schertl

Quellen:
Internetseiten
          des Vereins zum Beispiel Dachau
   und "Dachau Scrapbook"
Rita Lassen, Stadtführung am 20.2.2005
Dachauer SZ vom 12.5.2005
Dachauer Nachrichten vom 8.9.2005
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011
(braun)
14 Bilder: Hans Schertl (2001,2005)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20.6.2005