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Landkreiskarte ausführl.Beschreibung
Kirchen
i.d.Gem.Röhrmoos
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Filialkirche St. Johannes u. Paulus in ARZBACH
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Arzbach wurde am 16. Juni
779 als Aruzzapah mit einer Marienkirche erstmals urkundlich erwähnt.
Er verdankt seinen Namen jenen Eisenerzvorkommen, die schon im frühen
Mittelalter aus dem südlich des Ortes vorbeifließenden Erzbach
abgetragen wurden.
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Das in seiner Einfachheit fast archaisch anmutende Gotteshaus ist ein verputzter Ziegelbau (Mauerstärke ca. 1 Meter) mit noch unverändertem Grundriss: einschiffiges, ziemlich kurzes, flachgedecktes Langhaus und stark eingezogener, rechteckiger Chor im Osten unter dem Turm (Chorturmanlage).
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Inneneinrichtung Das Langhaus ist ein schlichter, flachgedeckter Raum von bescheidenen Ausmaßen (7 mal 5 Meter). Am großen Chorbogen sind mehrere
Figuren angebracht: An der Stelle der Seitenaltäre stehen seit den 1980er Jahren Figuren der Muttergottes und des Apostel Andreas' (mit Andreaskreuz). |
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Die Ausstattung besitzt nach Meinung des Kunsthistorikers
Gottfried Weber zwar nur "lokalen Kunstwert";
sie sei aber in ihrer Schlichtheit beeindruckend.
Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...
Beschreibung
der Kirche
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Der Ort und die Kirche in Arzbach wurden am 16. Juni 779 als Aruzzapah erstmals urkundlich erwähnt. Damals schenkte eine Frau namens Hroadsuuind (die Gattin des Frumolt) eine der Gottesmutter Maria geweihte Kirche in Aruzzapah dem Bistum Freising. 28 Jahre später, im Jahr 807, erhielt der Bischof weiteren Besitz "zu Aruzapach" von dem Edlen Altman.
Arzbach verdankt seinen Namen jenen Eisenerzvorkommen, die schon im frühen
Mittelalter aus dem südlich des Ortes vorbeifließenden Erzbach abgetragen
wurden. Dies bestätigen Funde aus Eisenschlacken. Nördlich des Orts,
in Richtung Schillhofen, weisen zwei Hügelgräber auf Ansiedlungen
in vorchristlicher Zeit hin.
Bemerkenswert ist die Aussage des Historikers Ludwig Westenrieder, ihn habe
die schöne Aussicht bei Arzbach zu Thränen gerührt.
Geschichte der Kirche
Erste Kirche
Die erste schriftliche Nennung einer Kirche in Arzbach datiert, wie oben
erwähnt, aus dem Jahr 779. Die Kirche sei von einem Maio gegründet
worden, heißt es in der Urkunde.
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romanisches Bogenfries auf der Nordseite |
Die heutige, zur Pfarrei Pellheim gehörende Filialkirche St. Johannes und Paulus dürfte im 13. Jh. entstanden sein und soll der Sage nach auf den Fundamenten eines römischen Wachturmes stehen. Es handelt sich um eine Chorturmanlage, die in der Kunstepoche der Romanik allgemein sehr beliebt war. |
| Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Pellheim ist auch Arzbach kurz erwähnt. |
Im Jahr 1630, kurz bevor der 30jährige Krieg unser Gebiet erreichte, haben der Bildhauer Constantin Pader und der Maler Christoph Pfab einen neuen linken Seitenaltar erstellt. Mehr über Constantin Pader, der übrigens Baumeister der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum war, erfahren Sie hier. .
Und aus dem Jahr
1730 ist bekannt, dass die Arzbacher alljährlich nach St.Benno in
München (= Frauenkirche) gewallfahrtet sind, mit Sängern und
Fahnenträgern, die dafür ein Entgelt von insgesamt 45 Kreuzern erhielten.
