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Kirchen
im Stadtgebiet Dachau
Kapelle Hl.Kreuz (Gottesackerkapelle) in DACHAU
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1933 sollte die Kapelle abgerissen werden. Durch
private Spender konnte dies abgewendet werden.
Bei den nun folgenden Restaurierungen 1934 und 1959 wurde die einfache, auf
zwei Säulen ruhende Überdachung vor dem Eingang durch das heutige
Vorhaus, die kleinen ovalen Fenster durch größere Rundbogenfenster
und auf dem Dach die Ziegel durch Schindeln ersetzt.
Seit 1961 ist der Bau Gedächtniskapelle für die Gefallenen der beiden Weltkriege und wird seither auch als Kriegergedächtniskapelle bezeichnet.
In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 ist auch die Hl.Kreuzkapelle als Filialkapelle der Pfarrei St.Jakob unter der Überschrift "Capella s.Crucis in coemeterio extra portam Dachaviensem" (im Friedhof außerhalb der Stadttore) kurz beschrieben. In dieser Kapelle, im kommunalen Friedhof gelegen, ist ein Altar vorhanden, der dem Hl.Kreuz geweiht ist. Gottesdienste werden üblicherweise am Fest Kreuzerhöhung und am Kirchweihfest gefeiert, das auf den zweiten Sonntag nach Jakobi (24.Juli) fällt. Außerdem gibt es eine Wochen-Mess-Stiftung, die sich auf eine Aufzeichnung in einer Visitationsakte von 1705 stützt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Eine Sakristei ist zwar vorhanden, doch gäbe es dort keine Messgewänder. Die würden von der Pfarrkirche mitgebracht.
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Darin wird auch die Krumpperkapelle kurz erwähnt. Mayer schreibt: "Capelle auf dem Gottesacker, deren früherer Altar vom Bischofe Johann Franz consecriert war; der gegenwärtige ist (ein) portatile (Tragaltar). Patrozinium Hl.Kreuz-Erhöhung (14.9.). Es wird hier öfter celebriert, aber nicht an fixen Tagen. Früher mußte der Pfarrer hier wochentlich 1 Messe halten. Der Meßnerdienst wird von der Pfarrkirche aus versehen."
Im
Zwiebeltürmchen hängt die älteste Glocke Dachaus. Das
gotische Glöckchen wurde im Jahr 1406 gegossen und war für
die neue Dachauer Schlosskapelle bestimmt. Herzog Ernst hatte damals das Schloss
auf dem Berg neu errichten lassen, nachdem die Dachauer Burg in der Altstadt
zerstört worden war. Die in gotischen Minuskeln (=Kleinbuchstaben) erstellte
Inschrift auf der Glocke lautet "ihs+maria+if.06+iar+" und wird als
"Jesus+Maria+Josef, 1406 Jahr" gedeutet. Nach dem Abriss der Seitenflügel
des Schlosses und damit der Schlosskapelle im Jahr 1806 kam die Glocke nach
St.Jakob und fungierte dort als Totenglöckchen für gestorbene Kinder.
Später lagerte sie längere Zeit auf dem Dachboden der Pfarrkirche
bis sie durch Initiative des früh. Kulturreferenten Rauffer restauriert
und in der Friedhofskapelle aufgehängt wurde. Die drei Zentner schwere
Glocke, die am Rand schon etwas ausgefranst ist, läutet nur achtmal im
Jahr: An Weihnachten, Neujahr, Ostern, Fest der Kreuzauffindung, Pfingsten,
Fronleichnam, Fest der Kreuzerhöhung und an Allerheiligen.
Die zweite Glocke kam 1925 aus der Gießerei Gebr.Oberacher aus München.
Sie trägt neben dem Bild des Erzengels Michael die Inschrift "Im Weltkrieg
hinweggerafft-1925 neu beschafft vom Gemeinderat Dachau".
Eine weitere Glocke für die Friedhofskapelle goss Josef Ignaz Daller im
Jahr 1793. Vielleicht war sie es, die "im Weltkrieg hinweggerafft"
worden war.
Wenn Sie an einer Aufstellung der ältesten Glocken im Landkreis Dachau
interessiert sind, klicken Sie hier...
Im 17. bis ins 20. Jahrhundert war
es üblich, in der Gottesackerkapelle am Karfreitag und Karsamstag ein "Heiliges
Grab" aufzubauen und es mit Ampeln zu beleuchten sowie durch mit gefärbten
Wasser gefüllten gläsernen Kugeln zu schmücken. Dies ist nun in die Kapelle
unter der Jakobskirche verlegt. Mehr über "Heilige Gräber"
in den Landkreiskirchen finden Sie hier...
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In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Kapelle wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Im Inneren bildet eine Nachbildung der spätgotischen Kreuzigungsgruppe (1567) von Adam Krumpper, dem Vater Hans Krumppers, den Hauptschmuck der Kapelle. Die Originalfiguren sind seit 2005 in der Jakobskirche über dem Südeingang zu sehen. Diese Gruppe, die am Bild rechts noch an der Rückwand zu sehen ist, bestand aus dem Kruzifix, links darunter Maria, rechts der Apostel Johannes. Unter der früheren Kreuzigungsgruppe ist in einer Nische hinter dem Altar eine Heilig-Kreuz-Reliquie angebracht (Bild siehe oben). Patrozinium ist am 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung (Crucis exaltatio). Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam so ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten. Auf der rechten Seite der Kapelle hängt das ehemalige Altarblatt des 1867 von Pfarrer Kaspar Silner für die Gottesackerkapelle gestifteten Altars. Es ist im sog. Nazarenerstil gehalten und stellt die Grablegung Christi dar. |
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An der linken Seite ist eine Figur des
hl. Johannes Nepomuk befestigt, die früher der wichtigste Kultgegenstand
der 1732 erbauten Nepomukkapelle war und nach dem Abriss dieser Kapelle im Jahr
1802 in der Pfarrkirche St.Jakob kam. Dort wurde vor der Nepomukstatue täglich
während der Frühmesse laut der Rosenkranz vorgebetet. Dies störte
jedoch die Gottesdienstbesucher und so kam die Statue 1818 in die Gottesackerkapelle,
wo der Rosenkranz jeden Abend gebetet wurde. 1854 und 1880 wurde die Nepomukfigur
vom Maler Anton Huber neu gefasst.
Dargestellt ist die Figur mit den Gewändern Rochett, Mozetta und Birett.
Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch ist dem
höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten".
Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das
über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte
Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes
den Kopf der Priester bedeckt.
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin
v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Josef Bogner, Graeber bekannter Persoenlichkeiten in und um Dachau, Amperland
1974
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Gerhard Boos, Durch seine Wunden sind wir geheilt, 1985
Dr.Gerhard Hanke, Die Dachauer Gottesackerkapelle, Amperland 1992
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dachauer SZ v. 8.9.2007 (Bezeichng Kriegergedächtniskp)
Dachauer Neuste/Dachauer SZ vom 24./25.11.1979 und vom 30.4.2004
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
8 Bilder: Hans Schertl (2002)
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12.2.2011