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Kapelle Hl.Kreuz (Gottesackerkapelle) in DACHAU

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür


Beschreibung

Der heutige Dachauer Stadtfriedhof wurde vor über 430 Jahren angelegt. Die erste Nachricht stammt aus einer Urkunde, nach der am 9.Oktober 1579 die Dachauer Bürgerin Anna Großöttin zwei Krautstücke zum "neugeweichten Gots Agkher am Prugperg außer Marckts Dachau" stiftete. Der Jochersche Friedhof lag jenseits des Marktgrabens zwischen Augsburger und Freisinger Tor, den man im 17.Jh. in Höhe des Gottesackers überbrückte. 1696 erweiterte man das Gräberfeld. Es besitzt eine Fläche von 14.000 und Platz für 1700 Gräber, die alle belegt sind.

Die Kriegergedächtniskapelle Heiligkreuz auf dem Dachauer Friedhof (früher Gottesackerkapelle genannt) ist vermutlich auch nach Plänen Hans Krumppers gebaut worden. Es ist ein kleiner, achteckiger Zentralbau (um 1628) mit Zeltdach und Laterne mit Zwiebeltürmchen. Hinter der Kapelle ist die Sakristei angebaut. Die Vorhalle wurde erst 1934 errichtet.

Die Kapelle wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder restauriert. Insbesondere nach dem  30jährigen Krieg war dies notwendig. Aber auch unter den Stürmen hatte die freistehende Kapelle schwer zu leiden. Der Wind drückte häufig die aus Blei gefassten Butzenscheiben ein. Auch der damals mit Blech gedeckte Turm wurde oftmals beschädigt.

Heilig Kreuz-Reliquiar 

1933 sollte die Kapelle abgerissen werden. Durch private Spender konnte dies abgewendet werden.
Bei den nun folgenden Restaurierungen 1934 und 1959 wurde die einfache, auf zwei Säulen ruhende Überdachung vor dem Eingang durch das heutige Vorhaus, die kleinen ovalen Fenster durch größere Rundbogenfenster und auf dem Dach die Ziegel durch Schindeln ersetzt.

Seit 1961 ist der Bau Gedächtniskapelle für die Gefallenen der beiden Weltkriege und wird seither auch als Kriegergedächtniskapelle bezeichnet.

In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 ist auch die Hl.Kreuzkapelle als Filialkapelle der Pfarrei St.Jakob unter der Überschrift "Capella s.Crucis in coemeterio extra portam Dachaviensem" (im Friedhof außerhalb der Stadttore) kurz beschrieben. In dieser Kapelle, im kommunalen Friedhof gelegen, ist ein Altar vorhanden, der dem Hl.Kreuz geweiht ist. Gottesdienste werden üblicherweise am Fest Kreuzerhöhung und am Kirchweihfest gefeiert, das auf den zweiten Sonntag nach Jakobi (24.Juli) fällt. Außerdem gibt es eine Wochen-Mess-Stiftung, die sich auf eine Aufzeichnung in einer Visitationsakte von 1705 stützt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Eine Sakristei ist zwar vorhanden, doch gäbe es dort keine Messgewänder. Die würden von der Pfarrkirche mitgebracht.

Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Darin wird auch die Krumpperkapelle kurz erwähnt. Mayer schreibt: "Capelle auf dem Gottesacker, deren früherer Altar vom Bischofe Johann Franz consecriert war; der gegenwärtige ist (ein) portatile (Tragaltar). Patrozinium Hl.Kreuz-Erhöhung (14.9.). Es wird hier öfter celebriert, aber nicht an fixen Tagen. Früher mußte der Pfarrer hier wochentlich 1 Messe halten. Der Meßnerdienst wird von der Pfarrkirche aus versehen."