Das Vermögen der Kirche hatte damals übrigens 429 Gulden betragen.
| Matrikel
1738/40 Die erste detaillierte Beschreibung der Kirche ist der Schmidt'schen Matrikel enthalten, die der Freisinger Kanonikus Schmidt in den Jahren 1738 bis 1740 erstellt hat. Danach war die Kirche "ss.Joannis et Pauli atque Aegidii" ein unansehnlicher Bau mit zwei Altären. Der Hauptaltar hatte die Märtyrer Johannes und Paulus, und den hl.Abt Ägidius zum Patron, der andere Altar die Heiligen Sebastian und den Einsiedler Antonius. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei Glocken. Die Messgewänder bewertete Schmidt als dürftig und billig. Die Beschreibung endet mit dem einzige Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses wirdet diser Zeit yber 300 fl. (Gulden) nit betreffen". Das bedeutet, dass man innerhalb eines Jahrzehnts vor dem Besuch von Schmidt 130 Gulden ausgegeben hat. Interessant ist, dass das Patronat jedenfalls bis 1740 neben Johannes und Paulus auch St.Ägidius umfasste, und zwar 1524 an erster und 1740 an zweiter Stelle. |
35 Jahre nach der abschätzigen Bewertung durch Kanonikus Schmidt, im Jahr 1775, wurde die Kirche trotz des relativ geringen Vermögens renoviert.
Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche
St.Johannes und Paulus von Arzbach als Nebenkirche der Pfarrei Pellheim enthalten.
Damals wohnten hier 69 Gläubige (in 10 Häusern). Mayer schreibt:
| "Erbauungsjahr unbekannt. Thurm und Mauern uralt (man will sie als Römerbauten erkennen). Stil ursprünglich gothisch; einschiffig, später verzopft (=barock). Baupflicht: an der Kirche die Kirche(nverwaltung), am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Kleiner Sattel-Thurm mit 2 wohltönenden Glöcklein. 3 Altäre. Gottesdienst am Patrozinium (=26.6.). Stiftung: 1 Jahrtag. Meßner ist ein Gütler. Vermögen 1870 rd. 3800 Gulden." |
Beschreibung 1893
Die Arzbacher Kirche wird auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches
Bayerns beschrieben, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage
des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten
erstellt haben. Im Bericht heißt es:
| "Spätromanische Anlage des 13.Jh (?). Dem Langhaus schliesst sich ein eingezogener, rechteckige Chor an. Spätere Zuthaten sind die Sakristei an der Südseite des Chores und das Vorzeichen, die Vorhalle an der Westseite des Langhauses. Langhaus ist flachgedeckt. Chor gewölbt, spitzbogiges Kreuzgewölbe ohne Rippen. Die Fenster mit Ausnahme eines an der Ostseite des Chores erweitert. Die Westempore ist erneuert, war aber, wie ein Mauerabsatz im Innern beweist, schon ursprünglich vorhanden. Am Aeusseren nördlich eine vertiefte Blende oben mit einem Rundbogenfries geschlossen (7 Bögen). an der Nordseite des Chores einfache und doppelte Bogennischen". |
Im Jahr 1953 wurde das Vorhaus an der
Westseite dazu gebaut.
Die letzte Renovierung fand in den Jahren 1979-1982 statt.
Das in seiner Einfachheit fast archaisch anmutende Gotteshaus steht am südlichen Ende der Ortschaft, der von einem Friedhof umgeben ist. Die Kirche ist ein verputzter Ziegelbau (Mauerstärke im unteren Teil ca. 1 Meter) mit noch unverändertem Grundriss: einschiffiges, ziemlich kurzes, flachgedecktes Langhaus und stark eingezogener, rechteckiger Chor im Osten unter dem Turm (Chorturmanlage). Aus der Erbauungszeit stammt auch noch das kleine runde Fensterchen an der geraden Ostwand des Chores. Alle anderen Fenster sind in der Barockzeit als Rundbogenfenster vergrößert worden.
