zur Landkreiskarte          ausführliche Beschreibg          Kirchen i.d. Gem.Weichs

Filialkirche St. Stephan in AUFHAUSEN

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  Kurzbeschreibung

Der Ort Aufhausen wurde erstmals im Jahr 957 als Uüfusa (Häuser auf der Höhe), die Kirche erst im Jahr 1524 (als Weichser Filialkirche S.Stephani in Auffhausen) urkundlich erwähnt.

Der heutige Kirchenbau, noch immer eine Filiale der Pfarrei Weichs, wurde in den Jahren 1713-1719 nach Plänen von Hans Maurer aus Hirtlbach erbaut. Dabei wurden von der spätgotischen Vorgängerkirche Teile des Altarraums sowie die Sakristei an der Südseite übernommen.
Der Altarraum schließt mit drei Seiten. Die Fenster sind in barocker Ovalform gehalten.

Der Turm auf der Westseite besitzt einen quadratischen Sockel und einen achteckigen Aufbau mit Zwiebel.

Die beiden Glocken sind schon sehr alt: Die größere wurde 1620, die kleinere, die zu den ältesten Glocken im Landkreis zählt, im Jahr 1423 gegossen.


Die Kirche wurde 1869-72 und zuletzt im Jahr 1966 renoviert.

Inneneinrichtung

Die Langhausdecke ist mit dem Gemälde Bekehrung des hl.Paulus (1944) geschmückt.

Der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1715 besitzt einen prächtigen Säulen-Aufbau. Mittelpunkt ist ein Ölgemälde aus der 2. Hälfte des 19.Jh, auf dem die Steinigung des hl. Stephanus dargestellt ist.
Im Auszug des Hochaltars ist auf einem ovalen Bild die hl. Klara als Klosterfrau zu sehen.
Als Assistenzfiguren stehen der hl. Laurentius (mit Feuerrost) und der hl. Sebastian (mit Pfeil) aus der 2.Hälfte des 15.Jh auf Postamenten.

Auf der Nordseite des Chores ist die Besonderheit der Kirche zu sehen: zwei ehemalige Altarflügel aus der Zeit um 1520/30 mit Darstellungen der Kreuzabnahme, der Beweinung Christ und der Verkündigung. Sie könnten aus dem Umkreis des Landshuter Hofmalers Hans Wertinger stammen. Es sind die einzigen Altarflügel aus gotischer Zeit im Dachauer Land.

AltarblattLaurentiusSt.SebastianSt.KlaraAltöttinger MadonnaAltarblattSt.JosefAltarblattLeonhardAnna  selbtrittKruzifixMater dolorosaVortragekreuz
Vergrößerung von 13 Details (z.B. Altarbilder, Figuren) per Mousetaste auf das Objekt

Der barocken Seitenaltäre sind der hl.Maria (Immaculatagemälde-1870) und dem hl.Markus (Bild des Heiligen mit Löwen - 1720) geweiht. In den Aufsatzgemälden werden St.Josef (mit Jesuskind) und St.Leonhard (mit Viehketten) dargestellt.

Weitere Figuren und Bilder in der Kirche:
- Anna-selbdritt-Figur aus gotischer Zeit
- St.Stephanus als Figur mit  Märtyrerpalme, Buch und Steinen (1556)
- St.Stephanus im ovalen Wallfahrtsbild (um 1800)
- Marienbild, Kopie nach der Herzogspitalmutter in München (18.Jh).

Interessant ist die Brüstung der Empore. Sie ist aus alten Holztafelbildern aus dem 17.Jh zusammengesetzt, die die zwölf Apostel, Paulus, Christus und Maria darstellen.

An der letzten Bank steht ein schöner Opferstock  mit zwei Schließgurten (17.Jh).