Im Zwiebeltürmchen hängt die älteste Glocke Dachaus. Das gotische Glöckchen wurde im Jahr 1406 gegossen und war für die neue Dachauer Schlosskapelle bestimmt. Herzog Ernst hatte damals das Schloss auf dem Berg neu errichten lassen, nachdem die Dachauer Burg in der Altstadt zerstört worden war. Die in gotischen Minuskeln (=Kleinbuchstaben) erstellte Inschrift auf der Glocke lautet "ihs+maria+if.06+iar+" und wird als "Jesus+Maria+Josef, 1406 Jahr" gedeutet. Nach dem Abriss der Seitenflügel des Schlosses und damit der Schlosskapelle im Jahr 1806 kam die Glocke nach St.Jakob und fungierte dort als Totenglöckchen für gestorbene Kinder. Später lagerte sie längere Zeit auf dem Dachboden der Pfarrkirche bis sie durch Initiative des früh. Kulturreferenten Rauffer restauriert und in der Friedhofskapelle aufgehängt wurde. Die drei Zentner schwere Glocke, die am Rand schon etwas ausgefranst ist, läutet nur achtmal im Jahr: An Weihnachten, Neujahr, Ostern, Fest der Kreuzauffindung, Pfingsten, Fronleichnam, Fest der Kreuzerhöhung und an Allerheiligen.
Die zweite Glocke kam 1925 aus der Gießerei Gebr.Oberacher aus München. Sie trägt neben dem Bild des Erzengels Michael die Inschrift "Im Weltkrieg hinweggerafft-1925 neu beschafft vom Gemeinderat Dachau".
Eine weitere Glocke für die Friedhofskapelle goss Josef Ignaz Daller im Jahr 1793. Vielleicht war sie es, die "im Weltkrieg hinweggerafft" worden war.
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Im 17. bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, in der Gottesackerkapelle am Karfreitag und Karsamstag ein "Heiliges Grab" aufzubauen und es mit Ampeln zu beleuchten sowie durch mit gefärbten Wasser gefüllten gläsernen Kugeln zu schmücken. Dies ist nun in die Kapelle unter der Jakobskirche verlegt. Mehr über "Heilige Gräber" in den Landkreiskirchen finden Sie hier...

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Kapelle wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. 

Im Inneren bildet eine Nachbildung der spätgotischen Kreuzigungsgruppe (1567) von Adam Krumpper, dem Vater Hans Krumppers, den Hauptschmuck der Kapelle. Die Originalfiguren sind seit 2005 in der Jakobskirche über dem Südeingang zu sehen. Diese Gruppe, die am Bild rechts noch an der Rückwand zu sehen ist, bestand aus dem Kruzifix, links darunter Maria, rechts der Apostel Johannes.

Unter der früheren Kreuzigungsgruppe ist in einer Nische hinter dem Altar eine Heilig-Kreuz-Reliquie angebracht (Bild siehe oben). Patrozinium ist am 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung (Crucis exaltatio).  Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam so ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.

Auf der rechten Seite der Kapelle hängt das ehemalige Altarblatt des 1867 von Pfarrer Kaspar Silner für die Gottesackerkapelle gestifteten Altars. Es ist im sog. Nazarenerstil gehalten und  stellt die Grablegung Christi dar.

Apostelfigur -zur Vergrößerung bitte klickenApostelfigur -zur Vergrößerung bitte klickenlinker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klickenFiguren auf Taufbecken -zur Vergrößerung bitte klickenApostelfigur -zur Vergrößerung bitte klicken Kreuzreliquienschrein - Vergrößerung durch MouseklickVergrößerung durch MouseklickVergrößerung durch MouseklickVergrößerung durch Mouseklick
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An der linken Seite ist eine Figur des hl. Johannes Nepomuk befestigt, die früher der wichtigste Kultgegenstand der 1732 erbauten Nepomukkapelle war und nach dem Abriss dieser Kapelle im Jahr 1802 in der Pfarrkirche St.Jakob kam. Dort wurde vor der Nepomukstatue täglich während der Frühmesse laut der Rosenkranz vorgebetet. Dies störte jedoch die Gottesdienstbesucher und so kam die Statue 1818 in die Gottesackerkapelle, wo der Rosenkranz jeden Abend gebetet wurde. 1854 und 1880 wurde die Nepomukfigur vom Maler Anton Huber neu gefasst.
Dargestellt ist die Figur mit den Gewändern Rochett, Mozetta und Birett. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes den Kopf der Priester bedeckt.

Hans Schertl


Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50

Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874

Josef Bogner, Graeber bekannter Persoenlichkeiten in und um Dachau, Amperland 1974

Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Gerhard Boos, Durch seine Wunden sind wir geheilt, 1985
Dr.Gerhard Hanke, Die Dachauer Gottesackerkapelle, Amperland 1992
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dachauer SZ v. 8.9.2007 (Bezeichng Kriegergedächtniskp)
Dachauer Neuste/Dachauer SZ vom 24./25.11.1979 und vom 30.4.2004
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1


8 Bilder: Hans Schertl (2002)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.2.2011