| Entgegen der üblichen Gepflogenheit romanischer Baumeister befindet sich der äußerliche Bauschmuck nicht an der Südseite, sondern ziert die nördliche Fassade von Langhaus und Chorraum; wohl deshalb, weil sie früher auch die Eingangsseite war. Das Portal ist später auf die Südwestseite und 1775 auf die Westseite verlegt worden. | Bei der romanischen Bauzier am Kirchenschiff handelt es sich um einen vertieften, siebenfachen Rundbogenfries, am Chorraum um drei Bogennischen. Eine dieser Nischen steht frei, die beiden anderen sind als Paar zusammengefasst, lediglich durch ein Säulchen getrennt (siehe Bild links). |
Der Altarraum unter dem
Turm besitzt innen eine Breite von 4,30 m. Das dreiachsige Kirchenschiff ist
mit 6,80 m erheblich breiter. Das Kirchenschiff wird durch vier in der Barockzeit
erweiterte Fenster erhellt. In Höhe der Empore enthält die Südseite
eine Lichtscharte.
Der gedrungene Sattelturm auf der Ostseite besitzt auf drei Seiten rundbogige
Schallöffnungen und springt gering in das Langhaus ein. Im Turm hängen
zwei Glocken: die kleinere wurde von Joseph Daller 1791 in München gegossen,
die größere 1950 von Czudnochowsky in Erding. Die 4,37 x 7,20 m große
Sakristei ist an der Südseite angebaut.
| Seit 1953 ist der Eingang auf der Westseite durch ein Vorhaus, das von Süden her frei zugänglich ist, vor den Unbilden der Witterung geschützt. Im linken Bild sehen Sie die nischenartige, rundbogige Vertiefung mit vorgesetztem Holzgitter (80 x 63 cm) an der nördlichen Innenwand. Es diente früher als Beinhaus (Karner). Das Bild rechts zeigt die Rückwand, an der ein Kreuz mit Leuchtern hängt, das von zwei Steintafeln mit den Namen der Gefallenen Arzbacher in den beiden Weltkriegen flankiert wird. |
| Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte man die Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Arzbach erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen. |
Inneneinrichtung
| Der Altarraum ist von einem rippenlosen, spitzbogigen Kreuzgewölbe überdeckt und durch einen einfachen Rundbogen vom Kirchenschiff getrennt. In der Decke sind noch die beiden ehemaligen Seilführungen für die Glocken sichtbar. Diese wurden inzwischen in die Sakristei umgeleitet, von der aus nun die Glocken geläutet werden. | Wegen
der Enge des Chorraums, der ja nur die Grundmaße des Turms besitzt,
ist kein Platz für Priester- und Ministrantensitze. Die ganze Breite
und Höhe wird vom Choraltar ausgefüllt. Am Übergang zum Kirchenschiff hat man einen Zelebrationsaltar aufgestellt. |
| Das Fenster
an der Nordseite des Chores(siehe Bild links) besteht aus Antikglas in Sechseckverbleiung.
Es enthält eine farbige Ecce-homo- Darstellung mit Kranzbordüre
und der Aufschrift "Gestiftet / v. d. Ehemänner / Peter u. Johann",
"Entw. u. Ausgef. /Syrius Eberle / Dachau". Am Südfenster eine Darstellung
der weinenden Maria und dem Text: "Gestift. v. / Maria Obermeier / Post-Bäurin
/ Arzbach / 1931". Ein Bild des Jammers und zugleich das Bild göttlicher Größe. Im roten Purpurmantel, einen Strick um die Brust, strahlt das Gesicht nicht Schmerz, sondern Erhabenheit und Stille aus, schrieb Horst Kaboth 1998. |
Der Altar besitzt einen einteiligen, klassizistischen
Aufbau aus der Zeit um 1849. Die Retabel, der Altaraufbau, hat die Maße
177 x 144 x 11 cm. Früher nahm man an, dass es aus Teilen seines Vorgängeraltars
aus dem Jahr 1630 errichtet worden ist; dies scheint aber nicht der Fall zu
sein.