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Kirchenneubau 1713 Matrikel 1738
Beschreibung 1884    
Ausstattung: Altarraum Altöttinger Madonna Anna selbtritt Baubeschreibung Choraltar
Chorglocke Deckenfresken Empore Gotischer Flügelaltar
Kapelle im Turm Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzigungsgruppe Kreuzweg
Opferstock Seitenaltäre Votivbilder Vortragekreuze weitere Bilder

Die Ortschaft Aufhausen wurde Ende des 10.Jh als Uüfusa (Häuser auf der Höhe) erstmals urkundlich erwähnt. Der Edle Perahtold tauschte einen Teil seiner Güter in Pfaffenhofen mit gegen einen gleichwertigen Besitz des Bischofs Abraham von Freising (957-994) in Aufhausen. Diese Urkunde, die sich in der Sammlung "Freisinger Traditionen" über die Jahrhunderte erhalten hat, wurde von 20 anwesenden und in der Urkunde namentlich erwähnten Zeugen bestätigt. Die Zeugen waren nach einem typisch baierischen Brauch an den Ohrläppchen gezogen worden (testes per aures tracti), damit sie sich später besser an den Tausch erinnern konnten.

Im späteren Mittelalter gehörte ein Teil des Ortes den Weichser Herren.

Geschichte der Kirche


Matrikel von 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist die Kirche in Gundackersdorf nicht namentlich genannt, weil die Buchstelle mit der Aufzählung der damals zwei Filialkirchen von Weichs nicht mehr leserlich ist. Allerdings ist auch nicht sicher, ob Aufhausen zu den Filialen von Weichs zählte.


Matrikel von 1524

Eine Kirche in Aufhausen wird namentlich erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 als Filialkirche von Weichs genannt ("Weichs habet quinque ecclesias filiales: videlicet s.Stephani in Auffhausen. .").


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Weichs ist auch Aufhausen kurz erwähnt.

Die Filialkirche St.Steffanus hat ein eigenes kleines Einkommen (neben dem der Pfarrei) in Höhe von 2 Gulden und 4 Schilling sowie 3 Pfund Wachs. Dem standen keine Ausgaben gegenüber ("hat kain Ausgab"). Die Kirchenrechnung erstellten die Hofmarksherrn aus Weichs im Beisein des Pfarrers und des Kirchenverwalters. Das in den Jahren angesammelte Kapital in Höhe von 20 Gulden hat man ausgeliehen. Aufhausen besaß ein Mesnerhaus. Der Mesners verrichtete seine Arbeit gut, denn im Bericht heißt es: "die kirchen wirt sauber gehalten". Gottesdienste fanden jeden zweiten Sonntag statt. Mess-Stiftungen oder Jahrtage gab es nicht. Auch eine Bruderschaft war nicht vorhanden. Das Altarsakrament wurde liturgisch rein gehalten. Die heiligen Öle und das Taufwasser waren im Pfarrhaus aufbewahrt. An Gerätschaften standen zur Verfügung: "Ein Kelch mit Corporale, zwei Messbücher und zwei Messgewänder. Der Bericht endet mit dem beruhigenden Satz: "Die kirch ist zimblich paut und stet in andern dingen nit ubl".


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 über die Visitation in der Pfarrei Weichs (in heutigem Deutsch) lesen
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Kirchenneubau 1713

Die heutige Filialkirche St. Stephanus in Aufhausen wurde in den Jahren 1713-1719 nach Plänen von Hans Maurer aus Hirtlbach erbaut und 1721 feierlich eingeweiht. Von der spätgotischen Vorgängerkirche wurden nur Teile des Altarraums und die Sakristei übernommen.


Matrikel 1738/40

Die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 beschreibt deshalb die Kirche als neuen Bau mit drei Altären, die schon damals dem St.Stephanus, der Jungfrau Maria und dem Evangelisten Markus geweiht waren. Die Sonntagsgottesdienste wurden abwechselnd mit Eglersried gefeiert. Um die Kirche war ein Friedhof mit Beinhaus angelegt. Im Turm hingen zwei Glocken.


Beschreibung 1880

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1870 bis 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Weichs auch die Filialkirche St.Stephanus in Aufhausen enthalten. Im Dorf selbst wohnten 140 Seelen (in 25 Häusern). Die Wege zur 2 km entfernten Pfarrkirche seien großenteils beschwerlich, besonders bei nasser Witterung, erwähnt Westermayer. Und über die Kirche schreibt er: "Nördlich vom Pfarrsitze gelegen. Erbauungjahr unbekannt. Restaurirt 1869-1872. Baustyl ursprünglich gothisch, nun Renaissance. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht liegt bei der Kirche. Kuppelthurm mit 2 Glocken. Darauf folgende Inschriften: a) auf der größeren Glocke: 'Maria bin ich Xaveri bayer purger zu München goss mich. MDCXX (=1620)' b) auf der kleineren: "heinrich zingieser anno Domini MillCCCCXXIII (=1423)'. 3 Altäre. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienst im Wechsel mit Egelsried, wenn die Cooperatur besetzt ist (=wenn in Weichs ein Kaplan tätig ist). Stiftungen: 5 Jahrmessen. Meßner und Cantor ein Gütler des Ortes. Kirchenvermögen: 7.500 Mark".

Die Kirche wurde 1869-72 und zuletzt im Jahr 1966 renoviert.


Baubeschreibung

Der Altarraum schließt mit drei Seiten. Die Fenster im Chor und Langhaus haben die typisch barocke Form eines Ovals.
Außen an der Südwand des Kirchenschiffs, zwischen den ovalen, typisch barocken Fenstern, hängt ein großes Holzkreuz ohne Corpus.
Über dem Eingang ist eine Sonnenuhr an die Wand gemalt. Wenn Sie auch die anderen Sonnenuhren an den Kirchen im Landkreis Dachau in einer Zusammenschau sehen möchten, klicken Sie hier. .
Turm und Glocken
Der Turm auf der Westseite mit der kleine Zwiebelkuppel ist halb eingebaut. Im unteren Teil ist er quadratisch, darüber ein achteckiger Aufbau mit der Zwiebel. In der engen Turmstube hängen nebeneinander zwei Glocken.


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Die beiden Glocken sind schon sehr alt: Die größere (Durchmesser 66 cm) wurde 1620 von Xaver Beyer aus München gegossen. Sie enthält folgenden Text: "Maria bin ich Xaveri beyer purger (Bürger) zu München goss mich. MDCXX".
Die kleinere Glocke (Durchm. 48 cm) gehört zu den ältesten Glocken im Landkreis. Sie wurden im Jahr 1423 von Glockengießer Heinrich Zingieser aus Mch. erstellt. Der Text auf ihr lautet: "heinrich zingieser anno Domini MillCCCCXXIII."

Aufschrift auf der alten Glocke
Eine Zusammenstellung der ältesten Glocken im Landkreis Dachau erhalten Sie, wenn Sie hier klicken. .
V
orhaus

Der Eingang ist auf der Südseite unter einem Vorhaus mit stämmigen Pfeilern. Im Inneren dieses Vorhauses sind in einer Nische hinter Gittern einige Totenschädel und weitere Menschenknochen aufbewahrt, die aus den Gräbern des Friedhofs exhumiert worden waren, um wieder Platz für später Verstorbene zu machen.
Möglicherweise stand an dieser Stelle bis vor ca. 150 Jahren das 1738/40 beschriebene Beinhaus.


Inneneinrichtung


Altarraum


Der eingezogene Chor schließt in drei Seiten eines Achtecks und ist mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Die Stichkappen sind rosa eingefärbt.
Das kleine Deckengemälde aus dem Jahr 1944 stellt einen Pelikan dar, der seine Jungen mit seinem Blut ernährt. Was hat der Pelikan mit dem Geschehen auf dem Altar zu tun? Im Mittelalter war das Aussehen des exotischen Vogels in unseren Breiten nicht bekannt. In alten Büchern (Bestiarium, Physiologus) wird berichtet, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh. nachgewiesen. Biologisch ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand wohl, weil die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er dabei den Schnabel auf die Brust stemmt, um die Fische einfacher auswürgen zu können und dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, falsch gedeutet wurde.
In St.Jakobus/Vierkirchen wird der Entwurf für das Deckenbild in Aufhausen als Aquarell in einer Größe von 66 x 50 cm aufbewahrt. Es ist signiert mit "Richard Holzner, München".