Zwei Pilaster
tragen einen Dreiecks-Giebelaufsatz. Die Stipes, der Altarblock, ist gemauert,
das Antependium
mit Holz verkleidet.
| Auf dem 112 x 77,5 cm großen Altargemälde sind die Kirchenpatrone, die auch "Wetterherren" genannten Heiligen Johannes und Paulus dargestellt. Auf dem nebenstehenden Bild stehen die beiden Heiligen in Soldatenkleidung im Vordergrund und blicken auf zum Himmel, von dem ein Gnadenstrahl, vom Auge Gottes ausgehend, auf sie herabführt. Maler war Anton Huber d.Ä. aus Dachau (Signatur: "Huber pinx. Dachau /1849"). | Hinweis: Die Brüder Johannes und Paulus waren Beamte am kaiserlichen Hof. Unter Kaiser Julian, dem Abtrün-nigen, wurden sie wegen ihres christlichen Glaubens im Jahr 361 enthauptet. Sei dem 6. Jahrhundert werden sie als Märtyrer verehrt, später galten sie auch als Gewitterheilige. In Rom ist ihnen über der Stätte ihres Martyriums die Kirche San Giovanni e Paolo gewidmet. |
| Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später die Hand aus der Wolke. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird deshalb auch Dreifaltigkeitsauge genannt. |
Das Langhaus ist ein schlichter, flach gedeckter Raum von bescheidenen Ausmaßen (7 mal 5 Meter). An der Nord- und Südwand tritt die Mauer in etwa 2/3 Höhe um etwas mehr als Handbreite zurück. Bis zu dieser Höhe dürfte das Mauerwerk schon ein Alter von mehr als 700 Jahren haben.
Kreuzigungsgruppe am Chorbogen
| In der Mitte, über dem
Zugang zum Chor, hängt eine Kreuzigungsgruppe.
In der Mitte das Kruzifix, darunter die im Schmerz versunkene Muttergottes
(mater dolorosa - links) und der Apostel Johannes, der hinaufblickt zum
Gekreuzigten (siehe Bild rechts). Das Kruzifix ist die älteste Figur der Kirche und stammt aus der Zeit um 1400. Es steht stilistisch zwischen der Romanik und der Gotik. Zwar sind die Wunden Jesu schon blutüberströmt dargestellt und die Füße übereinander genagelt (sog.Dreinagelkreuz), doch die Haltung Christi, insbesondere seine wie zur Umarmung ausgebreiteten Arme erinnern noch an die romanischen Christkönig-Kruzifixe. Der Corpus besitzt außergewöhnlich lange Arme und Beine, am Oberkörper sind die Rippen einzeln zu zählen. Maria und Johannes stehen auf schmalen barocken Holzkonsolen und sind im Stile des 16.Jh geschnitzt ("gotischer Schwung" bei Maria). |
| Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen. |
Die im Jahre 1874 von Ludwig Hack aus Dorfen gelieferten Seitenaltäre wurden bei den letzten Restaurierungsmaßnahmen entfernt. An ihrer Stelle sind zwei Figuren angebracht:
| An der linken Seite eine große
moderne Madonnenfigur (1982).
Maria trägt, wie auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist, eine Krone
auf dem Haupt. Sie ist mit einem schönen blauen Mantel mit Goldborte
bekleidet und trägt auf ihrem linken Arm das lebhafte Jesuskind, dessen
Blick auf den Apfel in seiner Hand gerichtet ist. Der Apfel symbolisiert
den Sündenfall im Paradies. Jesus wird durch seinen Tod und seine Auferstehung
die Sünde überwinden. Der Fuß Mariens ruht auf einer Mondsichel, die an Maria als die Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) erinnert. Sie wird dort als "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen" beschrieben. |
| Rechts steht eine gotische
Figur des hl. Andreas mit dem
für ihn typischen langen Bart. In der rechten Hand hält er ein
Buch; unter den linken Arm hat er sein Attribut, das Andreaskreuz, geklemmt. Die Figur wurde neu gefasst. Hinweis: Andreas war der Bruder des Petrus. Er wurde von Jesus als erster Jünger berufen. und soll im Jahr 60 in Patras (Griechenland) an ein X-förmiges Kreuz gebunden worden sein, an dem er nach 2 Tagen starb. Das Buch weist ihn als Verkünder des Evangeliums aus. |
Aus den Kirchenrechnungen ist ersichtlich, dass
Constantin Pader im Jahr 1630 einen Altar auf der linken Seite erstellt hat,
der vom Maler Christoph Pfab gefasst worden ist. Und weil dieser Altar so gut
gelungen war, hat man den Künstlern freiwillig einen Aufschlag von 2 Gulden
gezahlt. In der Kirchenrechnung heißt es dazu:
"Constandtin Paader, Pildthauer zu Dachau, lauth beyliegendere
Visier, von dem seiten Altar uf der linckhen handt
Zuschneiden sambt für die Khüsstler Arbeith, beschechnem
abpruch nach bezalt 17 Gulden und 30 Kreuzer
Christoph Pfaab Mallern Zu Dachau, solchen mit Proniertem
Goldt, davon Zefassen bezalt 19 Gulden.