Hochaltar
Der barocke Hochaltar besitzt einen prächtigen Aufbau. Vier rot marmorierte Wendelsäulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen stützen ein verkröpftes Gebälk mit seitlichen Sprenggiebeln. Darauf ein vergoldetes Blumendekor, das das Aufsatzgemälde umgibt. Die Säulen enthalten ein vergoldetes Mittelstück.
Der Altar dürfte aus der Zeit des Kirchenbaus (ca. 1715) stammen. Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb ist die Säule vor allem an Altären eine beliebte Bauform.
Mittelpunkt des Altars ist ein Ölgemälde aus der 2. Hälfte des 19.Jh, auf dem die Steinigung des hl. Stephanus, des Patrons der Kirche, dargestellt ist. Der Heilige kniet mit erhobenen Händen auf der Erde. Hinter ihm hat ein Mann einen großen Stein erhoben, um ihn auf Stephanus zu schleudern. Im Himmel hält ein Putto hinter Wolken schon den Märtyrerkranz bereit.
  Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.

Als Assistenzfiguren stehen der hl. Laurentius (mit Feuerrost) und der hl. Sebastian (mit Pfeil) aus der 2.Hälfte des 15.Jh auf Postamenten.
Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze; als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern.
Hinweis: Sebastian war der Legende nach im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Im Auszug des Hochaltars ist auf einem ovalen Bild aus der Zeit um 1715 die hl. Klara dargestellt. Auf dem Bild kniet die Heilige im Ordenshabit vor einer Monstranz mit Hostie, dem Leib des Herrn. Klara lebte im 13. Jh und gründete zusammen mit Franz von Assisi die Schwesterngemeinschaft der Klarissinnen, den späteren "Zweiten Orden" der Franziskaner. 
Der Legende nach hat St.Klara kurz vor ihrem Tod mit der Monstranz in der Hand eindringende Sarazenen in die Flucht geschlagen. Im Hintergrund des Bildes ist ein Wirtschaftsgebäude des Klosters zu sehen, vor dem zwei Nonnen Wasser schöpfen und einen Stall ausmisten.
Auf dem Altar steht kein Tabernakel mehr. Das Gehäuse für die Aufbewahrung der geweihten Hostien ist reparaturbedürftig und befindet sich derzeit hinter dem Altar.


V
otivbilder

An der Chorsüdwand hängen drei Votivbilder, obwohl von Aufhausen keine Wallfahrt bekannt ist. Es mögen vielleicht Zeichen des Dankes für gewährte Hilfe oder der Bitte für Verstorbene von Ortsangehörigen sein.
Ein Bild von 1802 zeigt den Sturz in einen Brunnen, der durch die Bitte Mariens glimpflich ausging. Vor dem Hintergrund eines Hauses steht ein Mann in bayerischer Tracht an der Brunnenwinde, während eine Frau kopfüber in den Brunnenschacht stürzt. Darüber steht auf Gewölk die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm (ähnlich dem Altöttinger Gnadenbild).
Ein zweites Votivbild zeigt die Errettung der armen Seelen im Fegefeuer durch den verklärten Christus; darüber Maria auf Erden mit dem toten Leib ihres Sohn Jesus auf ihrem Schoß. Der Name Fegefeuer geht auf das mittelhochdeutsche Wort fegen für reinigen zurück (mittellateinisch purgatorium). Nach Papst  n (540-604) ist es der Ort, an dem die  Seelen Verstorbener durch zeitlich begrenztes Feuer, Eis oder Wasser von ihren lässlichen Sünden gereinigt werden. Nach katholischen Glauben können Menschen durch Gebete und die Feier von Seelenmessen die Aufenthaltsdauer einer Seele  im Fegefeuer verkürzen. Die protestantischen Kirchen lehnen die Lehre vom Fegefeuer ab.
Das dritte Bild zeigt eine Bauernmalerei des hl.Stephanus.


Gotischer Flügelaltar

Auf der Nordseite des Chores ist die Besonderheit der Kirche zu sehen: zwei ehemalige Altarflügel aus der Zeit um 1520/30 mit geschwungener Rahmenbekrönung und gedrehter, astholzartiger Angelleiste. Sie enthalten Darstellungen der Kreuzabnahme und der Beweinung Christi sowie -auf den Außenseiten- die Verkündigung der göttlichen Botschaft durch den Erzengels Gabriel an Maria. Der Altar wird zu einer Art Monstranz, der dem Bedürfnis des spätmittelalterlichen Menschen nach Schauen des Heiligen entgegenkommt. Solche Altarflügel aus der spätgotischen Zeit sind im Landkreis Dachau einmalig.
Leider fehlt der Mittelteil, der bei geöffneten Flügeln das zentrale Bild dargestellt hat. Ob der Altar für die frühere Kirche in Aufhausen bestimmt war, ist nicht sicher. Er könnte in gotischer Zeit auch in einer anderen Kirche (z.B. in Weichs) gestanden haben, bis er im Rahmen der Barockisierung entfernt wurde und hier in Aufhausen seinen Platz gefunden hat. Die Kunsthistorikerin Elisabeth Hinterstocker, die im Jahr 2007 die Altarflügel wissenschaftlich untersucht und analysiert hat, ist zur Auffassung gekommen, dass das Gemälde aus der Umgebung des Landshuter Hofmalers Hans Wertinger stammt. Darauf lässt der Stil der Gemälde schließen, der mehr der Landshuter als der Münchner Malschule gleicht. Ein weiteres Indiz ist der künstlerische Vergleich der Gesichter der auf den Altarflügeln abgebildeten Personen mit entsprechenden Abbildungen auf zurechenbaren Gemälden von Hans Wertinger. Außerdem gehörte die Hofmark Weichs um 1520 zum Landgericht Kranzberg und damit zu Niederbayern mit der Hauptstadt Landshut.

Offener Altar- linker Flügel
geschlossener Altar (Rückseiten)
Offener Altar- rechter Flügel
Kreuzabnahme
Verkündigung
Beweinung Christi

In gotischer Zeit waren die Flügel der Altar an normalen Tagen geschlossen und zeigten so die Verkündigungsszene mit der Botschaft an den Betrachter: Herabsteigen des Gottessohnes in die menschliche Gestalt und in die Gestalt des Brotes.
Geöffnet wurden die Altarflügel nur an Sonn- und Feiertagen; dann zeigten sie die Festtagsseiten, die Kreuzabnahme und die Beweinung Christi und dazwischen den (derzeit fehlenden) Mittelteil. Dieser Mittelteil hatte -so Kunsthistorikerin Hinterstocker- eine ähnliche Form wie die geschlossenen Flügel mit der Verkündigungsszene. In ihm könnte eine Figur, wie z.B. die spätgotische Figur der Anna selbdritt gestanden haben, begleitet von zwei Heiligenfiguren. In dieser Art sind jedenfalls andere gotische Flügelaltäre aus der gleichen Zeitspanne gestaltet.
Maße je Flügel: Höhen 153,5 / 132 cm, Breiten: innen 41,5 / außen: 54,5 cm.


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Die Altarflügel mit den Kreuzigungsszenen wurden Ende des 19.Jh jeweils im oberen Teil übermalt. Die Übermalung von leider sehr minderer Qualität umfasst die Gestalt Christi am Kreuz und den Hintergrund aus Himmel, Sonne und Bergen.