Und weilln Sy, wie man in der besichtigung gefunden, ein
mehrers verdient, Ihnen noch zum bessten verwilliget 2 Gulden."
Die aus Dachau stammenden Künstler Konstantin Pader (Bildhauer) und
Christoph Pfab (Maler) haben öfters zusammengearbeitet. Bekannt ist dies
aus den Kirchen im Dachauer Gebiet von Arzbach (Seitenaltar), Einsbach-Wallfahrtskirche
Hl.Blut (Choraltar) und Mitterndorf (Choraltar) sowie aus Biberach /Würtemberg.
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Nicht mehr in der Kirche aufbewahrt wird ein Reliquiar mit rundem Fuß aus der Zeit des Übergangs vom 19. in das 20.Jh. Es besteht aus vergoldetem Messing. Das runde Schaugefäß enthält ein winziges sog. "Agnus Dei", umgeben von vier grünen, geschliffenen Steinen in Klosterarbeit.
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| Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So tenditiell auch in Arzbach (links Marienfigur, rechts Andreasfigur) |
| An den Seitenwänden hängen
die 42 x 33 cm großen Kreuzwegbilder.
Sie wurden um 1960 im Rokokostil gemalt (Signatur auf dem Bild der 14.Station:
"Fr.N.S."). |
Hinweis: In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". |
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1.Station
Jesus wird zum Tode verurteilt |
2.Station
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern |
3.Station
Jesus fällt zum 1.Mal unter dem Kreuz |
4.Station
Jesus begegnet seiner Mutter Maria |
5.Station
Simeon hilft Jesus das Kreuz tragen |
6.Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch |
7.Station
Jesus fällt zum 2.Mal unter dem Kreuz |
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8.Station
Jesus begegnet den weinenden Frauen |
9.Station
Jesus fällt zum 3.Mal unter dem Kreuz |
10.Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt |
11.Station
Jesus wird ans Kreuz geschlagen |
12.Station
Jesus stirbt am Kreuze |
13.Station
Jesus wir vom Kreuz abgenommen |
14.Station
Jesus wird ins Grab gelegt |
| Der Emporenaufgang und die Empore
sind neu. Auffallend ist der Mauerabsatz,
den sie auf dem Bild links neben dem kleinen Fenster sehen. Er steht für
eine frühere, weniger tiefe Empore. Neben dem einfachen Betstuhl steht ein Elektronium, mit dem der Gesang der Kirchenbesucher begleitet wird. Es wurde, wie einer Aufschrift zu entnehmen ist, von Brigitte Zschänderlein 1987 gestiftet. |
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die
älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Theodor Bitterauf,
Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1611, Nr.97, 265, 1070)
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen
und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (1.Kirche)
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Sigfrid Hofmann, Arbeitsgemeinschaften bei oberbay. Altarbauten des 17.u.18.Jh,
in ZBLG 35, 1972 (Pader/Pfab)
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Seitenaltäre
1630)
Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom Oktober 1998 (erste
Erwähnung, Fenster)
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
33 Bilder: Hans Schertl
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18.12.2011