Zum den mittleren Tafeln (Verkündigung):
Der Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes) im roten Gewand überbringt Maria die Botschaft Gottes. Maria blickt überrascht von einem Buch auf, das sie soeben noch gelesen hatte. Sie ist vom Sessel hinter ihr aufgestanden; um 1500 bestand die Auffassung, Maria habe den Gruß des Engels stehend erwidert. Mit ihren gefalteten Händen wirkt sie, als sei sie ganz erfüllt von der Botschaft des Engels. Sie erscheint im Gegensatz zum viel größeren Gabriel zart und mädchenhaft. Dazu trägt auch ihr offenes Haar bei, das sie als unverheiratete Frau ausweist. Über dem Haupt Marias schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer (etwas pummeligen) Taube auf sie nieder.

 


Altöttinger Muttergottes
An der Seitenwand steht noch eine Nachbildung der Muttergottesfigur aus Altötting.  Die Muttergottes ist mit einer Herzogskrone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.
  Hinweise: Der Apfel ist Sinnbild des Paradiesapfels und damit des Sündenfalls. Jesus nimmt den Apfel entgegen und überwindet durch seinen Tod die Erbsünde. Der meist vom Kreuz bekrönte Reichsapfel ist Teil der Insignien christlicher Herrscher. Er versinnbildlicht den Erdball. Die ersten Darstellungen stammen aus dem Konstantinopel des 4./5. Jh. In Deutschland findet der Reichsapfel erst 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. (1165-1197) Erwähnung.
Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.



C
horglocke

Am Zugang zur Sakristei hängt die Chorglocke, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes anzeigen. Es handelt sich um eine kleine Glocke, die mit einem reich bestickten Zugband zum Klingen gebracht wird. Darüber ein Metallkreuz mit drei Querbalken. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.

 

Kirchenschiff / Langhaus


Deckengemälde


Das Kirchenschiff ist ein heller Saalbau mit flacher Decke, auf die eine einfache Felderteilung (Quadrate und Kreise) stuckiert wurde. Wahrscheinlich wurde der Stuck 1714 vom Baumeister Hans Mauerer angebracht, denn für so einfache Stuckarbeiten holte man keinen Spezialisten. In einen der Stuckrahmen ist ein großes Deckenfresko mit dem Titel "Bekehrung des hl. Paulus" gemalt. Auf dem unteren Teil des Bildes fällt Saulus, von einem Lichtstrahl aus dem Himmel getroffen, vom Pferd. Im oberen Teil des Bildes thront Christus -von Engeln umgeben - auf den Wolken. Das Bild wurde 1944 gemalt. Der Maler ist nicht bekannt.



Seitenaltäre

Die raumhohen, etwa 1,80m breiten Seitenaltäre mit portalartigem Aufbau wurden wohl im 18.Jh erstellt. Sie sind stilistisch und farblich dem Choraltar angepasst. Links und rechts steht je eine Säule mit Kompositkapitell. Auf dem verkröpften Gebälk sind zwei akanthusbekrönte Vasen aufgesetzt. Der Auszug ist mit einem Herzen im geflammten Strahlenkranz bekrönt.

Linker Seitenaltar

 

 

Der linke Altar ist Maria geweiht, die als Immaculata in den Händen eine Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) hält und mit den Füßen den Kopf der Schlange zertritt. Das Haupt Mariens ist von einem Sternenkranz umgeben. Zwei Engel halten im unteren Teil ein brennendes Herz und einen Blumenkranz. Das Bild wurde um 1870 im sog. Nazarenerstil gemalt.
Hinweis: Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt. Die Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.

Im Auszug ein Bild des hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm. In der Hand hält er die Lilie der Keuschheit. Auch dieses Bild stammt aus der Zeit um 1870.
  Hinweis: Josef war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.


Rechter Seitenaltar

Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist das Altarblatt, das den Evangelisten Markus mit einem Löwen zu seinen Füßen zeigt (Öl auf Leinwand). Der Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt.
In einigen Beschreibungen wird Hieronymus als möglicher Patron des Altars in Aufhausen genannt, weil auch dieser Heilige als Attribut den Löwen hat. Doch die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 beschreibt den Altar als Markusaltar. Es gibt keinen Grund, warum sich das Patronat geändert haben sollte.

Das Altarblatt dürfte um das Jahr 1720 gemalt worden sein. Darauf deutet das Stifterwappen rechts unten hin. Es ist das Ehewappen des damaligen Hofmarksherrn von Jetzendorf Johann Anton v.Stromer (linkes Wappen) und seiner aus Weichs stammenden Ehefrau Maria Anna Josepha Freiin von Tannberg (rechtes Wappen). Nach Auffassung des früheren Kreisheimatpflegers Angerpointner könnte es sich bei dem Gemälde um ein Hochzeitsgeschenk für die Eheleute gehandelt haben, die 1721 heirateten. Als diese keine Verwendung für das große Gemälde fanden, hätten sie es der Kirche in Aufhausen weitergeschenkt.
 

Im Altarauszug der hl. Leonhardmit Abtsstab, der Bibel und den obligatorischen Ketten (1720).
  Hinweis:  Leonhard (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18.Jh.
  ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt.



Anna selbdritt

Neben dem rechten Seitenaltar ist eine schöne figürliche Darstellung der  Anna selbdritt angebracht. Die spätgotische Figur wurde um 1480 geschnitzt. Auf dem linken Knie der Mutter Anna sitzt ihre Tochter Maria, auf ihrem rechten Knie den Enkelsohn Jesus. Maria und Jesus halten sich an den  Händen. 

 

 

Hinweis: Anna war nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna  (1. Samuel 1-2) soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehes ihr Kind Maria geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt. Dass mit der Figurengruppe besonders Anna herausgestellt werden soll, ist auch daran zu erkennen, dass sie als einzigen einen Heiligenschein (Nimbus) trägt.
Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm, so wie hier in Aufhausen; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.

KreuzwegbilderJakobus d.JüngereJakobus d.ÄltereMatthiasThomasSimon der ZelotPetrusChristusPaulusPhilippusBartholomäusThaddäusAndreas Deckengemälde Opferstock Sthulwangen Kruzifix VortragekreuzMariaApostel JohannesMatthäusKreuzwegbilderMuttergottesbildMarienaltarHarmoniumSt.Johann BaptistOpferstock
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Kreuzigungsgruppe

An der Südwand hängt ein großes Kruzifix aus barocker Zeit mit darunter stehender spätgotischer Madonnenfigur aus der Zeit um 1480.
Der tote Christus am Kreuz blutet noch aus der Seitenwunde. Sein Gesicht hat aber keinen schmerzverzerrten Ausdruck, sondern scheint zu lächeln. Der flatternde Lendenschurz weist das Kreuz als barockes Kunstwerk aus.
Die Madonna ist keine typische Darstellung der mater dolorosa, auch wenn ein Schwert ihre Brust (ihre Seele) durchbohrt. Der Gesichtsausdruck und die Haltung der Hände deuten darauf hin, dass es hier eine andere typologische Figur dargestellt werden sollte.
Die Haltung der Hände verweisen auf eine Muttergottes mit Kind. Aber auch eine andere Heilige wäre denkbar. Das Schwert wurde erst nachträglich angebracht. 


Gegenüber der Kreuzigungsgruppe war früher die Kanzel angebracht. Sie wurde 1944 bei der Kirchenrenovierung entfernt.


W
eitere Skulpturen und Bilder

Der Patron der Kirche, der hl. Stefan ist noch in zwei weiteren Darstellungen zu sehen: 

An der Nordseite des Langhauses, anstelle der alten Kanzel, steht auf einem Podest eine Schnitzfigur des hl. Stephanus aus dem Jahr 1556 mit der Märtyrerpalme in der linken Hand und einem Buch mit darauf liegenden Steinen in der Rechten.
Die gleichen Attribute hat der Heilige auch auf einem ovalen Bild in den Händen, das in der Nähe der Figur hängt. Dieses um 1800 gemalte Bild soll früher -ungerahmt- bei Wallfahrten mitgetragen worden sein. Erst seit 1944 hängt es eingerahmt an der Kirchenwand.

An der Südwand hängt ein Bild der Schmerzensmutter Maria in schildförmigem Rahmen. Vor mehreren Putten im Hintergrund steht Maria im weiten, roten Mantel auf Gewölk. In ihrer Brust steckt ein Schwert; in der Hand hält sie ein großes Tränentuch.

Das Bild ist eine abgewandelte Kopie nach der Herzogspitalmutter in München. Es dürfte in der 2.Hälfte des 18.Jh gemalt worden sein.


K
irchenbänke


Die Kirchenbänke (2 mal 8 Reihen) haben barocke Wangen. Das Muster der kunstvoll geschnitzten Kirchenstuhlwangen 
entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land.
Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf, Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Sigmertshausen, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet. Wenn Sie die Muster vergleichen wollen, klicken Sie hier. ..
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch hier in Aufhausen.


V
ortragekreuz


An den Bänken ist ein schön gestaltetes Vortragekreuz angebracht. 
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Kreuzwegbilder

An den Wänden im rückwärtigen Bereich der Kirche hängen die vierzehn Kreuzwegbilder. Es sind Ölbilder auf Leinwand und dürften in der Zeit um 1890 gemalt worden sein.
Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier. .



Opferstock
An der letzten Bank steht ein gut gesicherter Opferstock mit zwei Schließgurten. Der Holzsockel ist kunstfertig behauen. Er dürfte aus dem 17.Jh stammen.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.


Emporenbrüstung


Ein prächtiges Bild bietet die Emporenbrüstung, die mit einem Ölbilderzyklus aus der Zeit um 1650 verziert ist. Dargestellt werden die Apostel, Christus und Maria. An der Emporenbrüstung sind zehn ursprüngliche Apostel (ohne Judas),der Judasersatz Matthias und der Ehrenapostel Paulus zusammen mit Christus zu sehen. Der letzte Apostel versteckt sich unter den drei gleichartige Gemälden an der Westwand der Empore. Dort hängen Bilder von Maria (Mitte), dem hl. Johannes dem Täufer und des Apostels Johannes.Wann und für welche Kirche diese Tafeln gemalt wurden, ist nicht bekannt.Für die Emporenbrüstung
warensie sicher nicht bestimmt. Nach Ansicht von Experten ist die Malerei "etwas derb, aber durchaus qualitätsvoll".  

Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias kam nach dem Tod von Judas hinzu; Paulus erhielt die Apostelwürde im Jahr 258 zuerkannt. Das sind zusammen 13 Apostel, die in Aufhausen auch alle dargestellt sind.
Apostel Johanes
Maria
Johannes Baptist
Matthäus
Andreas
Thaddäus
Barholom
Philippus
Paulus
Christus
Petrus
Simon Z
Thomas
Matthias
Jakob d.Ä
Jakobus J


Die Kirche hat keine Orgel. Auf der Empore steht ein Harmonium, mit dem der Gesang der Gemeinde begleitet wird. 


Kapelle im Turm
Im Erdgeschoss des Turms, in dem früher die Glockenseile hingen, ist jetzt eine kleine Fatimakapelle eingerichtet. Die Muttergottesfigur brachten Pilger aus der Pfarrei Weichs von einer Wallfahrt nach Fatima in Portugal mit.

Hans Schertl


Quellen
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1205)
Dachauer Nachrichten vom 3./4.9.1966
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Alois Angerpointner, Expertise zum Wappen auf einem Altarblatt, 1983
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Frau Ambros, Mesnerin, 2002
Heinrich Fitger, Weichs, 2005
Matthias Ligsalz, 2006
Elisabeth Hinterstocker, Vortrag "Geheimnis der Aufhausener Altartafeln", 2007
62 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

7.6.2010